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Grevenbroich: Schausteller übernehmen den Kiosk im Schlossbad

Schlossbad in Grevenbroich : Schausteller übernehmen den Bad-Kiosk

Die Holtappels haben viel vor: Sie wollen nicht nur eine Gastronomie im Schlossbad anbieten. Auch den neu gestalteten Vorplatz hat die Schausteller-Familie im Visier.

Was dem Schlossbad auch zwei Jahre nach seiner Eröffnung fehlt, ist ein Kiosk. Der ist zwar komplett eingerichtet, doch bislang suchte GWG-Chef Willi Peitz vergeblich nach einem Betreiber. Der ist nun gefunden worden – und hat in Grevenbroich durchaus einen bekannten Namen. Schaustellerin Annemarie Holtappels wird den Laden gemeinsam mit ihrer Tochter Daniela Friehling übernehmen. Und auch Ehemann Rudolf Holtappels will künftig hin und wieder mit helfender Hand zur Seite stehen.

Die Holtappels sind auf den heimischen Kirmesplätzen und Weihnachtsmärkten bekannt und beliebt. Nicht nur wegen ihrer Süßwaren, Crepes und Dampfnudeln, sondern vor allem auch wegen des „Entchenangelns“, das Kinder seit vielen Jahren magisch anzieht. Doch seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie gibt es kaum mehr etwas zu tun. „Die ganze Branche liegt am Boden“, sagt Rudolf Holtappels.

Um sich ein zweites Standbein zu verschaffen, haben sich die Schausteller für den Kiosk im Schlossbad beworben – und jetzt prompt den Zuschlag erhalten. Wann der Laden zum ersten Mal eröffnet wird, steht aber noch nicht fest. „Zurzeit lohnt sich das kaum“, sagt Annemarie Holtappels. Denn die Schwimmzeiten im Bad sind wegen der Pandemie nach wie vor zeitlich begrenzt. „Da hat niemand die Zeit, um sich gemütlich hinzusetzen“, meint die Schaustellerin. Und auch die derzeit zugelassenen Besucherzahlen würden kaum Aussicht auf ein lohnendes Geschäft bieten.

„Wir müssen abwarten, wie sich die Pandemie entwickelt – zurzeit ist die Infektionsrate leider wieder steigend“, sagt Annemarie Holtappels, die „am liebsten schon morgen loslegen“ möchte. Ideen für den Kiosk hat die agile Grevenbroicherin reichlich – und eines steht für sie fest: „Wir möchten uns von den Angeboten anderer Schwimmbäder deutlich unterscheiden.“

Ziel der Betreiber ist es, künftig nicht nur im, sondern auch vor dem Bad eine Gastronomie anzubieten. Auf dem neu gestalteten Platz vor dem Schlossbad sollen im Sommer etwa Strandkörbe und gemütliche Sitzgarnituren für kleine und große Besucher aufgestellt werden. Morgens könnte dort schon ein Frühstück angeboten werden, etwas später am Tag auch heiße Gerichte. „Dafür benötigen wir allerdings noch eine Ausschank-Genehmigung“, sagt Annemarie Holtappels.

Dann ließen sich im Sommer dort auch Cocktail-Abende realisieren – oder ein Fischessen mit Wein. Während der warmen Jahreszeit könnte auf dem Vorplatz auch ein kleiner Trödelmarkt für Kinder organisiert werden, im Winter wäre ein Mini-Weihnachtsmarkt mit besonderen Angeboten möglich, überlegt Annemarie Holtappels. An Ideen mangele es nicht. Nur der Starttermin, der bereitet der Grevenbroicherin noch Sorgen. „Es könnte Dezember werden, vielleicht sogar Januar“, meint sie.

Diese Ratlosigkeit beherrsche zurzeit die gesamte Veranstaltungsbranche, berichtet die Schaustellerin, die befürchtet, dass es auch im kommenden Jahr keine Kirmessen und Schützenfeste geben wird. „Das ist so ein Gefühl“, sagt Holtappels. „Bis heute gibt es ja noch keinen Impfstoff.“ Zurzeit stehe noch nicht einmal fest, ob alle Weihnachtsmärkte wie geplant stattfinden können.

Die Holtappels’ hatten zunächst mit einem Lieferservice für gebrannte Mandeln, Popcorn und Schokofrüchten auf die Krise reagiert. „Das lief in den ersten Wochen sehr gut. Als jedoch die ersten Gaststätten wieder öffnen durften, brach das Geschäft von heute auf morgen komplett ein“, schildert Annemarie Holtappels. Zuletzt waren sie und ihr Mann an der Schausteller-Tour durch vier Dormagener Orte beteiligt, vom 4. bis zum 13. September werden sie am „KaSchiKo“-Freizeitpark in der benachbarten Chemiestadt teilnehmen.

Wann wieder „normale Verhältnisse“ eintreten, sei nicht abzusehen. „Diese Frage beschäftigt zurzeit die gesamte Veranstaltungsbranche, die sich in einer äußerst schwierigen Situation befindet“, sagt Rudolf Holtappels. „Und nicht nur die, auch unsere Zulieferer wie Bäcker, Metzger und Getränkehändler haben darunter zu leiden.“ Erst kürzlich sei er noch bei einen Lieferanten gewesen und habe gestaunt: „Der hat jetzt noch zwei proppenvolle Hallen mit Süß- und Spielwaren – das hat mich betroffen gemacht.“