Grevenbroich: Parteitag der SPD im Rhein-Kreis Neuss

Grevenbroich : Kreis-SPD startet Erneuerungs-Kurs

Von Grevenbroich ging der Startschuss für eine Erneuerung der Kreis-SPD aus. Prominenter Gast beim Parteitag war Sebastian Hartmann, neuer Chef und Hoffnungsträger der NRW-SPD. Sein Appell: „Gemeinsam nach vorne“.

Am Ende hatte er alle überzeugt – und der Geist des Aufbruchs wehte durch die historische Zehntscheune. Sebastian Hartmann, Chef der NRW-Landespartei, war am Samstag zu Gast bei der Kreis-SPD, es war sein erster Auftritt bei einem Parteitag nach seiner Wahl vor einer Woche. Vor 93 Delegierten machte der 40 Jahre alte Hoffnungsträger klar, wohin der sozialdemokratische Weg führen muss: „Wir müssen wieder spannender und mutiger in den Antworten werden“, appelliert Hartmann in Grevenbroich. „Nicht herumdrucksen, sondern Probleme lösen – und das, was wir wollen, müssen wir besser machen.“

Dass die SPD einen Neubeginn braucht, ist wohl den meisten Delegierten in der Scheune klar. Und Sebastian Hartmanns Losung „Auf nach vorn“ ist Wasser auf die Mühlen des Kreisvorsitzenden Daniel Rinkert. Er hat den Parteitag unter das Motto der Erneuerung gestellt – und andere Wege beschritten. Statt Stuhlreihen werden Thementische gebildet, an denen die Genossen Ideen für eine programmatische Neuaufstellung schmieden. Die sollen im Herbst nächsten Jahres in Anträge für den Bundesparteitag münden.

Das Brainstorming hat aber noch weiteres Ziel: „Wir wollen die modernste und spannendste Partei im Kreis werden“, sagt Rinkert „Dafür müssen wir aber härter an uns arbeiten.“ Heißt: Workshops, Diskussionen, Exkursionen und Debatten-Camps sollen künftig für die Genossen auf der Tagesordnung stehen – und: „Die Arbeit vor Ort muss ebenfalls gestärkt werden, wir müssen wieder Kümmerer werden, um das Vertrauen der Leute zurückzugewinnen“, betont der Vorsitzende. Gerade im Braunkohlerevier gebe es da Probleme, sagt Grevenbroichs Bürgermeister Klaus Krützen: „Die Kumpels sehen in CDU und FDP mittlerweile die verlässlicheren Partner.“ Öffentlich will sich die SPD ohnehin künftig breiter aufstellen – etwa bei einem noch zu gründenden Wirtschaftsforum oder bei einem Kulturforum, das in diesem Sommer an den Start geht.

Den Herausforderungen, die sich durch die Digitalisierung und den Strukturwandel ergeben, will die SPD mit einem „Innovationslabor“ begegnen. „Wir wollen einen breit angelegten Dialog mit Fachleuten, Organisationen und Bürgern führen“, sagt Rinkert. Bis Sommer 2020 sollen Konzepte entwickelt werden. Das Ziel: Der Kreis müsse die Veränderungen, die sich durch die Digitalisierung in allen Lebensbereichen und durch das Ende der Braunkohleverstromung entstehen, nutzen und „zum Innovationsstandort Nummer eins in NRW“ werden.

„Lasst uns darüber reden, wie wir die Zukunft gestalten“ – Sebastian Hartmanns Appell ist bei den Sozialdemokraten im Rhein-Kreis offenbar angekommen. Nach dem Startschuss in Grevenbroich wollen sie bis Ende 2019 an einem Konzept für die Kommunalwahlen 2020 feilen und mit einer erneuerten SPD die Wähler überzeugen – „mutig, klar in der Sprache und mit großer Lust“, sagte Rinkert. „Und wir werden darum kämpfen, dass der nächste Landrat ein Sozialdemokrat ist. Hans-Jürgen Petrauschke sollte es sich nicht allzu bequem im Kreishaus einrichten.“

Diesen Weg beschreiten die Jungsozialisten mit. Die Delegierten verabschiedeten einen Antrag, nach dem die Jusos noch vor den Kommunalwahlen 2020 einen eigenen Themenparteitag veranstalten wollen, zu dem sie alle Jugendverbände aus dem Kreis einladen möchten. Auch dies sei wichtig für den Erneuerungsprozess.

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