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Kerken: Nikoläuse in der zweiten Generation

Kerken : Nikoläuse in der zweiten Generation

Seit mehr als 25 Jahren sind Heinz Diepers, Johannes Geilen und Ludger Jacobs als Nikolausteam in Winternam unterwegs. Sie treten damit in die Fußstapfen ihrer Väter. Ans Aufhören denken die Männer noch lange nicht.

Mit weißem Rauschebart ist Johannes Geilen nicht mehr zu erkennen. Das ist gut so, denn er ist gemeinsam mit Heinz Diepers und Ludger Jacobs als Nikolausgespann in Winternam unterwegs.

Ob das die Kinder im Zeitalter von Computer und Co. hinter dem sprichwörtlichen Ofen hervorlockt? Die drei Männer sind sich einig: Ja. "Sobald wir da sind, ist das Staunen da und sind die Zweifel weggewischt", sagt Heinz Diepers. Das hat sich in den über 25 Jahren nicht verändert, in denen die Männer im Raum Winternam immer am Nikolausabend unterwegs sind.

Übernommen haben sie die Tradition von ihren Vätern, Johannes Diepers, Johannes Jacobs und Heinrich Geilen. Die wollten den Kindern einen schönen Nikolausabend bescheren. "Nicht um die Kinder bang zu machen", sagt Diepers. Denn damals gab es auch Nikoläuse, die noch einen Teufel dabei hatten, der mit den Ketten rasselte, um den Kindern Angst einzujagen.

So sollte der Nikolausabend nicht mehr sein. Das goldene Buch hingegen, in dem die guten und weniger guten Taten stehen, das gibt es immer noch. Das nicht aufgeräumte Zimmer steht immer noch auf Platz 1 der schlechten Taten. Mittlerweile schicken die Eltern diese Berichte per E-Mail an das Winternamer Nikolausteam. Das hat den Vorteil, dass die Männer sich den Zettel in entsprechend großer Schriftgröße ausdrucken können, um alles besser lesen zu können. Am Abend besuchen die drei Männer bis zu zwölf Familien, in Spitzenzeiten waren es auch 14. Los geht es am 5. Dezember, sobald es dunkel wird. Die Rollenverteilung erfolgt spontan am Abend. Heinz Diepers und Johannes Geilen sind entweder Nikolaus oder Knecht Ruprecht, Ludger Jacobs ist meistens Fahrer, aber auch ab und zu Knecht Ruprecht. Die Kostüme sind groß genug, dass sie jedem der Herren passen.

"Unsere Väter haben sich die Kostüme noch selber nähen lassen", weiß Geilen. Die Bärte halten mit Gummiband, die buschigen Augenbrauen heutzutage mit doppelseitigem Klebeband. Auch ihre Väter hatten extra für den Nikolausabend dicke, weiße Augenbrauen. "Die haben die mit Pattex festgemacht und nachher mit einer kleinen Nagelschere wieder abgeschnitten", erinnert sich Johannes Geilen an die Verkleidungstricks der Vorfahren. Immer mit dabei ist eine Glocke, mit der sich das Gespann schon weit im Voraus ankündigt. "Wir läuten damit ganz kräftig, dann gehen die Haustüren schon automatisch auf", sagt Johannes Geilen. Oft singen die Kinder schon, wenn die Männer kommen, es wird fleißig musiziert und aufgesagt.

"Mindestens einmal im Jahr muss ich ,Der Nikolaus ist ein braver Mann' hören. Das Lied ist schon schön", sagt Geilen. Sein Sohn Tim, mittlerweile 20 Jahre alt, war auch einmal als Knecht Ruprecht dabei. Ob er einmal in die Fußstapfen seines Vaters tritt? Um ihre Nachfolger machen sich die Drei Männer im besten Alter noch keine Sorgen. "Uns ist es einfach wichtig, die Tradition und den christlichen Brauch beizubehalten", sagt Heinz Diepers. "Solange es eben geht, machen wir weiter."

(RP)