1. NRW
  2. Städte
  3. Emmerich

Krematorium in Rees: Interview mit Bürgermeister Gerwers

Interview Christoph Gerwers : „Es spricht nichts dagegen“

Der Reeser Bürgermeister spricht im Interview mit der Rheinischen Post über die Kritik am künftigen Krematorium in Rees. Die Verträge sind unterschrieben, mit dem Bau kann bald begonnen werden.

Der Weg zum Bau eines Krematoriums in Rees ist frei. Die Verträge für den Bau und Betrieb am Grüttweg sind unterzeichnet. Doch es gibt kritische Stimmen in der Stadt, die das Vorhaben ablehnen. Bürgermeister Christoph Gerwers nimmt Stellung.

Dass sich eine Stadt für den Bau eines Krematoriums stark macht, ist ungewöhnlich. Oder sehen es die Kritiker vielleicht falsch: Was spricht eigentlich gegen ein Krematorium?

 Bürgermeister Christoph Gerwers.
Bürgermeister Christoph Gerwers. Foto: mvo/MArkus van offern

Christoph gerwers Nichts! Es ist das erste Krematorium im Kreis Kleve und die meisten der Kritiker kennen wahrscheinlich eine solche Einrichtung gar nicht. Die Vorbehalte gegen ein Krematorium bestanden übrigens auch bei vielen Ratsmitgliedern, als die Facultatieve Gruppe erstmals mit dem Vorschlag an uns herangetreten ist, in Rees am Grüttweg ein Krematorium zu errichten Wir haben uns deshalb bereits Anfang 2016 mit den interessierten Ratsmitgliedern ein Krematorium in Willich angesehen und waren alle, auch die Skeptiker, sehr angetan, wie pietätvoll und würdig die Angehörigen Abschied von ihren Lieben nehmen können und die Verstorbenen kremiert werden.

  • Christoph Daum.
    Ex-Bayer-Trainer : Christoph Daum flirtet mit Engagement in England
  • Um gegen Grippe geschützt zu sein,
    Gesundheit im Rhein-Kreis : Impfen in Apotheken – Arzt spricht von „Schnapsidee“
  • Das verschwommene Logo von Twitter (Archiv).
    Accounts von Musk, Biden & Co. geknackt : „New York Times“ spricht mit mutmaßlichen Twitter-Hackern

Sterben gehört zum Leben. Und außerdem bringt das Krematorium vermutlich auch Gewerbesteuer-Einnahmen. Die kann Rees gut gebrauchen, oder?

gerwers Mit großen Gewerbesteuereinnahmen rechnen wir gar nicht. Im Vordergrund stand und steht, dass immer mehr Menschen eine Urnenbestattung vorziehen und die Bestatter derzeit nach Duisburg oder in die Niederlande fahren müssen, um die Verstorbenen kremieren zu lassen. Es gibt also ein großes Interesse an einem Krematorium in der Region. Warum dann nicht in Rees? Es gab dazu ein gut geeignetes Grundstück am Grüttweg, das sowieso als Friedhoferweiterungsfläche geplant war und nicht mehr gebraucht wird. Insofern haben wir das Projekt Krematorium von Anfang an sehr unterstützt.

Es gab eine Debatte darüber, ob es durch ein Krematorium Belästigungen für die Nachbarschaft gibt. Wie schätzen Sie die Lage ein?

Gerwers Belästigungen sind überhaupt nicht zu erwarten, da kann ich alle beruhigen. Davon konnten wir uns auch schon in Willich überzeugen. Es wird keinen großen Anlieferungsverkehr geben. Auch von Kritikern befürchtete Geruchsbelästigungen werden nicht auftreten. Das Immissionsschutzgesetz gilt nämlich auch für Krematorien. Und die zuständigen Behörden werden penibel darauf achten, dass es nicht zu Belästigungen welcher Art auch immer kommen wird.

Strittig ist unter den Menschen, die das Vorhaben kritisch sehen, der Standort in der Nachbarschaft zum Freibad. Warum soll das Krematorium gerade dort gebaut werden?

Gerwers Zum einen war dort ursprünglich eine Erweiterung des Friedhofs in Rees geplant, die deshalb, weil auch in Rees in den letzten Jahren immer mehr Urnengräber nachgefragt werden, nicht mehr nötig war. Warum ein Friedhof an dieser Stelle aber weniger problematisch als ein Krematorium sein soll, erschließt sich mir nicht. Zum anderen liegt auch der Friedhof am Westring in unmittelbarer Nähe zu unserem Schulzentrum und das hat bislang auch niemanden gestört. Und schließlich werden die Freibadgäste vom Krematorium nichts mitbekommen und umgekehrt auch die trauernden Angehörigen bei Trauerfeiern im Krematorium nicht vom Lärmen und Treiben im Freibad gestört werden. Uns war zudem wichtig, dass die Erschließung, die Parkplatzflächen und das Krematorium selbst durch eine Einfriedung mit Hecken von den Nachbargrundstücken abgegrenzt werden und so auch keine Sichtbeziehungen entstehen.