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Obstbauern im Kreis Kleve rechnen mit steigender Nachfrage

Landwirtschaftsserie : Obstbauern rechnen mit steigender Nachfrage

„Täglich sollst Du Äpfel essen und Du kannst den Arzt vergessen“: In Zeiten von Corona setzen viele auf gesunde Ernährung. Für den Vriendshof in Grietherbusch heißt das steigende Nachfrage. Er wird in vierter Generation von Familie Baumann bewirtschaftet.

Zurzeit haben die Baumanns alle Hände voll zu tun. Die Obstanlage steht jetzt in der Blüte. Da der Winter sehr nass war, musste mit dem Baumschnitt gewartet werden. Darum stecken sie da noch mitten drin. Aber gleichzeitig sind die noch gelagerten Äpfel und Birnen gefragt wie noch nie. Wegen der Corona-Krise steigt die Nachfrage nach gesunden Lebensmitteln mehr und mehr, dabei beliefern die Baumanns bereits Raiffeisenmärkte, Markthändler und Lebensmittelmärkte mit ihrem Obst. Privatleute kommen in den Hofladen, wo jetzt natürlich besonders auf Hygiene und Abstand geachtet wird. „Die Leute beherzigen den Spruch: ‘An apple a day keeps the doctor away‘, übersetzt heißt das etwa: ,Täglich sollst Du Äpfel essen und Du kannst den Arzt vergessen’. Und sie legen deshalb viel Wert auf gutes, frisches Obst“, sagt Felix Baumann, der mit seinen Eltern Gisela und Wilhelm den Vriendshof bewirtschaftet.

Ackerbau und Obstbau sind die beiden Betriebszweige. Die Obstplantage ist 15,5 Hektar groß, rund 3000 Obstbäume, vorwiegend Äpfel und Birnen, stehen auf einem Hektar. Außerdem gibt es noch eine kleine Walnussplantage, die Nüsse werden im Hofladen verkauft. Für die Obstkelterei van Nahmen wird auch Rhabarber angebaut, der direkt an den Betrieb in Hamminkeln geliefert wird. Dorthin gehen auch die Mostäpfel.

Zur Blütezeit der Obstbäume werden Honigbienen der Imkerei Bleise aus Isselburg in die Obstanlage gebracht. Foto: Markus van Offern (mvo)

Bedeutet sonst die Erntezeit die Arbeitsspitze, so kommen in diesem Frühjahr mit dem noch andauernden Baumschnitt, der Düngung und dem Pflanzenschutz auch noch zusätzliche Arbeiten wegen des Wetters hinzu. „Wir beobachten das Wetter genau. In den nächsten Tagen wird es Frost geben, dann werden wir die Bäume beregnen als Frostschutz“, erklärt der junge Obstbauer. Als Frostschutzberegnung bezeichnet man das gezielte Besprühen von Nutzpflanzen im Obst- und Gemüsebau mit sehr feinen Wassertröpfchen. Beim Gefrieren des versprühten Wassers wird auf den Pflanzen Kristallisationswärme freigesetzt, die Blätter und Blüten vor Frostschäden bewahrt. Ziel ist es, die Pflanzen bei Frosteinbrüchen während der Vegetationsperiode zu schützen und dadurch spätere Ernteausfälle zu vermeiden. In den letzten Tagen pflanzten die Baumanns auch noch 700 Apfelbäume der neuen Sorte Wellant.

Mehr als zwölf Apfel- und acht Birnensorten wachsen auf dem Obsthof und werden im Hofladen verkauft. Foto: Markus van Offern (mvo)

Auf dem Vriendshof wird intensiv nach den Richtlinien des integrierten Anbaus gearbeitet. „Bei uns können die Kunden mit ruhigem Gewissen einkaufen, denn wir haben uns auf den kontrolliert integrierten Anbau konzentriert“, erklärt Felix Baumann. Jedes Jahr nimmt der Betrieb am QS-Prüfsystem teil. Die Freilandkulturen Apfel und Birne des Betriebszweigs Obstbau werden dabei nach strengen Richtlinien geprüft. Unter anderem wird der Betrieb auf Hygiene, Sicherheit, Dünger und Pfanzenschutzausbringung, Rückverfolgbarkeit der Ware und Lagerung geprüft. Schorf- und Mehltaubekämpfung werden mithilfe von Warndiensten und Wetterstationen durchgeführt, um sie auf ein notwendiges Maß reduzieren zu können. Boden- Blatt- und Fruchtproben zeigen genau, wie viel gedüngt werden muss.

Ziel des integrierten Anbaus ist es, die natürlichen Ressourcen und Mechanismen bestmöglich auszuschöpfen, um eine umweltverträgliche und nachhaltige Landwirtschaft zu ermöglichen. Natürliche Regulationsmechanismen werden dabei in der Obstanlage zunutze gemacht. Die gezielte Förderung von Nützlingen kann einige Probleme mit Schädlingen auf natürliche Weise lösen. So fressen Ohrenkneifer Blattläuse, Raubmilben vernichten Spinnmilben. Schlupfwespen ernähren sich zwar von Blütennektar, legen ihre Eier jedoch parasitär in Läuse. Marienkäfer fressen hauptsächlich Blatt- und Schildläuse. „Um unsere Obstplantage herum haben wir Hecken als Lebensraum für die nützlichen Insekten angepflanzt, die wir entsprechend pflegen“, so der Obstbauer. Wildbienen und Hummeln sind das ganze Jahr in den Obstanlagen. Mit Blühstreifen und Beeten wird ihre Ernährung über alle Jahreszeiten gefördert.

Jetzt, wo die Blütezeit der Obstbäume beginnt, werden Honigbienen von Imkerei Bleise aus Isselburg in die Obstanlage gebracht. Die Bienen sammeln Nektar und Pollen, der an den Staubbeuteln der Apfel- und Birnenblüten gebildet wird. Daraus wird Honig hergestellt, der ebenfalls im Hofladen angeboten wird. Durch den Kontakt der Bienen zu den Blüten kommt es zur Bestäubung, die für die Fruchtbildung von größter Bedeutung ist.

Unter anderem wachsen auf dem Vriendshof die Apfelsorten Delbar, Elstar, Rubin, Gala, Roter Boskoop, Cox Orange, Jonagold, Rubinette, Pinova, Braeburn, Topaz und Wellant. An Birnensorten gibt es unter anderem Clapps Liebling, Gellerts Butterbirne, Concorde, Gute Luise, Williams Christ, Conference, Köstliche von Charneux und Alexander Lukas. Äpfel und Birnen werden erst bei voller Geschmacks- und Inhaltsstoffausprägung geerntet und erleiden so keinen Verlust. Zur Erntezeit helfen den Baumanns polnische Saisonarbeiter. „Dafür gibt es keine Maschinen, jede einzelne Frucht muss per Hand geerntet werden“, sagt Felix Baumann, der am liebsten Elstar mag. Er macht sich Sorgen, ob wegen der Corona-Krise die Saisonarbeiter überhaupt kommen dürfen.

Die Äpfel müssen sortiert, eingepackt und ausgeliefert werden. „Unser Motto heißt: Frisch, frischer, Vriendshof“, sagt der Obstbauer. Die regionale Vermarktung bedeutet kurze Wege und damit eine besondere Frische und Qualität. „Wir verkaufen ausschließlich Obst aus eigenem Anbau. Unsere Obstanlage liegt arrondiert um den Hof, so gelangen Äpfel und Birnen in der Ernte direkt in den Hofladen oder in Geschäfte“, erklärt Baumann.

Lagersorten gelangen zügig ins Kühlhaus, werden schnell gekühlt und zum gewünschten Verkaufszeitpunkt wieder ausgelagert. Um die Frische zu erhalten, werden die Kühlhäuser luftdicht verschlossen. Die Zellatmung wird dadurch heruntergefahren und das Nachreifen der Früchte auf ein sehr geringes Maß reduziert. Diese Lagerung nennt man „ULO“, das steht für „Ultra Low Oxygen“, also sauerstoffarme Lagerung. Sie ist frei von jeglicher Chemie. Der Energiebedarf für die im Jahr 2018 neu errichteten Kühlhäuser wird größtenteils aus der hofeigenen Photovoltaikanlage gedeckt. Dort befindet sich auch eine Sortiermaschine mit Wasserreinigung, so dass die Äpfel frisch geduscht werden. „Nur so können wir unsere Äpfel und Birnen bis ins Frühjahr hinein lagern, so bleiben sie knackig“, sagt Felix Baumann, der für seine Kunden noch einen Tipp hat: „Äpfel und Birnen sollte man immer möglichst kalt lagern. Ich empfehle die Lagerung im Kühlschrank, Keller oder in den Wintermonaten auch auf der Terrasse, frostfrei natürlich. In der Obstschale reifen Äpfel und Birnen schnell nach.“

Im Kreis gibt es noch etwa 20 bis 25 Obstbaubetriebe, auch als Teil- und Nebenerwerb, Tendenz sinkend, so die Fachgruppe Niederrhein der Landwirtschaftskammer NRW. Vorwiegend werden Erdbeeren, Beerenobst wie Heidelbeeren, Äpfel, Birnen, Kirschen und Pflaumen angebaut. Die Flächengröße der einzelnen Betriebe geht von drei Hektar bis 25 Hektar – auch mit Tunnelanbau und in Gewächshäusern.

Der Hofladen hat wie gewohnt für die Kunden geöffnet, um alle mit frischen, gesunden Äpfeln im Kampf gegen Corona zu versorgen und so fit zu halten. Neben Äpfel und Birnen gibt es hier auch andere regionale Produkte wie Honig, Kartoffeln und frische Eier aus der Bodenhaltung. Öffnungszeiten des Hofladens: Dienstag bis Samstag von 9 bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr, am Sonntag von 11bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr. Montag ist Ruhetag.