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Coronavirus legt Grevenbroich lahm: Stadt-Leben wird eingeschränkt

Coronavirus legt öffentliches Leben lahm : Stadt-Leben wird weiter eingeschränkt

Ab Dienstag sind das Rathaus und städtische Ämter geschlossen. Viele weitere Services in der Stadt werden ebenfalls eingestellt. Zeitnah könnten auch Teile des Einzelhandels folgen, die nicht der Lebensmittelversorgung dienen.

Kindertagesstätten und Schulen sind seit Montag geschlossen, ab Dienstag macht auch das Rathaus für den Publikumsverkehr zu. Unaufschiebbare Termine können nur noch vorheriger telefonischer Vereinbarung mit dem jeweiligen Fachbereich wahrgenommen werden. Das Rathaus kann nur noch über den Zugang B am Ostwall betreten werden. Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen, wurden am Montag weitere Maßnahmen beschlossen:

Dienstleistungen Müllentsorgung, Stadtreinigung, Grünpflege und das Ausbessern von Straßenschäden laufen weiter wie bisher. Der Baubetriebshof in Noithausen ist für die Öffentlichkeit geschlossen. Zwingend notwendige Termine werden nur nach vorheriger telefonischer Absprache wahrgenommen. Trauungen werden nach wie vor im Standesamt durchgeführt, allerdings nur noch mit maximal zehn Personen. Neue Termine werden nicht angenommen. Alle Teilnehmer der Hochzeit müssen namentlich erfasst werden.

Krankenhaus Im Elisabeth-Krankenhaus gilt striktes Besuchsverbot. Sämtliche planbaren Operationen sind verschoben worden. Die Intensivstation verfüge über ausreichend Plätze, auch mit Beatmungsgeräten, sagt Susanne Niemöhlmann, Sprecherin des Rheinland-Klinikums. Der A-Trakt im Souterrain des Krankenhauses wird zurzeit für einen möglichen Einsatz als Isolierungsstation vorbereitet.

Einzelhandel Geschäfte kämpfen mit den Folgen der Ausbreitung des Coronavirus. „Am Samstag hatten wir ein Viertel der üblichen Umsätze“, sagt zum Beispiel Nicole Feuster, Inhaberin des Modegeschäfts „Rebell“ in der Innenstadt. Seitdem sei die Zahl der Kunden nochmals rapide zurückgegangen, sagt sie. Feuster bezweifelt, dass die Geschäfte, die nicht der Versorgung der Bevölkerung dienen, am Ende der Woche noch öffnen dürfen.

Der Montanushof und die Coens-Galerie werden jedoch weiterhin geöffnet bleiben, versichert Tim Grevelhörster, Center-Manager für die beiden Einkaufszentren. Vor allem, weil dort Supermärkte angesiedelt sind. Intern ergreift der Center-Manager dennoch bereits Maßnahmen. „Gruppenansammlungen von Leuten werden aufgelöst“, sagt Grevelhörster. „Und Besucher werden nach ihrem Einkauf sofort angehalten, nicht im Center zu verweilen.“ Um die internen Auflagen umzusetzen, wurde das Service-Personal im Montanushof aufgestockt.

Der Center-Manager hält den Vorstoß der Landesregierung für richtig und will ihn sachgerecht umsetzten, sobald klar ist, wie die Auflagen genau aussehen. „Das ist absolut sinnvoll“, sagt er. „Die Gesundheit steht im Vordergrund.“ Auch wenn dies bedeute, dass weniger Besucher in die Einkaufszentren kämen. Die Mieter dort gehen ebenfalls noch nicht auf die Barrikaden – obwohl ihnen deutlich weniger Einnahmen drohen. „Alle haben signalisiert, dass sie vorerst nicht schließen wollen“, sagt Grevelhörster.

Cafés und Bars Am Montag freuten sich Betriebe in der Innenstadt angesichts des guten Wetters noch über viele Besucher. Am Café Extrablatt, an den beiden Eisdielen Eiscafé Orli und Toto sowie rund um die Bäckereien saßen viele Grevenbroicher im Freien. Die Inhaber reagieren kreativ auf das Virus. Domenico Berardi vom Eiscafé Orli hat den Abstand zwischen den Tischen drinnen und draußen vergrößert, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren. „Ich freue mich, dass trotzdem Gäste kommen“, sagt der Inhaber. Jeder Gast muss allerdings seinen Namen und seine Kontaktdaten dort lassen – falls sich herausstellt, dass ein Gast den Virus beim Besuch in sich getragen hat. „Dann kann ich den Leuten Bescheid geben, damit sie sich testen lassen“, sagt Berardi.

Fitnesstudios Hier wurde gestern in Grevenbroich an zwei Fronten diskutiert. Für die fest angestellten Mitarbeiter muss geklärt werden, wie sie Kurzarbeitergeld bekommen. Die Kunden waren überwiegen enttäuscht, manchmal sauer, weil sie nun wochenlang ihre Mitgliedsbeiträge nicht abarbeiten können. Dennoch sagte ein Geschäftsführer gegenüber unserer Redaktion: „Der Staat hätte früher und härter durchgreifen müssen. Nun ist die Situation außer Kontrolle.“