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Museum DKM in Duisbug: Neustart mit Sonderausstellungen

Sonderausstellungen in Duisburg : Faszinierendes zum Neustart im Museum DKM

Das privat geführte Museum von Klaus Maas und Dirk Krämer zeigt ausgewählte Kunst von der Vorantike bis zur Gegenwart auf 2700 Quadratmetern in 55 Räumen. Nach der Corona-Zwangspause startet es mit faszinierenden Sonderausstellungen.

Die Corona-Zwangspause war für alle Museen bitter, besonders natürlich für ein privat geführtes Museum wie das wunderschöne Museum DKM an der Güntherstraße 13-15 (Nähe Hauptbahnhof), das ohne öffentliche Gelder auskommen muss. Klaus Maas und Dirk Krämer haben das Museum, das den Namen ihrer Anfangsbuchstaben trägt, vor elf Jahren gegründet. Längst ist das Museum, das in einem aufwändig umgestalteten Zweckbau aus den 60er Jahren untergebracht ist, mehr als ein Geheimtipp. Die Aufnahme in die Reihe der Ruhrkunst-Museen ist dafür ein Zeichen. Unter dem Motto „Linien stiller Schönheit“ haben Maas und Krämer Kunst von der Vorantike bis zur Gegenwart zusammengetragen. Maas sammelt bereits seit 50 Jahren Kunst, vornehmlich Werke von Gegenwartskünstlern. Sein Ehemann Dirk Krämer brachte seine Sammelleidenschaft für alte Kunst aus Asien und dem Nahen Osten ein. Maas und Krämer sammeln Kunst nicht nach systematischen Gesichtspunkten, wie es bei einem öffentlich bezuschussten Museum der Fall sein sollte, sondern sie kaufen Kunst, die ihnen gefällt. Gerade das ist ihr Erfolgsgeheimnis.

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Die Zeit, in der das Museum schließen musste, haben die beiden Museumsgründer genutzt, um zwei Sonderausstellungen einzurichten und einige Werke aus ihrer Sammlung neu zu präsentieren. Eine Sonderausstellung ist zugleich eine posthume Verbeugung vor einem Künstler, mit dem Maas und Krämer schon viele Jahre zusammengearbeitet haben und mit dem sie auch befreundet waren: Ulrich Tillmann, der am 26. Februar 2019 im Alter von 68 Jahren gestorben ist. Kurz vor seinem Tod hat Tillmann, dem klar war, dass er nicht mehr lange zu leben hatte, einige seiner Werke dem „DKM“ geschenkt. Darunter die „Ägyptenbilder“, die der Foto- und Konzeptkünstler Mitte der 90er Jahre in einer Technik aufgenommen hat, die an die Reisefotografie des 19. Jahrhunderts anknüpft. Tillmann, der natürlich über ganz andere technische Möglichkeiten verfügt als die ethnologisch motivierten Kunst-Fotografen vor 150 Jahren, spielt in seinen ästhetischen Schwarzweiß-Aufnahmen mit den anachronistisch wirkenden Verfahren; so bleiben etwa Wischspuren der Entwicklerflüssigkeit am Bildrand demonstrativ sichtbar. Das wirkt keineswegs störend. Im Gegenteil: Man spürt die Achtung vor einer untergegangen Hochkultur. Übrigens war, wie Klaus Maas berichtet, auch Tillmanns Ägyptenreise keine normale Urlaubs- oder Dienstreise. Vielmehr schloss sich Tillmann einer Gruppe von prominenten Reisenden an, die das Land am Nil anders als gewöhnliche Menschen kennenlernen wollten. Darunter waren beispielsweise Alice Schwarzer und Alfred Biolek, den man ganz klein vor einer großen Kulisse erkennen kann. Sie waren, wie einst die Reisenden des 19. Jahrhunderts, vom so genannten „Nilexotismus“ gebannt.

 Unter dem Titel „Sinn und Endlichkeit“ werden Werke präsentiert, die der Schönheit und dem Eros huldigen oder sich mit Vergänglichkeit beschäftigen.
Unter dem Titel „Sinn und Endlichkeit“ werden Werke präsentiert, die der Schönheit und dem Eros huldigen oder sich mit Vergänglichkeit beschäftigen. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Klaus Maas und Dirk Krämer werden in späteren Ausstellungen noch mehr Werke von Ulrich Tillmann zeigen. Das wird sich lohnen, denn Tillmann war ein Mann mit Witz, der sich mit der fiktiven Gestalt des Universalgelehrten Klaus Peter Schnütger-Webs ein Alter Ego schuf, samt Museum, das am Tag der Eröffnung schon wieder geschlossen wurde. Da gibt es noch viel zu erzählen...

Den Auftakt der zweiten Sonderausstellung bildet die fotografische Arbeit „Lucifer‘s Vortex“ von Tom Fecht (Jahrgang 1952), die wie ein Sog wirkt. Vortex ist ein Fachbegriff, der den ebenso gefährlichen wie beeindruckenden Wasserstrudel bezeichnet. Fecht hat diese Naturgewalt mit Hell-Dunkeleffekten in geradezu überwältigender Dramatik fotografisch inszeniert. In seinem Triptychon „Luciferine“ sieht man das Meer leuchten; auch hier gibt es einen naturwissenschaftlichen Ansatzpunkt: die Biolumineszenz des Ozeans. In einer anderen zehnteiligen Bildserie, „Electric Cinema“ genannt, hat der studierte Ingenieur und Künstler natürliche Gewitterblitze in tiefschwarzer Nacht mit der Kamera „eingefangen“. Eine ganz andere Seite Fechts offenbart seine „Jacobs Leiter“, bei der das christliche Bildmotiv fotografisch interpretiert wird.

 Auch diese Stein-Installation des weltbekannten Landschaftskünstlers Richard Long ist derzeit im DKM zu sehen.
Auch diese Stein-Installation des weltbekannten Landschaftskünstlers Richard Long ist derzeit im DKM zu sehen. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Neben diesen beiden Sonderausstellungen sind im Museum DKM viele Einzelwerke aus der Sammlung zu sehen, die noch nicht gezeigt werden konnten. Darunter eine Stein-Installation des weltbekannten Landschaftskünstlers Richard Long, die bislang als Leihgabe von Klaus Maas und Dirk Krämer im Depot des Lehmbruck-Museums aufbewahrt wurde. Longs gezackte Linie wird dabei kombiniert mit den spirituellen „japanischen“ Wandarbeiten von Claudia Verstappen.

Unter dem Titel „Sinn und Endlichkeit“ werden höchst unterschiedliche Werke präsentiert, die der Schönheit und dem Eros huldigen oder die sich mit der Vergänglichkeit all dessen, was uns positiv bewegt, auseinandersetzen. Von den Neuerwerbungen überraschen die um 1920 entstandenen Großskultpturen aus Keramik und die beiden ausdrucksstarken Kreuzweg-Reliefe des belgischen Künstlers Marcel Wolfers (1886 bis 1976). Für Klaus Maas und Dirk Krämer sowie für die Museumsbesucher hierzulande ist dieser Künstler eine Entdeckung.

Die beiden Sonderausstellungen sind bis Ende August zu sehen. Das Museum ist samstags und sonntags sowie an jedem ersten Freitag im Monat von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Für Gruppen können weitere Besichtigungstermine vereinbart werden. Infos unter www.museum-dkm.de oder 0203 93555470.