Kaarst: Nach Protesten: Büttgen bekommt neue Bäume

Kaarst : Nach Protesten: Büttgen bekommt neue Bäume

Kreis und Stadt haben gestern 180 Bäume entlang der L 154 pflanzen lassen. Der Landesbetrieb hatte Bäume an dieser Stelle im Januar gefällt.

Von Stefan reinelt

Es wäre die Aufgabe des Landesbetriebs Straßen NRW gewesen, doch nun hat der Rhein-Kreis Neuss kurzerhand zum Spaten gegriffen - beziehungsweise durch Gärtner greifen lassen. Entlang der L 154 im Westen von Büttgen sind gestern insgesamt 180 Bäume eingepflanzt worden - als Sichtschutz für die direkt angrenzenden Grundstücke. Zuletzt konnte man den Eigentümern auf einer Länge von rund 500 Metern nicht nur in den Garten schauen, sondern bestenfalls auch noch auf den Kuchenteller beim Nachmittagskaffee auf der Terrasse. Die Nachbarschaft hatte sich vehement für die Maßnahme eingesetzt.

Sie wurde von der großräumigen Baumfällung im Januar durch den Landesbetrieb überrascht; auch die Stadt war nicht in Kenntnis gesetzt worden und konnte trotz Intervention noch am gleichen Tag die weiteren Arbeiten nicht mehr verhindern. Einige Bäume seien krank gewesen, ohne sie sei die Standsicherheit anderer nicht mehr gewährleistet, hieß es seitens des Landesbetriebs. Und so wurde daraus eine Großmaßnahme. Drei Petitionen reichten die Bürger beim Landtag ein, und sie wurden im Bau- und Umweltausschuss der Stadt vorstellig. Eine Vertreterin der Nachbarschaftsinitiative ist Silvia Klinkhammer. "Die Menschen waren davon betroffen, aber auch die Tiere. Fledermäuse und Eichhörnchen sind jetzt weg", erzählt sie.

In Klinkhammers Wohnzimmer fanden einige Treffen statt, unter anderem auch mit dem Regionalleiter des Landesbetriebs, Gerhard Decker. "Das Gespräch mit ihm war nicht schlecht, und vielleicht hätte es irgendwann auch der Landesbetrieb in Ordnung gebracht. Aber wichtig ist, dass man im Vorfeld über solche Maßnahmen informiert wird", so Klinkhammer. Denn sie weiß von dem Plan, nach dem eigentlich auch die Bäume auf der gegenüberliegenden Seite der Landstraße hätten gefällt werden sollen, aus Kostengründen dies aber verschoben wurde. "Dafür gäbe es überhaupt keinen Grund. Die Bäume sind stabil genug und halten den Wind ab. Tag und Nacht sitzen dort Greifvögel drin, die auch noch nie eine Gefahr für die Straße waren", sagt Wolfgang Hütz.

Die bei der gestrigen Pflanzaktion anwesenden Anwohner waren in erster Linie glücklich und zufrieden. Manche Nachbarn blieben ihr aus Ärger aber auch fern. "Sie beklagen sich darüber, dass sich hier nun Kreis und Stadt medienwirksam in Szene setzen", sagt Silvia Klinkhammer. Ob der Wahlkampf dabei eine Rolle spielt? "Kann sein, aber das ist uns egal. Hauptsache es wird jetzt was gemacht", sagt Wolfgang Hütz. Fest steht: Viel länger hätte man mit einer Bepflanzung in diesem Jahr nicht mehr warten können. "In ein bis zwei Wochen wäre es zu spät gewesen und die Bäume wären nicht mehr richtig angewachsen", erklärt Volker Groß, Abteilungsleiter Landschaftspflege bei der Kreisverwaltung. Eingepflanzt wurde ein bereits belaubter Feldahorn, der schnell wächst.

(stef)