Emmerich: Ausgesägte Zeichnungen

Emmerich: Ausgesägte Zeichnungen

Ab Sonntag zeigt das Haus im Park Arbeiten von Christof Knapp. Der Gummersbacher Künstler, der bereits Ende letzten Jahres einige seiner Werke im Rheinpark zeigte, beeindruckt mit seiner Formensprache.

Unter den Orten, an denen am Niederrhein Kunst ausgestellt wird, ist das Haus im Park so etwas wie ein versteckter Champion. 3000 Besucher zählt der Emmericher Kunstverein, der die kleine Galerie im Rheinpark betreibt, pro Jahr - das entspricht der Besucherzahl, die das viel größere und auch bekanntere Haus Koekkoek auf der anderen Rheinseite verzeichnet. Unterstützt von der Stadt, die die Örtlichkeit zur Verfügung stellt und unter anderem auch Nebenkosten für Strom und Wasser übernimmt, gelingt es dem Kunstverein immer wieder, mit schmalem Budget interessante Künstler nach Emmerich zu holen. Sieben Ausstellung pro Jahr gibt es.

Gleichwohl - und angesichts der ansehnlichen Besucherzahlen - würde sich Werner Steinecke vom Emmericher Kunstverein gerne noch etwas mehr städtisches Engagement fürs Haus im Park wünschen. Die Vorrichtung, um Bilder aufzuhängen, stammt aus den 1970er Jahren und ist für die Zwecke der Galerie eigentlich völlig unbrauchbar. Eine der beiden Glaskuppeln, die zusätzliches Tageslicht in den Anbau bringen sollen, ist matt und schimmelig geworden. Ein neuer Anstrich fürs Haus wurde offenbar aus Gründen des Denkmalschutzes nicht gewährt. "Es wäre schön, wenn auch mal jemand aus der Politik kommen würde, um sich das Haus im Park anzuschauen", wünscht sich Steinecke.

Gelegenheit dazu gibt es wieder ab dem morgigen Sonntag. Dann nämlich öffnet das Haus im Park um 12 Uhr zu seiner zweiten Ausstellung des Jahres. "Abspielen" heißt sie und zeigt Werke von Christof Knapp. Der Gummersbacher, dessen prägnante Pfeile und spannende Relief-Arbeiten bereits bei der Jahresausstellung 2017 zu sehen waren, hat auch jetzt wieder zahlreiche Holzarbeiten mitgebracht.

Knapp arbeitet mit Robinien-, Linden- oder Pappelholz, aber auch mit MDF-Platten. Filigran lässt er aus einem Holzblock ein Buch mit aufgeklappten Seiten entstehen oder arbeitet mit spezieller Tagesleuchtfarbe Reliefs seiner Materialien heraus und schafft mit einfacher Formensprache piktogrammartige Wandskulpturen. Davon sind vor allem im Untergeschoss der Galerie einige zu sehen. Im ersten Augenblick wirken sie wie schmiedeeiserne Arbeiten - ein Effekt, den Knapp dadurch erzielt, dass er die von ihm bearbeiteten MDF-Platten in schwarzer Tinte tränkt.

  • Emmerich : "Lichtblicke" im Rheinpark

Die Formen, die so entstehen, Knapp arbeitet mit Fräsen und verschiedensten Sägen, können gegenständlich sein. Umrisse einer Kirche lassen sich ebenso erkennen wie eine Signalanlage der Bahn. Manchmal sind es aber auch Fantasieprodukte, die dann umso mehr das Interesse des Betrachters wecken. "Im Prinzip sind diese Arbeiten ausgesägte Zeichnungen", sagt Werner Steinecke, den die präzise geschnittenen Formen besonders beeindrucken.

Kunsthistorikerin Sabine Elsa Müller bezeichnet Knapps Werke als "Formen, die nichts direkt abbilden, aber fast immer an irgendetwas erinnern." Manche erinnerten an Werkzeuge oder Maschinenteile, andere an Buchstaben: "Man könnte auch an ein unbekanntes Alphabet denken, in der Art der Hieroglyphen, die sich ja auch von realen Gegenständen oder Dingen ableiten lassen."

Die Ausstellung wird am Sonntag um 12 Uhr eröffnet. Das Haus im Park ist samstags von 13 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Eintritt frei. Weitere Infos: www.kunstverein-emmerich.de, www.knapp-kunst.de.

(RP)