Hückeswagen: Das erste — und letzte — Krankenhaus

Hückeswagen : Das erste — und letzte — Krankenhaus

Das frühere Marienhospital ist, entgegen den Befürchtungen nach der Schließung 1993, längst mit neuem Leben erfüllt. 2011 wird das "Haus Marienbrunnen" seinen Betrieb dort aufnehmen, außerdem zieht das Wirtschaftsgymnasium ein. Das Krankenhaus ist nur noch Geschichte.

In der "Gesellenherberge" gab es zwei Zimmer für die Krankenpflege — sie reichten nicht. Zunehmend wurden in den Jahren ab 1843 Überlegungen laut, in der Stadt ein Hospital zu bauen. Treibende Kraft war der Hückeswagener Peter Giesen, 1843 vom Kölner Erzbischof, Johannes Cardinal von Geihsel, im Amt als Pfarrer bestätigt. 1861 wurde das Projekt, für das Giesen leidenschaftlich kämpfte, konkreter: Die Katholische Kirchengemeinde kaufte einen alten Steinbruch vor der Krähenhöhe. 1863 beschloss der Kirchenvorstand unter Pfarrer Giesen den Bau eines Krankenhauses dort.

Taler für Taler hatte der deshalb am Ort so genannte Bettelpastor dafür an Spenden hereingeholt. 1865 legte Pfarrer Giesen den Grundstein, 1866 war das Marienhospital bezugsfertig. Das erste Krankenhaus von Hückeswagen stand.

Auch die Kirche gab auf

Ab 1981 war es auch das einzige Krankenhaus der Stadt, nachdem das evangelische "Gegenstück" im Johannesstift im Januar des Jahres geschlossen worden war. Und am Ende war das Marienhospital dann das letzte "Krankenhaus der Grundversorgung" in Hückeswagen, geschlossen nach erbittertem Kampf der Mitarbeiter, unterstützt von Tausenden von Hückeswagenern, im Frühsommer 1993.

  • Hückeswagen : Milch und dicke Stullen von den Nonnen
  • Hückeswagen : Trauriger Abschied von Ordensfrauen
  • Hückeswagen : Kämpfer fürs Marienhospital ist gestorben

Die örtliche Katholische Kirchengemeinde als Träger sah keine Möglichkeit mehr, sich zur Wehr zu setzen. Der Druck von Land und Bezirksregierung — und auch vom Erzbistum Köln — war zu groß geworden, die finanzielle Grundlage für eine Fortführung des Hauses fehlte.

Ein Investor, die WIBO-Gruppe, will danach die Immobilie kaufen, doch ihr Projekt "Seniorenwohnen im Marienhospital" scheitert im Frühjahr 1997. Im November desselben Jahres erwirbt das Remscheider Bauunternehmen Christian Runkel Gebäude und Grundstücke. Der Käufer plant die Einrichtung eines Pflegeheims für Demenzkranke im ehemaligen Hospital. Betreiber soll die GmbH "Domizil — Lebenskonzepte für ältere Menschen" mit Sitz in Eitorf/Sieg werden. Aufwändig wird umgebaut, aber niemand zieht ein.

2003 meldet die Firma Insolvenz an. Und bevor Runkel einen neuen Partner für das Projekt findet, geht 2009 auch diese Traditionsfirma in die Insolvenz. Kurz vor Weihnachten hat nun das Bauunternehmen Dohrmann die Immobilie aus der Insolvenz heraus gekauft. Nun will das ABC Pflegeversorgungszentrum ab Januar die erste Senioren-Wohngemeinschaft im ehemaligen Marienhospital einrichten.

"Wir wünschen uns, dass unser Krankenhaus auch nach der Schließung als soziale Einrichtung genutzt wird", hatte Pfarrer Friedhelm Radermacher 1997 beim Verkauf an Runkel gesagt. Es sieht so aus, als ginge dieser Wunsch, mehr als 17 Jahre nach der Schließung, nun doch noch in Erfüllung.

Wenn auch Sie persönliche Erinnerungen mit dem Marienhospital verbinden, schicken Sie uns eine Mail mit Ihrem Text oder auch einem Foto dazu an: bergisches.land@rp-online.de oder an redaktion.hueckeswagen@bergische-morgenpost.de

Hier geht es zur Bilderstrecke: Die Geschichte des Marienhospitals

(RP)
Mehr von RP ONLINE