Annie's Style: Konzert vor magerer Kulisse im Haus Zach

Konzert in Hückeswagen : Toller Indie-Pop vor magerer Kulisse

Nur zehn Besucher im Kultur-Haus Zach wollten die Band „Annie’ Style“ hören.

Ungewöhnliche Klänge kamen da am Freitagabend aus dem Kultur-Haus Zach. Wo sonst eher folkige Töne, meist aus Irland oder Schottland, geboten wurden, war diesmal der Sound von verzerrten E-Gitarren, einem treibenden Schlagzeug und Keyboards zu vernehmen. Die Münsteraner Band „Annie‘s Style“ hatte Indie-Pop/Rock und ein wenig Galgenhumor mitgebracht. Sängerin Helen Stegemann sagte es so: „Ihr seid zwar nur wenige, aber ihr seid da - und das ist cool!“

In der Tat füllten die zehn Leute im Publikum das Haus Zach nicht so wirklich gut, aber davon ließ sich die Band nicht beeindrucken, sondern spielte mit Leidenschaft und viel Energie ihren Sound, der irgendwo zwischen Bands wie „The Fray“ oder etwas zahmeren „Alter Bridge“ angesiedelt war. Die fünf jungen Musiker hatten nicht nur ihre erste CD mitgebracht, sondern eine ganze Menge Songs mehr, die mal rockig-düster waren, wie „Funeral“ oder „Always Come Together“, oder aber auch balladesk, wie das schöne „Home“, das mit tollen Gesangsharmonien und einem dramatischen Zwischenteil für Auflockerung sorgte. Über den souverän gespielten Instrumenten thronte die starke Stimme Stegemanns, die Dramatik und Leidenschaft gleichermaßen im Repertoire hatte - und ganz nebenbei auch über ordentlich Power auf den Stimmbändern verfügte.

Auch brandneue Songs gab es zu hören, etwa „Libre“, dessen französischer Titel der Tatsache geschuldet war, dass die Band im Sommer in Frankreich für zwei Wochen auf einem Weingut gewesen sei und dort die neue CD aufgenommen habe. „Von dort haben wir viele tolle Eindrücke mitgenommen, die wir in einem Song verarbeiten wollten“, sagte Stegemann. Das fröhliche Stück vermittelte tatsächlich den Eindruck, dass dafür etwas Schönes die Inspiration gewesen sein könnte. Unterstützt wurde die positive Atmosphäre dieses Songs vor allem durch die leider etwas leise abgemischte Hammondorgel, die auch sonst für tolle Akzente im ansonsten sehr dichten Bandsound sorgte.

Und dass nicht viele Leute im Publikum waren, war zumindest bei geschlossenen Augen nicht zu bemerken. Denn die zehn, die da waren, klatschen so ausdauernd und begeistert, dass es sich locker nach dem Fünf- bis Zehnfachen anhörte. „Auch wenn nicht viele da sind, ist es doch besonders schön, weil es eine so persönliche Atmosphäre ist“, zeigte sich Sängerin Stegemann begeistert, ehe sie den letzten Song „One Way Ticket To You“ ankündigte.

Der wurde noch von einem feinen und extrem kurzweiligen Schlagzeugsolo gekrönt, bei dem der Schlagwerker sich zum Schluss wie Tier aus der Sesamstraße völlig entfesselt zeigte und sogar seine Mütze verlor. Keine Frage - danach musste noch eine Zugabe her.

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