Grevenbroich: Kommentar: Die Ehre des Bijan Djir-Sarai

Grevenbroich: Kommentar: Die Ehre des Bijan Djir-Sarai

Unterstellungen sind Politiker ebenso wie alle Menschen hilflos ausgeliefert. Gegen Verdächtigungen, bei der Doktorarbeit abgeschrieben zu haben, schützen allein die Fakten.

Das weiß auch Bijan Djir-Sarai. Mag der Liberale die Vorwürfe auch als zutiefst ungerecht empfinden, er wird sich ihnen stellen müssen, am besten so, wie er Karriere gemacht hat: offen, klar, umfassend. Allein Gradlinigkeit erhält seine Glaubwürdigkeit. Das sind die Gesetze des Politikgeschäfts, für das sich Djir-Sarai von niemandem gedrängt entschieden hat.

Gleichwohl: Menschlich spielt sich seit dem Wochenende eine Tragödie ab. Ein Flüchtlingskind, das ohne Sprachkenntnisse nach Deutschland kam, hat sich hoch gekämpft. Djir-Sarai ist stolz auf seinen Doktortitel, weil er in ihm den sichtbaren Lohn für den schweren Weg sieht, den er in seiner neuen Heimat gegangen ist. Er wollte den akademischen Titel als Bestätigung für sich. Er erwarb ihn nicht, um sich Status und Anerkennung in der deutschen Gesellschaft zu verschaffen. Darum treffen die Vorwürfe Djir-Sarai bis ins Mark. Es ist eine Frage der Ehre: Ist der Doktortitel Zeichen einer Erfolgsgeschichte oder hat sich Djir-Sarai in erster Linie selbst betrogen? Ludger Baten

(NGZ)