Hilden/Haan: Polizei fasst internationale Motorraddiebe

Hilden/Haan : Polizei fasst internationale Motorraddiebe

Seit einem Jahr war eine Ermittlungskommission den Tätern und deren Hintermännern auf der Spur.

Die Besitzer von Motorrädern in Hilden, Haan, Monheim, Langenfeld, Ratingen und Erkrath können aufatmen. Der Kreispolizei ist ein Schlag gegen eine landesweit und international agierende Bande von Dieben und Hehlern gelungen. Sie hatten seit einem Jahr mehr als 30 Motorräder im Südkreis Mettmann gestohlen. Schaden: mehr als 370.000 Euro. In Köln, im Rhein-Erft- und im Märkischen Kreis sind Täter festgenommen worden. Einzelheiten will die Polizei heute um 12 Uhr in Mettmann mitteilen.

Eine Tiefgarage an der Händelstraße in Hilden war einer von vielen Tatorten. Motorräder der Marke BMW waren häufig die Beute. Foto: Kreispolizei, GMS

Die Täter waren fleißig, das muss man ihnen lassen. Am 2. September meldete die Polizei den Diebstahl von gleich drei Maschinen: einer orangefarbenen Suzuki GSX 1300 in Hilden, einer grauschwarzer Yahama R1 in Haan und einer blauen Yamaha RJ 15 in Langenfeld. Wert: 24 000 Euro. Begonnen hatte die Serie aber bereits vor zwölf Monaten.

Bestimmte Marken im Visier

Die Polizei erkannte rasch, dass die Diebstähle immer nach dem gleichen Muster abliefen. Gestohlen wurde nicht wahllos, sondern gezielt bestimmte Marken und Typen, berichtete Polizeisprecher Frank Sobotta. Fast alle entwendeten Maschinen waren in anonymen Sammelgaragen geparkt. Bei einigen Tiefgaragen waren die Rolltore defekt, so dass die Täter problemlos hineingelangen konnten. Die gestohlenen Motorräder wurden in der Regel nicht täglich, sondern nur in der Freizeit genutzt. Deshalb vergingen manchmal Tage, bis die Besitzer den Diebstahl überhaupt bemerkten. Einige Maschinen waren mit Planen geschützt. Ihr plötzliches Verschwinden fiel deshalb nicht sofort auf.

Diese Umstände machten der Ermittlungskommission und Führung von Kriminalhauptkommissar Dirk Henkelmann, die sich an die Fersen der Diebe heftete, die Arbeit schwer. Einige Maschinen wie eine schwarze Harley Davidson "Fat Boy" waren zusätzlich mit Schlössern und einer Diebstahlwarnanlage besonders gesichert. Das schreckte die Täter nicht ab. Das Edel-Bike (Wert: rund 25.000 Euro) wurde Anfang April in Haan gestohlen.

"Die Täter kommen mit der Flex und knacken die Zusatzschlösser an Ort und Stelle", berichtete Sobotta. Solche Arbeiten müssten in einer Tiefgarage eigentlich auffallen. Doch die Täter wurden nicht bemerkt oder gar je gestört: Das jedenfalls ließ die Polizei verlauten. Einige Maschinen wie eine schwarze Suzuki GSX-R 750 in Ratingen standen im Internet zum Verkauf und waren schon ersten Interessenten besichtigt worden.

Abtransport müsste auffallen

Ein Rätsel für die Fahnder war auch der Abtransport der schweren Maschinen. Übliche Transporter sind zu hoch, sie können nicht in Tiefgaragen hineinfahren. Die Kräder müssten also aus der Tiefgarage geschoben und dann mit einer Rampe verladen werden. Oder in der Garage auf einen Anhänger verfrachtet werden. Solche Aktionen müssten eigentlich auffallen. Das war aber nicht der Fall. Offiziell gab es laut Polizei keinen einzigen Hinweis aus der Bevölkerung. Die Motorräder verschwanden spurlos, nicht eine Maschine tauchte wieder auf. Deshalb vermuteten die Fahnder, dass die Motorräder zerlegt und in Ersatzteilen verkauft würden.

Ein mysteriöser Kriminalfall mit vielen Fragenzeichen also, über den die Polizei heute aufklären will. "Erfolge lassen sich nicht erzwingen", sagte Polizeisprecher Ulrich Löhe auf die Frage, warum die Ermittler zwölf Monate brauchten, um die Täter zu schnappen: "Wir hatten irgendwann die Wahl, nur die Diebe zu kriegen oder auch deren Hehler und Hintermänner. Dafür gab es unterschiedliche Zeitpunkte."

(RP)