Kaarst: Amprion setzt Probebohrungen durch

Kaarst: Amprion setzt Probebohrungen durch

Auf 3,5 Kilometern Länge soll die neue 380-kV-Höchstspannungsfreileitung über Grund und Boden von Landwirt Heinrich Müllers führen. Für den Fundamentbau hat der Energieversorger jetzt erste Probebohrungen durchgesetzt.

Drei Jahre lang hat sich Heinrich Müllers gegen die Pläne des Energieversorgers Amprion gewehrt. Er hat Betretungsverbote für seine Grundstücke und die seiner Pächter ausgesprochen, hat mehr als 600 Seiten Akten gesammelt und mit mehr als 30 Politikern und Journalisten korrespondiert - von Bundeskanzlerin Angela Merkel über den ehemaligen CDU-Generalsekretär und heutigen Gesundheitsminister Hermann Gröhe bis hin zu Politiktalker Günter Jauch.

Ohne Erfolg. Am Ende musste sich der staatlich geprüfte Landwirt einer Duldungsverfügung der Bezirksregierung Düsseldorf beugen. Anfang vergangener Woche rückten die Maschinen an. "Wir sind alle stinksauer", sagt Müllers. "Es ist für uns Kaarster Landwirte und Eigentümer überhaupt nicht tragbar, dass hier Energiepolitik auf unsere Kosten betrieben wird."

Zur Erklärung: Zur Sicherung der Energieversorgung will Amprion das Stromnetz in NRW ausbauen. Geplant ist unter anderem die Errichtung einer neuen 380-kV-Höchstspannungsfreileitung zwischen den Umspannanlagen Osterath und Rommerskirchen. Auf Kaarster Stadtgebiet würde die Leitung auf circa 4,4 Kilometern Länge von Norden nach Süden verlaufen: östlich der L 154, von der Alten Landwehr über die L 30 und die A 52, weiter über die Neusser Straße, östlich entlang der Wohnbebauung Im Rottfeld/Kampwebersheide und ab der Autobahnanschlussstelle Holzbüttgen parallel zur A 57, wo sie im Bereich des Gewerbegebiets Hüngert das Stadtgebiet dann wieder verlässt.

Heinrich Müllers gehört nicht zur Bürgerinitiative "Pro Kabel Kaarst". Er kämpft demnach auch nicht gegen die Errichtung der neuen Leitung, die auf 3,5 Kilometern Länge über seine insgesamt 7,5 Hektar Grund und Boden führen soll. Er sagt sogar: "Wenn das nötig ist, um die Stromversorgung in Deutschland zu sichern, dann ist das halt so." Aber Heinrich Müllers will auch sein Recht - auf eine, wie er sagt, "vernünftige Informationspolitik" und eine angemessene Entschädigung dafür, dass er Amprion Platz für die Leitungen samt Masten auf seinen Grundstücken gewährt. "Entscheidend ist, dass die Eintragung ins Grundbuch genau über 7,5 Hektar geht", sagt er. "Für mich bedeutet das einen deutlichen Wertverlust meiner Grundstücke, und das so lange, wie die Masten dort stehen, also weit über 100 Jahre."

Heinrich Müllers fordert deshalb eine wiederkehrende Nutzungsvergütung anstatt einer Einmalzahlung beziehungsweise eine neunprozentige Verzinsung des eingesetzten Kapitals. "Das, was wir bekommen sollen ist nur ein Bruchteil dessen, was uns zustände", sagt der Landwirt. Chancen, sich zu wehren, sieht er kaum noch. Eigentlich wollte Amprion bereits vor einem Jahr mit Probebohrungen zur Untersuchung der Bodenbeschaffenheit beginnen. Jetzt wurde eine Duldungsverfügung der Bezirksregierung Düsseldorf durchgesetzt.

(NGZ)
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