Tagespflege für unter Dreijährige soll in Geldern teurer werden

Disput auch um Bezahlung von Tagesmüttern und -vätern : Tagespflege für unter Dreijährige soll in Geldern teurer werden

Der Unterschied zu Kita-Plätzen soll abgebaut werden. Außerdem sieht die Politik noch Klärungsbedarf, was die Bezahlung der Tagesmütter und -väter angeht.

Die Gelderner Stadtverwaltung schlägt Änderungen vor, die Familien betreffen, die die Kinder-Tagespflege nutzen. Demnach soll die Betreuung von unter Dreijährigen bei Tagesmüttern oder -vätern künftig genau so viel kosten wie in Kindertagesstätten.

Nach der derzeit noch gültigen Regelung zahlen Eltern für unter Dreijährige bei deren Betreuung in der Kita mehr als für Kinder ab drei Jahre. In der Tagespflege hingegen galt unabhängig vom Alter des Kindes immer der Satz für die ab Dreijährigen. Die Betreuung der Kleineren war also bei Tagesmutter oder -vater günstiger. Diesen Zustand möchte die Stadtverwaltung abschaffen und eine „Gleichberechtigung“ beider Systeme bei den Elternbeiträgen schaffen, so der zuständige Dezernent Helmut Holla.

Durch eine andere Änderung könnten Familien dafür wieder günstiger wegkommen. Für die Wahl des Betreuungsumfangs bei Tagespflegekräften sollen „Zwischenstufen“ eingeführt werden. Bislang konnten Eltern sich für 25, 35 oder 45 Stunden Betreuung in der Woche entscheiden. Künftig sollen auch 20, 30 oder 40 Stunden wählbar sein. Wer bisher aus der Not heraus auf die nächsthöhere Stundenzahl zurückgreifen musste, wird davon profitieren. „Es wird vor allem gerechter“, sagt Helmut Holla.

Für einen bewegten Disput in der Politik hat ein weiterer Vorstoß gesorgt. Die Stadtverwaltung will, dass Tagesmütter und -väter die nächsten, in Tarifverträgen vereinbarten Gehaltserhöhungen Anfang 2019 und 2020 nicht erhalten. „Die Umsetzung der Tarifanpassung würde bei Beibehaltung des aktuellen Betreuungsumfanges rund 20.000 Euro in 2019 und zusätzlich 35.000 Euro in 2020 kosten“, führen die Verantwortlichen im Gelderner Rathaus dazu aus.

Im Jugendhilfeausschuss des Stadtrates zeigten sich Politiker darüber deutlich irritiert. Er frage sich, ob die Stadtverwaltung wohl vorhabe, auch bei den eigenen Mitarbeitern die Tariferhöhungen zu überspringen, um den städtischen Haushalt zu entlasten, sagte Andreas van Bebber (SPD). Falls nicht, dann solle sie das auch anderswo nicht tun – erst recht nicht da, wo es um die Begleitung von Kindern gehe.

Man könne heilfroh sein, dass es Leute für die Tagespflege gebe, und sollte diese Menschen entsprechend wertschätzen, befand auch Wieland Fischer (Grüne). Und Lucas van Stephoudt (FDP) erklärte: „Ich bin jetzt kein sonderlich überzeugter Gewerkschafter, aber grundsätzlich sehe ich es schon so, dass, wenn die Arbeit gut gemacht wird, sie auch gut bezahlt werden soll.“ Und bei der Suche nach Leuten für die Tagespflege befinde man sich doch wohl auf einem „abgegrasten Markt“, es würden mehr Kräfte gebraucht, als vorhanden seien. Wie sollte man da bei schlechterer Bezahlung jemanden gewinnen?

„Wir halten es für angemessen, dass wir diese beiden Runden überspringen“, bekräftigte Dezernent Helmut Holla die Haltung der Stadtverwaltung. „Wir als Verwaltung – und Sie auch als Jugendhilfeausschuss – haben hier eine Haushaltsverantwortung.“

Nun soll es Anfang 2019 erstmal einen runden Tisch geben, an dem über pädagogische Qualitätsstandards und über die Geldfragen zu reden ist.

(szf)
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