Hückeswagen: Wunschkind mit Papas Augen

Hückeswagen : Wunschkind mit Papas Augen

Vor vier Wochen kam Leonie zur Welt. Ihre Ankunft war bei Mutter Tatjana Steinhauer mit Schmerzen und bei Vater Jens mit großen Sorgen verbunden. Doch wenn sie der Kleinen ins Gesicht sehen, sind alle Probleme vergessen.

Eigentlich ist Jens Steinhauer ein sehr gesprächiger Mensch. Doch in den zurückliegenden Monaten gab es Situationen, in denen es dem Wiehagener die Sprache verschlug. Und in denen ihm die Tränen kamen. Freudentränen.

Da war zuerst im Frühjahr der Anruf seiner Lebensgefährtin Tatjana Steinhauer auf der Arbeit in der Kobeshofener Härterei SKS; sie teilte ihm mit, dass er Vater werden würde. Und dann der 27. November, als nach langem Warten und großer Sorge um das Wohl seiner Freundin und des ungeborenen Kindes nach 16 Stunden endlich seine Tochter Leonie das Licht der Welt erblickte.

Das Wunschkind von Jens Rostankowski, wie der 40-Jährige da noch hieß, und Tatjana Steinhauer war angekommen. "Ich habe geweint und gezittert, als ich mein Kind das erste Mal im Arm liegen hatte", erinnert sich die 36-jährige Mutter an den wohl schönsten Augenblick in ihrem Leben. Und auch der Vater gesteht, in diesem Moment nah am Wasser gebaut zu haben. Die Emotionen, das Glück, hatten beide überwältigt.

Das Familienglück wurde gestern perfekt gemacht: Im Schloss traute Standesbeamtin Ursula Thiel die Aussiedlerin und den gebürtigen Sachsen, der den Namen seiner Frau annahm. Leonie, das Wunschkind, war bei der Zeremonie im engsten Familienkreis mit dabei.

Jens Steinhauer aus Rochlitz lebt seit 1991 in Hückeswagen. Weil er in seiner sächsischen Heimat keine Perspektive mehr sah und sein Vater in der Zeitung eine Stellenanzeige der Winterhagener Firma Busatis entdeckte, zog der damals 21-Jährige in die Schloss-Stadt. Nachdem Busatis zwei Jahre später geschlossen wurde, wechselte er zur Remscheider Firma Etzelmüller Pulverbeschichtung, wo er bis 2005 blieb.

Dort lernte der Sachse die Kontrolleurin Tatjana Steinhauer kennen. Sie war 1993 aus Kasachstan nach Deutschland übergesiedelt und lebt seit 1995 in Hückeswagen. "Ein Paar sind wir aber erst seit 2006", stellt Jens Steinhauer klar.

Und das kam so: Er lebte gerade in Scheidung und brauchte jemanden zum reden. Das war Tatjana Steinhauer. "Wir haben uns schon immer gut verstanden", erinnert sich der frisch gebackene Vater. Nach den vielen Gesprächen wurde aus Freundschaft Liebe. Noch im gleichen Jahr zogen die beiden in eine Wohnung auf Wiehagen.

Vor einigen Monaten machte die 36-Jährige den Schichtarbeiter sprachlos: "Herzlichen Glückwunsch, Du wirst Papa", erzählte sie ihm am Telefon, nachdem sie kurz zuvor vom Gynäkologen die frohe Kunde erhalten hatte. "Ich hab's erstmal nicht geglaubt, weil ich schon gar nicht mehr damit gerechnet hatte", erzählt sie. Doch als der Arzt ihr das Ultraschallbild zeigte, auf dem bereits das Köpfchen des Fötus' zu sehen war, "war ich hin und weg".

Ebenso der angehende Vater: "Meine Kollegen haben mir später erzählt, ich hätte mich ins Büro gesetzt und Tränen vergossen." Er sei sonst ziemlich gesprächig. "Aber an diesem Abend habe ich mich zurückgezogen. So kannten mich meine Kollegen gar nicht." Doch dann ging's schnell an die Organisation: "Ich habe eine DIN-A5-Seite voll geschrieben mit Namen", erzählt er. Es sollte ein kurzer sein. Doch Leonie stand gar nicht auf der Liste; für diesen Namen entschieden sich die Eltern später spontan.

Tatjana und Jens Steinhauer sind unendlich froh, dass Leonie auf der Welt und vor allem gesund ist. Denn die Geburt gestaltete sich äußerst schwierig. "Sie wollte nicht in den Geburtskanal rutschen", berichtet der Vater. Letztlich musste das Baby im Wipperfürther Krankenhaus mit der Saugglocke geholt werden.

Seitdem hat Leonie das Leben ihrer Eltern völlig verändert. "Ich hätte nie gedacht, nach nur zwei Stunden Schlaf zur Arbeit zu gehen", sagt Jens Steinhauer lachend.

"Es ist ein liebes Kind. Und es hat Papas Augen", sagt seine Frau und blickt das schlafende Neugeborene in ihrem Arm liebevoll an. Das Wunschkind ist angekommen. "Und wenn man es nach der Geburt das erste Mal sieht, sind sämtliche Schmerzen vergessen."

(RP)
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