Serie 150 Jahre Löschzug Stadt (2): Als Teil eines Teams den Mitbürgern helfen

Serie 150 Jahre Löschzug Stadt (2) : Als Teil eines Teams den Mitbürgern helfen

Nach ihrer Gründung 1868 entwickelt sich die Freiwillige Feuerwehr Hückeswagen zu der gut aufgestellten Brandbekämpfungstruppe von heute.

Hückeswagen Der Anfang war gelungen: Nach der Gründung der Turner-Feuerwehr im Jahr 1868 hatte es ein Jahr gedauert, ehe sie zum ersten Mal ausrücken musste. Zwei Jahre später kümmerten sich bereits zwei Löschzüge um die Sicherheit in der Schloss-Stadt. Neun Jahre nach der Gründung wurde aus der Turner-Feuerwehr die heutige Freiwillige Feuerwehr. Und so konnte die Wehr ihr Zehnjähriges ein Jahr später unter dem neuen Namen feiern. In den Folgejahren werden mehrere kleinere Wehren im Umland gegründet. So 1885 die Freiwillige Feuerwehr Born, 1886 die Lüdorfer Feuerwehr und die Feuerwehr Brücke, 1888 die Berghauser Feuerwehr und 1889 die Freiwillige Feuerwehr Wiehagen. Nicht mehr helfen konnte die Feuerwehr hingegen 1894, als aus ungeklärter Ursache im katholischen Schulhaus Westhofen ein Brand ausbrach und das Gebäude bis auf die Grundmauern niederbrannte. 1907 gab es die Freiwillige Feuerwehr Hückeswagen bereits 39 Jahre. Damals befanden sich im Inventar der Wehr, wie aus der Chronik hervorgeht, vier Standrohre, eine Saug- und Druckspritze, acht Stahlrohre, neun verschiedene Leitern und insgesamt 520 Meter Hanfschläuche. Untergebracht war das Material im Spritzenhaus mit dreistöckigem Steigerturm an der Ruhmeshalle, zu den Einsatzorten wurde es durch den Fuhrunternehmer Hager gebracht - kostenfrei. 1909 wurden die Löschzüge Holte und Herweg gegründet, die auch heute noch für die Sicherheit in ihren jeweiligen Gebieten sorgen. Die Gründung des Herweger Löschzugs war dabei nicht ganz einfach; so musste der Stadtrat deutliche Worte finden: "Wenn keine Wehr auf freiwilliger Basis zusammenkommt, dann eine Zwangsfeuerwehr", hieß es seitens der Stadtverwaltung. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Feuerwehr umstrukturiert: 1920 sollten die Wehren Hückeswagens und Neuhückeswagens zu einer einheitlichen Wehr zusammengefasst werden. Ziel war auch, die Stellung sämtlicher Löschgruppen als anerkannte Feuerwehr zu erwirken. Ab sofort gab es sieben Löschzüge: Neben dem eigentlich Löschzug Stadt noch die in Herweg, Wefelsen, Holte, Straßweg, Wiehagen und Lüdorf, das aber seit 1975 zu Remscheid gehört. Erstmals hatten sich seinerzeit auch die Fabrikanten in der Schloss-Stadt dazu bereiterklärt, ihren Arbeitern, die bei Löscharbeiten mithelfen mussten, den Lohnausfall zu ersetzen. In der Zeit der NS-Diktatur wurde die Feuerwehr in Hückeswagen der Polizei unterstellt. Im November 1939 musste sie ein Großfeuer in der Firma Schnabel bekämpfen, die Wehren aus Radevormwald, Lüdorf und Wermelskirchen halfen ebenso mit wie Soldaten der Wehrmacht. Die Gebäude waren jedoch nicht mehr zu retten. 1958 beging die Freiwillige Feuerwehr ihr 90-jähriges Bestehen, kurz zuvor hatte sie ein modernes Tanklöschfahrzeug bekommen. Drei Jahre später wurden die Planungsunterlagen für den Bau der neuen Feuerwache an der Bachstraße fertiggestellt, 1963 zog der Löschzug Stadt dort ein. Den Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen vorausging 1968 höchste Explosionsgefahr, als über 500 Liter Benzin aus einer Tankstelle in die Kanalisation abgeflossen waren und sich dort explosive Gase gebildet hatten.

Die Feuerwehr musste in den Folgejahren immer wieder zu kleineren, aber auch großen Einsätzen ausrücken. Kurios war dabei etwa der "Feuerteufel", der 1978 sein Unwesen trieb und etwa acht vorsätzliche Brände legte. 1978 wurde die Partnerschaft mit der Feuerwehr von Etaples begründet, die bis heute besteht. Hinzu kam eine Partnerschaft mit Königs Wusterhausen in Brandenburg, die 1996 besiegelt wurde. 2004 wurde der Förderverein gegründet. Die Feuerwehr kann optimistisch in die Zukunft blicken: Fast alle Fahrzeuge im Löschzug Stadt sind neu und auf dem technisch aktuellsten Stand, dazu kommt die Aussicht auf ein neues Gerätehaus im Brunsbachtal. Aber das Wichtigste steckt in den Mitgliedern der Wehr: das Gefühl, Teil eines Teams zu sein und helfen zu können.

(wow)
Mehr von RP ONLINE