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Grevenbroich: Der "Hit-Produzent" von der Lindenstraße

Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio : Der „Hit-Produzent“ von der Lindenstraße

Der Todestag von Anton W. F. von Zuccalmaglio jährt sich zum 150. Mal. Seine Lieder werden auch heute noch im Museum der Niederrheinischen Seele in Grevenbroich gesungen.

Irgendwie war er so etwas wie der Dieter Bohlen seiner Zeit. Denn Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio schrieb „Hits“, die auch heute noch populär sind. „Die Blümelein, sie schlafen“ zum Beispiel. Oder „Kein schöner Land in dieser Zeit“. In der Villa Erckens werden solche Weisen auch heute noch in schöner Regelmäßigkeit gesungen. Nicht nur, weil Volkslieder wieder „in“ sind, sondern auch, weil sich das Museum ein wenig in der Tradition des bekannten Romantikers sieht.

Anton Wilhelm von Zuccalmaglio, dessen Todestag sich am Samstag zum 150. Mal jährt, war Junggeselle, Privatgelehrter und zeitlebens auf Wanderschaft. In Grevenbroich fand er einen Ruhepol. Im Haus an der Lindenstraße 1 hatte sich sein Bruder Vincenz (1806–1876) niedergelassen, der Notar und Publizist war und unter dem Pseudonym „Montanus“ veröffentlichte. Was die Brüder vereinte: Beide waren leidenschaftliche Sammler von Volksliedern.

Dass Anton Wilhelm von Zuccalmaglio das auf seinen vielen Wanderungen gesammelte Liedgut eigenständig bearbeitete, brachte ihm teils herbe Kritik ein. Zum Beispiel aus dem Munde des Musiklehrers und Komponisten Ludwig Erk (1807–1883), der ihm Text- und Melodienverfälschungen vorwarf. Rehabilitiert wurde Zuccalmaglio von keinem geringeren als dem Komponisten Johannes Brahms, der insbesondere den romantischen Gehalt seiner Werke lobte.

Brahms soll sich übrigens auch im Haus an der Lindenstraße 1 eingefunden haben. Und er soll sich mit Vorliebe in einem Sessel gesetzt haben, der 2011 in den Besitz des Grevenbroicher Museums überging. Belegt ist die Geschichte vom Brahms-Sessel allerdings nicht: „Möglicherweise handelt es sich dabei auch um so etwas wie eine Sage“, meint Museumsleiter Thomas Wolff. Tatsache aber ist: Die Zuccalmaglio-Brüder empfingen in ihrer Villa nicht selten die Prominenz ihrer Zeit, etwa die Gebrüder Jakob und Wilhelm Grimm.

Weil die Zuccalmaglios auch ein Stück Stadtgeschichte sind, finden sie sich selbstverständlich in der Dauerausstellung des Museums der niederrheinischen Seele wieder. Und nicht nur dort: Im Salon der Villa Erckens veranstaltet Kulturamtsleiter Stefan Pelzer-Florack regelmäßig Mitsing-Nachmittage und  -Abende, in denen auch die Titel der Liedersammler angestimmt werden. „Das ,Rudelsingen’ wird sehr gut angenommen“, sagt der Multi-Instrumentalist.

Rund 50 Teilnehmer finden sich regelmäßig zu den Mitsing-Aktionen im Rahmen des Senioren-Projekts „MoKKa“ ein, das seit 2015 sechsmal jährlich angeboten werden. Und wenn der Musiker Johannes Brand zum   „Gute-Laune-Kultsingen“ in die Villa kommt, sind ebenfalls sämtliche Plätze im Salon besetzt. Das gilt auch für die Mitmach-Liederaktionen, die Stefan Pelzer-Florack für Kinder anbietet.

„Singen liegt im Trend“, meint der Kulturamtsleiter. Und es hat einen zusätzlichen Vorteil: „Beim Singen wird das ,Kuschelhormon’ Oxytocin ausgeschüttet, mit dem das Wohlgefühl gesteigert wird.“