Duisburg: Carsharing ist hier kein Renner

Duisburg: Carsharing ist hier kein Renner

Auf 1000 Einwohner kommen hier bei uns gerade mal 0,04 Carsharingfahrzeuge. Damit rangiert Duisburg nur auf dem 112. Platz im Städteranking.

20 Fahrzeuge für rund 500.000 Duisburger - so lautet die Statistik für Carsharingfahrzeuge im Stadtgebiet laut Städteranking des Bundesverbands Carsharing (BCS). Zum Vergleich, Spitzenreiter Karlsruhe verzeichnet 834 Fahrzeuge für 305.000 Einwohner.

Carsharing basiert auf dem Prinzip von Mietwagen. Der Unterschied: Die "geteilten" Fahrzeuge können in der Regel ganz spontan reserviert werden und eignen sich besonders für kurze Strecken und Zeiträume. Wer also wochentags kein Auto benötigt (oder überhaupt keines besitzt) und nur am Wochenende mal seinen Großeinkauf motorisiert erledigen will, ist mit diesem System gut bedient.

Angeboten werden derzeit zwei Varianten: das stationsbasierte Carsharing und "Freefloater". Letztere sind besonders flexibel nutzbar: Der Kunde mietet das Auto an, wo er sich gerade befindet, und stellt es am Ziel wieder ab. Eine App auf dem Smartphone zeigt an, wo das nächste verfügbare Fahrzeug steht und reserviert werden kann.

Beim stationsbasierten Carsharing hingegen steht das Auto - wie der Name schon sagt - an einem festgelegten Ort. Es kann nur dort abgeholt werden und muss auch dort wieder hingebracht werden. Solche Fahrzeuge stellt beispielsweise die Deutsche Bahn am Hauptbahnhof (Ost-Ausgang) bereit.

Um ein Mietauto nutzen zu können, muss man sich zu allererst bei einem Anbieter registrieren lassen. Man erhält dann eine Chipkarte oder einen Zugangscode, mit dem sich die Fahrzeuge aufschließen lassen. Je nach Anbieter können monatliche Kosten anfallen. Die Kosten für die eigentliche Nutzung setzen sich je nach Anbieter aus der Nutzungszeit, den gefahrenen Kilometern, oder aber aus einer Kombination aus beidem zusammen.

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Beim Carsharinganbieter "Stadtmobil", der mit drei Stationen in Duisburg vertreten ist, kostet in der günstigsten Fahrzeugklasse der gefahrene Kilometer 24 Cent zuzüglich von 1,50 Euro pro Stunde. Auch die Universität Duisburg-Essen bietet ein eigenes Carsharingprojekt an. Unter dem Namen "RuhrautoE" liegt der Fokus besonders auf Elektromobilität. Ferdinand Dudenhöffer, Professor am "Center Automotive Research" in Duisburg und Mitinitiator des Projekts, erklärt: "Unser Ziel ist es, den Leuten die Elektromobilität vorzuführen und sie zum Ausprobieren zu bewegen."

Laut Dudenhöffer eignet sich das stationsbezogene System für Duisburg, aber auch für das gesamte Ruhrgebiet am besten. "Im Ruhrgebiet ist die Bevölkerungsdichte nicht hoch genug für ein großflächiges 'Freefloatingangebot'. Manche Straßen und Stadtteile sind nicht stark genug frequentiert" , sagt der Wissenschaftler. Denn wird ein Mietwagen in der sprichwörtlichen Walachei abgestellt, würde es dort zu lange ungenutzt stehen bleiben.

Dies ist laut Dudenhöffer mit ein Grund dafür, dass sich die beiden größten Anbieter, Car2Go und DriveNow, bisher nicht im Ruhrgebiet angesiedelt haben. Beide setzen auf "Freefloating."

Durch das Fehlen ihrer beiden großen Fahrzeugflotten stehen beinahe alle Ruhrgebietsstädte im Ranking des Bundesverbands weit unten. Schlusslicht der gesamten Liste bilden Bottrop und Gelsenkirchen mit je 0,01 Fahrzeugen pro 1000 Einwohnern. Einzig und allein Essen steht mit Platz 68 vergleichsweise gut dar.

Dabei setzt Carsharing bei Problemen an, die das gesamte Ruhrgebiet hat. Laut einer Studie, die der BCS in zwölf Großstädten in ganz Deutschland durchgeführt hat, kann stationsbasiertes Carsharing bis zu 20 Privatfahrzeuge ersetzen. Die Folgen einer besseren Nutzung wären unterm Strich ein geringeres Verkehrsaufkommen, und vor allem würde sich die Parkplatzsituation in manchen Stadtteilen erheblich entspannen. Manche Mietwagen-Nutzer und Carsharinganbieter argumentieren zudem mit den niedrigeren Kosten gegenüber einem eigenen Wagen.

(RP)