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Kaarst: Büchereien gegen "offenen Bücherschrank"

Kaarst : Büchereien gegen "offenen Bücherschrank"

Der RWE-Konzern hat der Stadt Kaarst angeboten, ihr vier Jahre lang einen für jedermann zugänglichen Bücherschrank zu sponsern. Das Angebot stößt nicht überall auf Begeisterung.

Jeder Kaarster könnte es tun: Ein Buch, das er für besonders toll und lesenswert hält, hineinstellen, dafür ein anderes herausnehmen, dieses tauschen oder einfach behalten.

Der RWE-Konzern hat der Stadt Kaarst angeboten, ihr vier Jahre lang einen öffentlichen, für jeden zugänglichen Bücherschrank zu sponsern und die Wartungskosten zu übernehmen.

Die witterungsbeständige Stahlbox würde 6664 Euro kosten und an der Maubisstraße, gegenüber der Apotheke im Maubiszentrum, stehen. Die Patenschaft könnte Frank Thelen, Inhaber der Buchhandlung am Maubishof, übernehmen. Der ehrenamtliche Bücherpate sorgt unter anderem dafür, dass immer ausreichend Bücher in den Regalen stehen.

Bis zu 250 Exemplare hätten im "offenen Bücherschrank" Platz. Dass sich darunter keine Literatur mit fragwürdigem Inhalt befindet, müsste der Pate ebenfalls kontrollieren. Genauso würde er melden, wenn die speziell beschichtete Stahlbox beschädigt wird. In anderen Städten, in Neuss und in Düsseldorf zum Beispiel, gibt es so ein "niederschwelliges Leseangebot" schon.

Am Donnerstag soll der Stadtrat entscheiden, ob dem Kooperationsvertrag mit der RWE Deutschland AG zugestimmt wird. Die Idee wohlgemerkt hatte laut Verwaltung ursprünglich der Verein "Anthemon K 51 e.V. für Kunst, Kultur und Natur", der im Januar einen entsprechenden Antrag bei der Sparkassenstiftung Kaarst-Büttgen gestellt hat. Über diesen ist noch nicht entschieden. Im Frühjahr machte dann RWE der Kommune das Angebot.

Die Leitungen der Kaarster Büchereien haben sich gegen den "offenen Bücherschrank" ausgesprochen, weil "in jedem Stadtteil, außer in Driesch, eine oder sogar zwei Büchereien vorhanden sind". Der Verein "Anthemon K 51", heißt es in einem Schreiben an Kulturmanager Klaus Stevens weiter, sei bislang auch niemandem bekannt. Man befürchte, dass ein öffentlicher Bücherschrank zur Weitergabe von fragwürdigem Gedankengut missbraucht werden könnte.

Die Kosten für das Ausleihen eines Buches in einer der Kaarster Büchereien seien mit 20 Cent für vier Wochen "nicht der Rede wert" und dienten zudem als Erziehungsmaßnahme für Kinder und Jugendliche nach dem Motto: "Auf Dinge, für die ich bezahle, passe ich besser auf".

(NGZ/rl)