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Mönchengladbach: Museum Abteiberg widmet Joseph Beuys die Ausstellung "Institutionskritik"

Kunst in Mönchengladbach : Wenn ein Museum über sich selbst nachdenkt

Ghislaine Leung auf der einen, Fluxus-Zeitzeugnisse auf der anderen Seite. Das Museum Abteiberg widmet Joseph Beuys eine sehr besondere Ausstellung.

Die Stadt und das städtische Museum haben eine besondere Beziehung zu Joseph Beuys. Im alten Museum an der Bismarckstraße fand 1967 seine erste Einzelausstellung statt. Bei einer Aktion 1972 ritzte der „Heilige Jupp“ das Wort „Exit“ in die Tür des Münsters, er gestaltete (kostenlos) die Haushaltssatzung der Stadt, stellte im Museum sein Revolutionsklavier auf.  Wie es sich für ein Haus der zeitgenössischen bildenden Kunst gehört, hat das Museum Abteiberg zum 100. Geburtstag von Beuys eine sehr besondere Ausstellung konzipiert, die nicht nur den Rebellen aus dem Rheinland würdigt, sondern ihn in einen zeitgeschichtlichen Rahmen fügt – mit der Archiv-Schau – und seine Ideen weiter denkt – mit den Arbeiten der Künstlerin Ghislaine Leung. Am Donnerstag wird sie eröffnet.

Der ganzheitlich, politisch-gesellschaftlich agierende Beuys hat den erweiterten Kunstbegriff geprägt. Kunst also, die ausgehend vom Gedanken, dass jeder Mensch ein Künstler sei, auf das Hineinwirken in Politik und Gesellschaft zielt. Das Museum als Institution hat Beuys in seiner Rolle ebenfalls hinterfragt und neu gedacht. Was aber ist ein Museum? Was kann es? Was soll es? Die Rolle des Museums ist der gemeinsame Nenner der Ausstellungsteile, die den Titel „Institutionskritik – Das Museum als Ort der permanenten Konferenz“ tragen. Das Museum Abteiberg ist dabei Vordenker, betreibt Selbstreflexion.

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Die Archiv-Schau begleitet auf eine Zeitreise in die 1960er, 1970er-Jahre. Mit ihr macht das Abteiberg einen Teil der Museumsarbeit öffentlich, der sonst im Verborgenen liegt. „Das Archiv ist das Gedächtnis“, sagt Museumsdirektorin Susanne Titz. Und die Archiv-Schau zeigt erstmals in Auszügen die gigantische Sammlung von Erik Andersch, die 2018 an das Gladbacher Museum ging.

Die Sammlung Andersch ist eine der größten Fluxus-Sammlungen, jener Kunstrichtung, die die schöpferische Idee, den Prozess, das Im-Fluss-Sein zur zentralen Achse macht. Unendlich viel Zeit hat das Kuratorenteam Denise Wegener und Felicia Rappe damit verbracht, die Sammlung zu sichten, und sie haben eine Schatzkammer aus dem Magazin-Raum gemacht – mit Plakaten, Fotos, Postkarten, Skizzen, Büchern und den Fluxus-typischen Holzkisten als Zeitzeugen.

Als Vor- und Weiterdenkerin erweist sich indes Ghislaine Leung. Susanne Titz und ihr Team haben sie als für eine Beuys-Hommage würdige Künstlerin gekürt. Die 31-Jährige aus London setzt ihre kompakten Konzepte in Kunst um, denkt die Institutionskritik von Beuys weiter. Für Leung wurden viele Wände des Museums in Hellbraun gestrichen, in einer Farbe, die so gar nicht zum neutralen Weißanstrich eines Museums passt. Auf 1,50 Meter – der Standardhöhe für Bild-Hängungen – endet der Braun-Anstrich.

In einem Raum hängt zwischen weiß-braunen Wänden ein Mini-Gemälde, ein aus der Zeit gefallenes Stillleben mit Zwiebeln, das einem Rembrandt-Bild nachempfunden ist. „Es ist ein Stück rührende Familiengeschichte“, erklärt Susanne Titz.

„Als die Familie den großen Rembrandt verkaufen musste, ließ die Großmutter das kleine Gemälde anfertigen.“ Es hängt verstörend einsam in einem großen Raum. „Manche fragen sich da, ob der Ausstellungsraum fertig ist“, sagt Titz. Er ist. Unvermittelt tauchen in mehreren Räumen die mit Luft gefüllten weißen Bögen auf, deren Generatoren die Räume mit Surren füllen. Auch sie laden dazu ein, sich mit dem Ausstellungsraum zu beschäftigen. „Welcome“ steht auf diesen Bögen. Willlkommen im Museum, im Beuys-Universum, beim Nach- und Weiterdenken.