Grevenbroich: Chemieunfall bei Logistikfirma in Kapellen

Chemieunfall in Kapellen : Feuerwehr sechs Stunden im Einsatz wegen Ammoniak-Gefahr

Der Austritt einer zunächst unbekannten Chemikalie aus einem Transportcontainer bei einem Logistikunternehmen in Kapelllen löste am Freitagnachmittag einen der aufwändigsten Gefahrguteinsätze der Feuerwehr Grevenbroich in diesem Jahr aus.

Rund 80 Einsatzkräfte aus allen Löscheinheiten waren in der Hitze gut sechseinhalb Stunden im Einsatz, um den Container zunächst unter Atemschutz und in schwerer Chemieschutzkleidung abzudichten.

Einem Mitarbeiter des Unternehmens war bei Arbeiten an einem abgestellten Lkw-Wechselauflieger zunächst ein stechender Geruch aufgefallen. Beim Öffnen des Laderaums stellte er fest, das dieser mit Chemiekaliendämpfen gefüllt war. Er alarmierte daraufhin die Feuerwehr, die kurz darauf mit ihrer Spezialausrüstung für Gefahrguteinsätze in Kapellen eintraf. Es zeigte sich, dass der Container selbst offenbar beschädigt war, dass aber vermutlich aufgrund eines Defektes am Deckel Flüssigkeit aus dem Behälter geschwappt und von dort auf den Boden gelaufen war. Die unter schwerer Schutzkleidung arbeitenden Einsatzkräfte konnten den Verschluss des Containers wechseln und so verhindern, dass weitere Flüssigkeit austrat.

Als problematisch erwies sich für die Helfer allerdings, das sich keine Frachtpapiere fanden, aus denen hervorging, um welche Substanz es sich bei dem Stoff handelte. Da so unklar war, welcher Stoff austrat und welche Gefahr davon ausging, kontrollierten die Einsatzkräfte mit Prüfgeräten, ob eine chemische Belastung der Umwelt feststellbar war. Die Messungen waren laut Feuerwehr aber alle negativ, so dass während des Einsatzes keine Gefahr für die Beschäftigten und die Anwohner bestand.

Durch den Einsatz spezieller Analysetechnik gelang es der Feuerwehr Grevenbroich schließlich, mit Hilfe des hinzugezogenen Chemie-Fachberaters der Feuerwehr Dormagen die Substanz als Ammoniak zu identifizieren. Ammoniak reizt und ätzt beim Einatmen. Haut- und Augenkontakt müssen mit der Chemikalie vermieden werden.

Da nun klar war, dass von dem gesicherten und nunmehr wieder korrekt verschlossenen Container keine Gefahr ausging, konnten die Helfer den Behälter auf einem speziell gesicherten Stellplatz einlagern. Dort soll ihn eine Fachfirma abholen. Insgesamt waren sieben Trupps unter Schutzkleidung bei Temperaturen von 30 Grad Celsius im Einsatz. Ein Helfer musste zeitweilig mit Kreislaufproblemen vom Rettungsdienst untersucht werden. Er musste aber nicht ins Krankenhaus gebracht werden, wie die Feuerwehr berichtet.

Am frühen Abend, als sich die Lage in Kapellen entspannt hatte, übernahmen wieder die haupt-und ehrenamtlichen Kräfte aus verschiedenen Grevenbroicher Einheiten den Grundschutz für die Stadt. Sie mussten allerdings kurz nach 18 Uhr noch zu einem Einsatz ausrücken. In einem Lebensmittelbetrieb in Wevelinghoven hatten Brandmelder Alarm ausgelöst. Die wenig später eintreffenden Kräfte konnten aber kein Feuer feststellen.

(NGZ)