Meerbusch: Konverter: Osterath bleibt im Rennen

Meerbusch : Konverter: Osterath bleibt im Rennen

Netzbetreiber Amprion hat gestern erstmals öffentlicherklärt, welche Voraussetzungen ein möglicher Standort des geplanten Stromkonverters erfüllen muss. Die Stadt Meerbusch sieht den Entwurf des Kriterienkatalogs kritisch.

Für die Suche nach einem geeigneten Standort für einen geplanten Stromkonverter hat Netzbetreiber Amprion jetzt vier Ausschlusskriterien festgelegt. Von denen trifft allerdings keines auf den Standort Osterath zu, den Amprion lange Zeit als "alternativlos" bezeichnet hatte, auch noch in einer Ratssitzung in Meerbusch vor gut einem Jahr. "Wir haben noch keinen Standort. Den suchen wir jetzt", sagte gestern Amprion-Sprecherin Joëlle Bouillon.

"Wir gehen davon aus, dass Osterath einer genaueren Überprüfung gewiss nicht standhalten wird", erklärte Karsten Weigmann von der "Initiative gegen den Doppel-Konverter Osterath". Er kritisierte die Bundesnetzagentur, die starr daran festhalte, dass der geplante Stromkonverter ans Umspannwerk Osterath angebunden werden muss. In einer der nächsten Sitzungen des Kreis-Planungsausschusses soll die Initiative ihre Bedenken vortragen können.

Im Zuge der Energiewende soll der größte Stromkonverter innerhalb der EU ans Umspannwerk Osterath angebunden werden. Die Industrieanlage mit einer Grundfläche von 100 000 Quadratmetern und bis zu 20 Meter hohen Hallen soll konventionell erzeugten Strom auf die geplante Stromautobahn bringen, damit nach dem Abschalten des Atomkraftwerks Philippsburg das Bundesland Baden-Württemberg kein Energieproblem bekommt. Später soll der Konverter auch die Industrie im Ruhrgebiet mit ökologisch erzeugtem Windstrom versorgen.

Die Stadt Meerbusch hatte Verfassungsbeschwerde gegen das entsprechende Gesetz eingelegt, da es keine hinreichende Alternativenprüfung gegeben habe.

Im Kreis-Planungsausschuss stellte Amprion-Projektleiter Thorsten Mikschaitis gestern den Entwurf der Kriterien vor. Keinesfalls infrage kämen Gebiete, die kleiner seien als 370x260 Meter, auf denen sich Wohnbebauung befinde oder die in einem rechtlich streng geschützten Gebiet lägen. Daneben hat Amprion fünf so genannte Abwägungskriterien formuliert. Eines von ihnen dürfte bei der Meerbuscher Stadtverwaltung auf besonderes Misstrauen stoßen: "Der Standort liegt möglichst nah an bestehenden... 380-KV-Höchstspannungsfreileitungen." Denkbar sei aber auch, dass der Stromkonverter an einer neu zu errichtenden Stichleitung angebunden werde, betonte der Amprion-Mitarbeiter.

Das Unternehmen hatte bereits vor Monaten erklärt, dass es mit wenigstens zwei möglichen Standorten aus dem Suchverfahren kommen werde. Frühestens im April nächsten Jahres, spätestens im Juni 2014, sollen die möglichen Standorte vorgestellt werden.

In der Meerbuscher Stadtverwaltung beschäftigen sich derzeit drei Fachbereiche mit dem Entwurf Amprions: der Fachbereich Umwelt, der Fachbereich Planung und der Fachbereich Recht. Umweltamtsleiter Heiko Bechert: "Wir werden die Auswertungen der Fachbereiche in den kommenden Tagen zusammentragen. Es gibt durchaus Punkte, die wir kritisch sehen."

Für den 4. Dezember hat Netzbetreiber Amprion alle Städte und Gemeinden eingeladen, die im Suchradius für den geplanten Stromkonverter liegen. Das Netzausbaugesetz sieht vor, dass in einem Radius von mindestens zehn Kilometern um Osterath herum nach geeigneten Konverterstandorten gesucht werden muss. Amprion stellte gestern als Suchkorridor einen Bereich von drei Kilometern ums bestehende Leitungsnetz vor. Eingeladen zu dem Treffen sind neben Meerbusch auch die Städte Krefeld, Bergheim, Viersen, Grevenbroich, Rommerskirchen, Willich, Kaarst, Düsseldorf, Pulheim, Neuss, Mönchengladbach, Bedburg, Dormagen, Jüchen und Korschenbroich sowie der Rhein-Kreis-Neuss, der Rhein-Erft-Kreis und der Kreis Viersen sowie Umweltverbände und Initiativen.

(RP)
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