Haan: Skelett gefunden am Fuß des Nikolausturms

Haan : Skelett gefunden am Fuß des Nikolausturms

Am Montagmorgen haben die Restaurierungsarbeiten begonnen. Erst stießen die Archäologen auf Knochenreste, gestern auf ein altes Skelett.

Die Gebeine liegen vielleicht einen Meter vom Fundament des Nikolausturms entfernt auf der Nordseite. Archäologe Jost Mergen hat sie am Dienstag mit einem Kollegen entdeckt und oberflächlich freigelegt. Auch ein weiterer Schädel wurde dort gefunden.

Sein Kommentar: "Wir haben bereits ein weiteres Team angefordert, um die Knochen zu bergen. Mein Kollege und ich werden uns jetzt darum kümmern, das Fundament weiter freizulegen." Zum Alter des Skeletts kann Mergen noch nichts sagen. An der Westseite des Turms hatten die Archäologen vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) bereits Knochenstücke und Reste von Sargbeschlägen gefunden.

Der Turm der Nikolauskirche ist das älteste erhaltene Gebäude in Haan. Seit Montagfrüh wird das Fundament des über 1000 Jahre alten Bauwerks auf dem katholischen Friedhof in Gruiten behutsam freigelegt. Dies geschieht mit Hilfe eines Minibaggers, der den zähen Lehmboden scheibchenweise abhebt. Auf der Westseite wurde bereits ein Holzverbau eingezogen, damit der Boden oberhalb des Grabens nicht in Bewegung gerät und womöglich samt Gräbern abrutscht. Sind die Fundamente frei, soll eine Drainage gelegt werden, um das alte Gemäuer trocken zu bekommen. Das ist dringend nötig, denn die Feuchtigkeit im Turm hat bereits dazu geführt, dass das Tabernakel aus dem 15. Jahrhundert beschädigt ist. Der unter Denkmalschutz stehende Turm weist außerdem gravierende Schäden am Dachstuhl und Gemäuer sowie im Innenraum auf, die seine Substanz gefährden.

Im Mai 2013 hat sich eine "Arbeitsgemeinschaft alter Nikolausturm Gruiten" gegründet, die sich daran gemacht hat, Geld für die Rettung des Turms zu sammeln. Sie begleitet und unterstützt die Sanierungsinitiative des Fördervereins St. Nikolaus. Mitglieder sind die beiden Gruitener Kirchen — vertreten durch die Pfarrer Dr. Reiner Nieswandt und Hanno Nell. Zusätzlich zum Förderverein St. Nikolaus beteiligen sich weitere Haaner und Gruitener Vereine sowie interessierte Einzelpersonen.

Mit Erfolg: 102 000 Euro soll die Sanierung kosten. Über die Eigenbeteiligung der Kirche, Zuschüsse und Spenden sind bisher 44 000 Euro zusammengekommen. Der Landschaftsverband Rheinland beteiligt sich mit 15 000 Euro, die NRW-Stiftung zahlt 58 000 Euro. Gestern übergab die Bürgerstiftung für Haan und Gruiten 5000 Euro.

Aber jetzt, nach den Skelettfunden, steigen die Kosten. "Dadurch, dass die Archäologen hier vorsichtig graben, verzögern sich die Arbeiten am Fundament", erklärt Manfred Janssen, der die Arbeiten am Kirchturm ehrenamtlich betreut. Norbert Julius, der Vorsitzende des Fördervereins, ist trotzdem zuversichtlich: "Ich gehe davon aus, dass wir auch das Restgeld zusammenbekommen", sagt er.

Vielleicht mit Hilfe der ungewöhnlichen Spardose in Form des Nikolausturms, die der 81-jährige Tischlermeister und Gruitener Josef Stausberg detailgetreu nachgebaut hat. Das Turm-Modell steht zurzeit bei der Sparkasse und soll dann von einem Verein zum anderen weitergereicht werden.

Währenddessen gehen die Sanierungsarbeiten weiter. Im Sommer 2014 sollen sie abgeschlossen sein.

(RP)