Der Einfluss der Franzosen auf unsere Sprache

Kultur in Kevelaer : Napoleons unterhaltsamer Einfluss

Die Franzosen haben Spuren am Niederrhein hinterlassen. Sprachwissenschaftler Georg Cornelissen lädt zur Spurensuche ein.

Prackesiere, Plümmo oder Portemonnaie. Alles Wörter, die im deutschen oder auch niederrheinischen Sprachgebrauch trotz des wachsenden Einflusses von Englisch noch zu finden sind.

Platt wird in dieser Region dagegen nur noch wenig gesprochen. Und auch Niederländisch spricht hier längst nicht jeder, trotz der Nähe zur Grenze. Zum Erhalt dieser Sprachkultur wird es im Niederrheinischen Museum in Kevelaer einen Vortragsnachmittag am 28. September geben. Hauptakteur dieser Veranstaltung mit dem Namen „Platt in der Franzosenzeit“ (1794-1814) wird Georg Cornelissen sein.

Der Linguist arbeitet schon länger mit dem Mundartverein „För Land en Lüj“ und dem Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte im Landschaftsverband Rheinland zusammen. Auch das Niederrheinische Museum freut sich über die kommende Zusammenarbeit. „Man muss ja nicht immer als Alleingänger unterwegs sein. Solche Kooperationen wird es wohl auch noch in der Zukunft geben“, betonte die Leiterin des Museums, Veronika Hebben. Und auch Ulrich Francken, der Vorsitzende des Mundartvereins, erzählte: „Wir können froh sein, mit Georg Cornelissen einen so begabten Sprachwissenschaftler in unseren Reihen zu haben, der auch noch so launig vortragen kann.“

Das deutet der Linguist auch schon in der Beschreibung der Veranstaltung an. Auf dem Sofa im Museum wird er über den Einfluss der Franzosen auf den niederrheinischen Dialekt zu Zeiten Napoleons reden. „Das sind Themen, mit denen ich mich schon länger beschäftige. Aber die Franzosenzeit ist auch eine Periode in der Geschichte des Niederrheins die vielen Leuten nicht nur besonders bewusst ist, sondern die sie auch stark interessiert“, erläutert Cornelissen den Reiz des Themas. Das läge zum einen an der Faszination der Figur Napoleons, die vielen Geschichten und Mythen, die aus der Zeit stammen, aber auch einfach daran, dass Franzosen am linken Niederrhein lebten. Um den Einfluss dem Publikum näherzubringen, wird Cornelissen seinen Vortrag in vier Teile strukturieren.

Zuerst bekommen die Besucher Dialektproben aus der Franzosenzeit zu hören, konkret sind das die Übersetzungen des Gleichnisses vom verlorenen Sohn (1806). Anschließend wird es um die Sprache unserer Nachbarn gehen, mit der Frage, wie niederländisch der Dialekt in dieser Zeit klang. Dann kommt es zum, nach Cornelissen, für viele wohl am interessantesten Part. Französische Lehnwörter im Platt gibt es einige, zu denen der Linguist gerne was erzählen möchte.

Abschließend wird ein bisschen von Frankreich weggeschaut, wenn es um den Einfluss der Preußen auf das Platt geht. Unterstützt werden die Vorträge durch Tonaufnahmen aus Auwel-Holt, Keeken und Kevelaer zwischen 1868 und 1875. „Da sind sprachliche Phänomene zu hören, die vor hundert Jahren noch existiert haben, heute aber komplett vergessen worden sind“, erläutert Cornelissen. Wer herausfinden möchte, welche Phänomene gemeint sind kann sich im Niederrheinischen Museum per Telefon oder E-Mail anmelden. Der Eintritt ist frei, um eine kleine Spende wird aber gebeten.

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