Grevenbroich: Clemens Schelhaas schafft mit 80 Jahren den Jakobsweg noch zu Fuß

Grevenbroicher auf dem Jakobsweg : Mit 80 Jahren 800 Kilometer zu Fuß gepilgert

Der Grevenbroicher Weltenbummler Clemens Schelhaas hat mit 80 Jahren erneut zu Fuß den Jakobsweg bis Santiago de Compostela geschafft. Er sagt, es sei wegen der menschlichen Begegnungen seine bisher eindrucksvollste Reise gewesen.

Zu seinem 80. Geburtstag hat sich der Grevenbroicher Weltenbummler Clemens Schelhaas jetzt schon einen zweiten Wunsch erfüllt... und der dritte soll noch folgen. Sein Geburtstagsgeschenk Nummero eins war die Fotoausstellung in der Villa Erckens, die anhand von eindrucksvollen Menschenbildern seine vergangenen Jahrzehnte voller Reisen, auch in exotische Länder, wiedergaben. Und die Menschen, die Begegnungen sind es auch jetzt für Clemens Schelhaas gewesen, die ihn auf dem Jakobsweg (“Camino“), den er über 800 Kilometer durch Frankreich und Spanien zu Fuß bewältigt hat, tief beeindruckt haben. So tief, dass Schelhaas jetzt schon beschlossen hat, sich in zwei Jahren erneut zu Fuß auf den Weg nach Santiago de Compostela machen zu wollen. Und dafür trainiert er zu Hause und auf weiteren Reisen seine körperliche und mentale Fitness.

Doch bevor sich der Grevenbroicher noch in diesem Jahr seinen dritten Geburtagswunsch in Form einer Himalaya-Besteigung gemeinsam mit seiner Enkelin erfüllen will, verarbeitet er seine nunmehr dritte Pilgerschaft auf dem Camino auch wieder für Vorträge und Fotoausstellungen. Besonders aufgefallen ist Schelhaas, der nunmehr zweimal zu Fuß und einmal mit dem Fahrrad das legendäre Pilgerziel in Santiago erreicht hat, dass immer mehr Weitgereiste zu den Pilgern gehören. Alleine im vergangenen Jahr sollen 300.000 Menschen auf dem Camino gezählt worden sein. Und auch bei seiner Pilgerschaft beobachtete Schelhaas, dass immer mehr Südkoreaner, Taiwanesen und sogar auch Australier vom Jakobsweg angezogen werden. Allerdings fielen ihm auch sehr viele US-Amerikaner auf, die jedoch seiner Beobachtung nach, eher touristisch und nur auf einem Teilstück des Camino unterwegs waren. Schelhaas trug auch mit 80 Jahren sein Gepäck selbst und übernachtete in einfachen Pilgerherbegen oder im Freien.

Der agile Weltenbummler, der sich daheim immer wieder auch mit Mountainbike-Touren in die nähere Umgebung fit hält, mokiert sich da eher über die touristischen Angebote, die ihm entlang des Jakobsweges aufgefallen sind. Er berichtet: „Unter den Pilgern gibt es Klassifizierungen. Der echte Pilger trägt seinen Rucksack selbst, der Pilger zweiter Klasse lässt seinen Rucksack für fünf Euro am Tag befördern und geht nur mit einem kleinen Rucksack. Es gibt aber auch ein ausgeklügeltes Beförderungssystem mit Bussen und sogar Taxen.“

Doch gerade den Weg selbst, mit all’ seinen Beschwernissen zu gehen, das mache nicht nur das echte Pilgererlebnis aus, dadurch kamen auch erst die Begegnungen mit den anderen Pilgern zustande, sagt Schelhaas und schildert: „Der Camino wird erst zum Camino durch die Menschen, die auf ihm unterwegs sind. Es entwickelt sich eine Gemeinschaft. Man trifft sich, man verliert sich, man trifft sich unterwegs wieder. Und am Ziel fällt man sich auf dem Platz vor der großen Kathedrale in die Arme. Jeder hat Tränen in den Augen und ist glücklich, am Ziel zu sein.“ Dies sei ein unbeschreiblich emotionaler Moment, der niemanden kalt lasse, sagt Schelhaas, der zugibt: „Ich bin viel gereist. Aber keine dieser vorherigen Reisen hat mich so emotional gepackt wie der Camino.“

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