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Kaarst: Gemeinsam lernen in der Kita

Kaarst : Gemeinsam lernen in der Kita

In der städtischen Kindertagesstätte Kölner Straße in Büttgen gibt es jetzt eine integrative Gruppe. Behinderte und nicht behinderte Kinder werden dort zusammen betreut. Davon profitieren beide Seiten.

Jan feiert an diesem Vormittag seinen fünften Geburtstag, mit Kuchen und Kerzen und all seinen Freunden aus der Kindergartengruppe. Dass diese Gruppe eine ganz besondere mit ganz besonderen Kindern ist, erkennt auf den ersten Blick nur derjenige, der weiß, dass es in der städtischen Kindertagesstätte Kölner Straße in Büttgen seit dem 1. August eine integrative Gruppe gibt.

Behinderte und nicht behinderte Kinder werden dort gemeinsam betreut, gebildet und erzogen. "Davon", sagt Kita-Leiterin Maria Ölscher-Wohllebe, "profitieren beide Seiten. Gesunde Kinder wachsen mit körperlich oder geistig behinderten Kindern auf und lernen, dass das etwas ganz Normales ist. Berührungsängste gibt es, wenn überhaupt, bei den Eltern. Kinder sind da vollkommen vorurteilsfrei."

Zwei weitere integrative Kindergartengruppen existieren in Kaarst bislang nur in der Kindertageseinrichtung Thüringenstraße. In Büttgen ergab sich der Bedarf aus einem bis dato hohen Anteil an Einzelintegrationen. Dabei werden behinderte Kinder einzeln in "normale" Gruppen aufgenommen.

In einer integrativen Kindergartengruppe gibt es mindestens drei und maximal fünf behinderte Kinder, die gemeinsam mit zehn gesunden Drei- bis Sechsjährigen betreut werden. Das hat viele Vorteile. Innerhalb der Gruppe erhalten sie eine auf ihre individuellen Bedürfnisse abgestellte spezifische Förderung.

"Die Möglichkeiten, die sich durch die Integration ergeben, sollen in erster Linie die Kinder mit Behinderung und ihre Familien entlasten", sagt Erzieherin und Sozialpädagogin Stella Kirschstein. So können Therapien zum Beispiel direkt in der Kita — in vertrauter Umgebung — stattfinden.

Damit entfallen nervenaufreibende Fahr- und Wartezeiten. Auch, Freunde in die Behandlungen einzubinden ist damit möglich. "Das", sagt Maria Ölscher-Wohllebe, "nimmt dem betroffenen Kind das Gefühl, eine Sonderstellung zu haben oder gar krank zu sein."

Dass solche integrativen Prozesse überhaupt funktionieren, setzt allerdings eine gemeinsame Grundüberzeugung innerhalb der Kindertageseinrichtung voraus. In der Kita Kölner Straße, sagen Maria Ölscher-Wohllebe und Stella Kirschstein, war die Bereitschaft zu einer engen Zusammenarbeit im Team und mit anderen Berufsgruppen sofort da.

Wegen des anstehenden Umzugs in einen Neubau ist die Zulassung für die "I-Gruppe" zunächst auf zwei Jahre beschränkt.

(NGZ)