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Ulrike Göken-Huismann (59) aus Pfalzdorf ist Geistliche Begleiterin bei der kfd auf Bundesebene

Die Kämpferin aus Pfalzdorf : Für mehr Frau in der Kirche

Ulrike Göken-Huismann (59) ist Geistliche Begleiterin bei der kfd auf Bundesebene. Die Pfalzdorferin engagiert sich für die Gleichberechtigung der Frau in der Kirche.

Wenn sie spricht, muss man einfach hinhören, und man spürt gleich: Sie ist geübt zu sprechen. Vor einer Gruppe oder einer Kirchengemeinde, in einem Diskussionsforum oder beim Live-Interview im Radio. Verständlich macht sie klar, was ihr am Herzen liegt. Es sind die Angelegenheiten der Frauen in Kirche, Politik und Gesellschaft. Ulrike Göken-Huismann aus Pfalzdorf ist Geistliche Begleiterin/ Leiterin bei der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) auf Bundesebene.

Dies ist ein Amt, das es in der kfd seit 2005 gibt. Wie Göken-Huismann erklärt, soll es ein Schritt in Richtung der Beteiligung der Frauen an den Aufgaben sein, die bisher nur männliche Priester wahrnehmen. Impulse geben für das Leben aus dem Glauben heraus, Gottesdienste feiern, Arbeit in Vorständen und Gremien sind einige der vielfältigen Aufgaben.

Göken-Huismann teilt sich die Stelle als Geistliche Begleiterin seit 2013 mit Pater Dominik Kitta aus Essen. Es ist ein Wahlamt, jeweils für vier Jahre. 2017 wurden sie beide wiedergewählt. „Es ist eine partnerschaftliche Arbeit, wenn ich auch manche Handlungen während einer Messe eben noch nicht tun darf. Ich verstehe es aber als einen Schritt in die richtige Richtung“, erklärt sie und fügt an, dass sie zum Beispiel bei Messfeiern ein ähnliches Gewand wie Pater Dominik trägt. Es wurde eigens für sie angefertigt von einer Paramentenmeisterin (Anmerkung: Paramenten sind im Kirchenraum und der Liturgie verwendete Textilien) aus dem Benediktinerinnen-Orden in Mariendonk bei Kempen. „Wir haben so einen Partnerlook, der zeigen soll, dass wir als Geistliche Begleiter gleichberechtigt agieren“, erläutert Göken-Huismann.

Das Ziel einer geschlechtergerechten Kirche sei jedoch noch lange nicht erreicht. Mehr als 130.000 Unterschriften hierfür hatte die Bundesvorsitzende der kfd, Mechtild Heil, am 2. März 2020 der Deutschen Bischofskonferenz in Mainz überreicht. „100 Unterschriften stammten aus Pfalzdorf. Das macht mich schon stolz“, so Göken-Huismann. Und sie berichtet von einer Mahnwache am 8. März, dem Internationalen Frauentag, den die kfd Bistum Münster in Xanten und Münster veranstaltete. Mehrals 100 Frauen seien nach Xanten gekommen, das sei bewegend gewesen. Zusammen mit weiteren Frauenverbänden und „Maria 2.0“ habe man demonstrativ die Forderung nach Gleichberechtigung der Frau in Kirche und Gesellschaft gestellt. „Dieser 8. März war übrigens der 50. Jahrestag für das Diakonat für Männer. Da haben wir uns gesagt, das kann ja nicht sein, dass männliche Diakone ihre Beteiligung an kirchlichen Weiheämtern feiern am Internationalen Frauentag“, stellt Göken-Huismann klar.

Neben ihrem Engagement für eine geschlechtergerechtere Kirche ist sie Autorin für die kfd-Mitgliederzeitschrift „Frau und Mutter“, beteiligt sich an der Gestaltung des Weltgebetstages der Frauen, leistet Vorstandsarbeit, ist viel unterwegs, hält Vorträge und macht Vertretungen. In der aktuellen Corona-Krise, in der Menschen nicht mehr gemeinsam in Kirchen beten können, formuliert sie Gebete und Impulse auf der Homepage der kfd. Erst kürzlich hat sie im Kölner Domradio eine Woche lang Texte aus dem Evangelium ausgelegt in einem Live-Gespräch.

Göken-Huismann studierte Theologie in Münster und Regensburg. Die Mutter zweier Kinder leitete von 1992 bis 2013 die Familienbildungsstätte in Kalkar. Diese Stelle aufzugeben und Geistliche Begleiterin bei der kfd zu werden, betrachtete sie als willkommene Herausforderung und Chance, in ihrem Leben noch einmal etwas Neues zu wagen. „Ich habe dies nicht bereut, denn so kann ich mich einsetzen für die Sache der Frau, zum Beispiel durch Mitspracherecht beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Dort vertrete ich zusammen mit anderen die kfd.“ Auch das Thema synodaler Weg spricht sie an: „Ich spüre, dass mit dem synodalen Weg etwas in Bewegung kommt. Für die Durchsetzung der Angelegenheiten von Frauen brauchen wir starke Frauenverbände.“