Hilden : Kunst und Kritik

100 Künstler zeigten am Wochenende in der Hildener Fußgängerzone ihre Exponate. Die Jury wählt unter strengen Kriterien aus und achtet darauf, dass sich die Teilnehmer an die Vorgaben halten.

Einige unbekleidete Frauen und viele tanzende Paare sind auf den Bildern von Meike Schneider zu sehen. Die 17-Jährige stellt ihre Werke bereits zum zweiten Mal auf dem Künstlermarkt in der Hildener Innenstadt aus. "Es ist toll mit anderen Kunstbegeisterten ins Gespräch zu kommen. Nebenbei verdiene ich auch noch ein wenig Geld mit den Bildern", sagt die Gymnasiastin. Keine Menschen, dafür umso mehr Landschaft zeigen die kleinen Werke von Peter Kempf. "In meiner Wohnung herrscht Platzmangel, deshalb zeichne ich Miniaturbilder", scherzt der Oberhausener.

Jury wählt aus

Darüber, wer auf dem Hildener Künstlermarkt seine Kunst feilbieten kann, entscheidet eine dreiköpfige Jury: Die Präsidentin des Europäischen Zentralverbandes Bildender Künstler und Literaten, Gabriele C. Berndt, der Grafiker Thomas Bernhardt und Dr. Sandra Abend (Wilhelm-Fabry-Museum). Ziel der drei Juroren ist es: "Qualität durch professionelle Künstler" zu garantieren. "Es hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass unsere Ansprüche hoch sind", berichtet Gabriele C. Berndt. In der Bewerbungsphase für einen der begehrten Plätze auf dem Künstlermarkt sichtete die Jury hunderte von Fotos der Werke, die die jeweiligen Bewerber einreichten. "Während die Ausstellung läuft, schauen wir uns die einzelnen Stände genau an", erzählt Thomas Bernhardt. Die ehrenamtliche Jury achte besonders darauf, dass die Standbesitzer nicht ganz andere Kunstwerke ausstellen, als sie in der Bewerbungsphase angegeben haben. Gabriele C. Berndt fügt hinzu, dass "zum Beispiel Vögelhäuschen" nicht auf den Hildener Künstlermarkt gehörten. Genau an solchen Vogelhäuschen ist zwischen der Jury und dem Künstler Max Steffens im vergangenen Jahr ein kleiner Streit entbrannt. In der Tat fällt der Stand von Max Steffens auch in diesem Jahr durch seine etwas anderen Kunstobjekte auf. Er präsentiert keine gemalten Werke sondern Kunstobjekte aus Schieferstein. "Fast alle anderen stellen Bilder aus, da ist meine Schieferkunst eine wohltuende Abwechslung für die Besucher", bemerkt Steffens. Ein aktueller Streitpunkt zwischen der Jury und Max Steffens ist die Frage, ob Schieferarbeit nicht vielmehr ein Kunsthandwerk und weniger Kunst sei. "Aquarelle werden ebenso wie meine Schieferkunst mit der Hand gefertigt, warum soll ich also hier auf dem Künstlermarkt nicht ausstellen dürfen?", fragt Steffens. Er habe es Bürgermeister Günter Scheib zu verdanken, dass er überhaupt an dem Künstlermarkt teilnehmen dürfe: "Vor drei Jahren hat die Jury mich abgelehnt, da habe ich unserem Bürgermeister einen Brief geschrieben." Und während Max Steffens ankündigt, sich auch nächstes Jahr wieder zu bewerben, betrachtet die Passantin Irmhild Schmidt die Windmühlen: "So etwas gehört auf jeden Fall hierhin und beweist doch nur die Komplexität von Kunst."

(RP)