Ansichtssache: Gut gemeint, miserabel gemacht

Ansichtssache : Gut gemeint, miserabel gemacht

Gummersbach ist weit weg. Das war dieser Tage wieder zu merken, als es um das Tempo-Infogerät an der K 5 in Westhoferhöhe ging. Zwar kümmern sich die Mitarbeiter der Kreisverwaltung auch um die Nordkreis-Städte wie Hückeswagen, aber mitunter entsteht der Eindruck, als würden sie sich nicht im Geringsten hier auskennen. Das Aufhängen des Tempo-Infogeräts ist ein Beispiel dafür.

Die Idee dahinter ist gut: Die Kreisverwaltung wollte den Verkehr auf der viel befahrenen Kreisstraße zwischen Westhoferhöhe und Kobeshofen messen und war damit einer Anregung eines Anwohners nachgekommen. Der hatte sich über die Raserei und die Lärmbelästigung beschwert. Wer täglich über die K 5 fährt, stellt schnell fest, dass er damit Recht hat. Dazu kommt noch, dass so mancher Verkehrsteilnehmer gerne auch das Überholverbot ignoriert.

Doch das Messgerät gerade einmal 60 Meter hinter der Einmündung der L 68 aufzuhängen, war zwar gut gemeint, aber miserabel gemacht. Da kann einfach kaum jemand zu schnell sein. Das waren nur diejenigen Fahrer, die Gas gaben und es als sportlichen Ehrgeiz ansahen, die Anzeige so hoch wie möglich "zu fahren". Das Tempo-Messgerät hätte an den Gerade Richtung Windrad positioniert werden müssen, da dort die meisten Verkehrsverstöße begangen werden. Doch die Kreisverwaltung argumentierte, dass es im gesamten Bereich nur einen Strommast gegeben habe, an dem es in den notwendigen zwei Metern Höhe aufgehängt werden konnte. Das ist zwar durchaus richtig. Die Stadt Hückeswagen aber zeigt, wie es auch ohne Laternen- oder sonstigen Mast gehen kann: In Dreibäumen steht das gleiche Tempo-Messgerät, an einem Mast befestigt, der in einem Betonsockel eingelassen wurde.

Der Kreis, der das Gerät an der K 5 inzwischen wieder abgezogen hat, sollte mit der Stadt einen Tausch eingehen: Er bekommt deren Messgerät im Betonsockel und kann damit den Verkehr an der K 5 messen, die Stadt übernimmt das des Kreises und hängt es demnächst in Sohl oder Knefelsberg auf, wo ebenfalls der Verkehr gemessen werden soll. Dort gibt es genügend Masten, wo die Tafel in zwei Metern Höhe aufgehängt werden kann. Somit wäre beiden Behörden gedient - und vielleicht auch den Anwohnern und vielen Verkehrsteilnehmern, die von den Rasern und Überholverbot-Ignoranten genervt sind.

Einen Schlussstrich zog die Politik jetzt im Bauausschuss und hatte dem von der Verwaltung favorisierten Bau einer Urnenwand auf dem Friedhof eine Absage erteilt. Das war die richtige Entscheidung. Zwar nehmen die Urnenbestattungen zu, und mit dem Kolumbarium in der Johanniskirche ist der Stadt ein Konkurrent erwachsen. Aber die Kosten für den Bau des Urnengartens inklusive aller Anlagen und Wege hätte die Friedhofsgebühren so hochgetrieben, dass so manche ihre Angehörigen nicht auf dem "Kämpchen" hätten beerdigen lassen. Damit wäre also nichts gewonnen worden.

Was geht eigentlich in den Kopfen dieser dummen Menschen vor, die meinen, es wäre eine Heldenleistung, fremdes Eigentum zu beschädigen? Zu verstehen ist es nicht, dass die Ladesäule für E-Bikes am Etapler Platz in kurzer Zeit mehrfach Vandalismusschäden aufwies. Es ist zu befürchten, dass die Täter weiter ihrer sinnlosen Zerstörungswut nachgehen. Die Folge dürfte sein, dass Stadt und BEW ein attraktives Angebot für Radtouristen rückgängig machen werden, was ein Verlust für Hückeswagen bedeuten würde. Nur interessiert es leider nicht diejenigen, die dafür verantwortlich sein werden.

(RP)
Mehr von RP ONLINE