Karikaturen um Ex-Kanzler Schmidt in der Villa Erckens Grevenbroich

Ausstellung in Grevenbroich : Karikaturen in Villa Erckens als Hommage an Helmut Schmidt

Ehemaliger Bundeskanzler, Weltbürger, nüchterner Hanseat und als so etwas wie das „Orakel von Langenhorn“ in seinen letzten Lebensjahren zu allem befragt, was von Relevanz war, ist der 2015 verstorbene Helmut Schmidt eine absolute Berühmtheit.

Weil der Politiker („Wer eine Vision hat, sollte zum Arzt gehen“) und Publizist bekanntermaßen auch am Klavier in seinem Element war, ist die ihm gewidmete Ausstellung, die jetzt in der Villa Erckens eröffnet wurde, mit dem Titel „Helmut Schmidt in Dur und Moll“ überschrieben.

Sein politisches Leben im Spiegel der Karikatur ist eine Hommage und jenseits des zeitlosen Charakters „eine Einladung, Politik neu zu entdecken“, wie Bürgermeister Klaus Krützen bei seiner Begrüßung im Museum sagte. „Helmut Schmidt vermochte über sich selbst zu lachen“, wusste Kulturamtsmitarbeiter Thomas Wolff in seinen einführenden Worten Deutschlands berühmtesten Raucher zu beschreiben: Die Wände in Schmidts Büro waren gepflastert mit Spottzeichnungen – den freundlichen ebenso wie den weniger schmeichelhaften. Verteilt auf die Räume im Erdgeschoss des Museums erinnern 70 Zeichnungen von 27 Zeichnern amüsant und pointiert an das politische Wirken Helmut Schmidts. Ein Dutzend der Arbeiten stammt von Horst Haitzinger, dem „Meister des kräftigen Strichs“, der mehrfach ausgezeichnet wurde und in vielen seiner Arbeiten den am 23. Dezember 1918 als Helmut Heinrich Waldemar Schmidt geborenen Jahrhundert-Mann sprichwörtlich durch den Kakao zog. Nicht weniger prominent liest sich von Fritz Behrendt über Pepsch Gottscheber bis Jupp Wolter die Reihe weiterer Karikaturisten wie das wer-ist-wer der Zunft.

Für den Besucher ist die Schau mit ihren Harmonien und Dissonanzen, Höhen und Tiefen des politischen Lebens eine hübsche Show, die nicht allein spöttisch-heiter an Ölkrise und die Geburt der Europäischen Währungseinheit, an Rezession und Raketenaufrüstung erinnert – Helmut Schmidt regierte in schwierigen Zeiten –, sondern beispielsweise auch bei der Kanzler-Frage großes Grinsen erzeugt. „Helmut! Du kennst den Job! Und wegen Deines Alters ... Hör Mal, Jopi wurde gerade 108!!!“, heißt es in einer sarkastischen Zeichnung Thomas Plaßmanns aus dem Jahr 2012.

„Wir hätten die Ausstellung bereits im vergangenen Jahr zeigen können“, sagt Thomas Wolff. „Aber am 23. Dezember 2018 wäre der Alt-Kanzler 100 Jahre alt geworden. Die Schau jetzt zu zeigen, ist eine echte Punktlandung.“

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