Duisburg: Die Magie in der Natur finden

Duisburg : Die Magie in der Natur finden

Der Duisburger Künstler Herbert J. Schero nimmt in seinem jüngsten Kunstbuch die Leser und Betrachter mit auf eine Reise zu Orten, bei der die Natur zur Kunst geworden ist - oder die Kunst zur zweiten Natur wurde.

Das jüngste Buch des Duisburger Künstlers Herbert J. Schero ist das bisher wohl schönste unter seinen zahlreichen Veröffentlichungen. Rund 200 Kunstwerke, viele von ihnen existierten nur für eine Gezeitenspanne zwischen Ebbe und Flut, sind darin abgebildet. Der Titel deutet Scheros künstlerisches Lebensstreben an: "Mana - Vom Zuspruch der Natur und der Gestimmtheit der Kunst."

Herbert Schero und seine Werke (im Uhrzeigersinn): Fruchtkreis, Goldhaar und Goldstrand. Foto: Schero (3)/Ralf Hohl (Archiv)

Das klingt esoterisch, ist aber - weniger pauschal kategorisiert - eine poetisch-philosophische Auseinandersetzung mit den Lebensentwürfen, die sich nicht klaglos mit der harten Wirklichkeit der ökonomischen und gesellschaftlichen Zwänge abfinden möchte. Bezeichnend ist, dass Schero seine Kunstmotive vorzugsweise im indischen Goa findet. Dorthin reist der Duisburger Künstler seit vielen Jahren.

Foto: Hohl Ralf

Am Strand und in der Umgebung von Goa findet Schero Bäume und Hölzer, Schwemmgut und Pflanzen, Steinformationen und Waldszenen, die ihn zu wunderschönen Installationen inspiriert haben. Orte, die Schero intuitiv oder nach nur ihm bekannten Kriterien auswählt, werden zu Mana-Orten, wobei der Begriff Mana auf einen spirituellen Energiebegriff zielt, der mit Schöpfungskraft, Ausstrahlung und eigentümlicher Sinnstiftung verbunden ist. Schero ist dabei in der asiatischen Philosophie und Religiosität zu Hause, gleichwohl ist er offen auch für die christliche Mystik. In seiner Vorstellung kann durchaus der Altar in einer Kirche ein Mana-Ort sein. Der Kreis ist in diesem Zusammenhang mehr als nur ein Symbol. Er ist eine vollkommene Form, die Schero in die Natur bringt oder in der Natur ansatzweise findet. So gestaltet er beispielsweise aus maroden angeschwemmten Baumstämmen am Strand einen Kreis und fotografiert ihn, bevor die nächste Flut die Form möglicherweise wieder zunichte macht. Vielleicht noch eindrucksvoller sind seine Mandalas, die er im Sand formt und die nur für ganz kurze Zeit genau jene Stelle am Strand mana-mäßig stärkt, die ansonsten dem Wechsel der Gezeiten für alle Ewigkeit ausgesetzt zu sein scheint. "Der Kreis als Denkmodell", "Das große Runde (Fischers Nachtgesang)" oder verschiedene "Fruchtkreise" sowie ein Buchkreis am Strand vor dem Hintergrund der Meeresbrandung sind Variationen des Kreisgedankens, bei denen Schero mit Anspielungen aus der westlichen und östlichen Kulturgeschichte operiert.

Foto: Schero

In anderen Werken behängt er Bäume mit Tüchern, farbigen Wasserflaschen und anderen Utensilien und macht daraus ein "Monument für den gestürzten Baum". Die Farbe Gold, als Sonnenfarbe, benutzt Schero für eine ganze Serie von Werken (Goldsynthese). Dabei nutzt er vorgefundene Steine oder auch in den Sand gestellte Stöcke, Letztere als Hommage an Brancusis "Endlose Säule", um mit künstlerischen Mitteln die Magie in der Natur zu finden.

Der bekannteste Ausspruch des Philosophen Wittgenstein heißt: "Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen." Schero geht darüber noch hinaus und möchte uns "ohne Worte, ohne Schweigen" zu Horizontkreisen führen, die in seiner Vorstellung nicht beweisbar, aber unbestreitbar sind. Auch wer mit Scheros Kosmosverständnis nicht übereinstimmt, wird seine Freude an den abgebildeten Kunstwerken haben, die Dokumentation und inszenierte Fotografie zugleich sind.

Herbert J. Schero: Mana. Vom Zuspruch der Natur und der Gestimmtheit der Kunst. Mitteldeutscher Verlag. 160 Seiten. 29.95 Euro.

(pk)
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