Welche Ideen Wissenschaftler in Düsseldorf für neue Start-Ups haben.

Wettbewerb in Düsseldorf : Neue Geschäftsideen aus der Forschung

Krebszucht im großen Stil, Diagnose per Handy oder Sensoren für das autonome Fahren – zwei Wettbewerbe der Heinrich-Heine-Universität prämieren Modelle für künftige Firmengründungen.

Im 19. Jahrhundert galten Flusskrebse als Arme-Leute-Essen, waren die Schalentiere doch massenhaft in jedem Tümpel zu finden. Dann kam die Krebspest – und die Alltagsspeise schrumpfte zur begehrten Rarität. Nun ist es Wissenschaftlern der Uni gelungen, eine innovative Aquakultur zu entwickeln, mit der Flusskrebse im großen Stil gezüchtet werden können. Damit überzeugten sie die Jury des Start-up-Wettbewerbs der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Heinrich-Heine-Universität (GFFU) und können jetzt mit 50.000 Euro Preisgeld ihre Firma in Schwung bringen.

Als Wissenschaftler denken, als Unternehmer handeln – diese Maxime gilt für alle vier Teams, die es ins Finale des Wettbewerbs schafften. Wie die Gründerinnen von Derm­nostic, zwei junge Dermatologinnen, die Hautdiagnose per Handy anbieten wollen. Sie gehen dabei von einer Alltagssituation aus: Man sieht einen verdächtigen Fleck auf der Haut, ist beunruhigt, bekommt aber in den nächsten Wochen keinen Arzttermin. Deshalb haben die Ärztinnen eine digitale Diagnostik entwickelt. Patienten können ein Handyfoto von dem Hautfleck an ihre App schicken, innerhalb von 24 Stunden gibt‘s eine erste Diagnose zum Festpreis von 25 Euro.

Ein Alltagsproblem zu lösen, mit dieser Absicht treten auch die Macher von Tracy an, die eine Technologie entwickelt haben, damit Pakete reibungsloser geliefert werden. „Paketboten schicken ihren Kunden zwar eine Mail, aber die wird oft nicht gelesen“, so die künftigen Firmengründer. Stattdessen wollen sie intelligente Chatbots für die Kommunikation zwischen Paketboten und Kunden einsetzen, also digitale Assistenten, die etwa per WhatsApp („wird viel öfter gelesen als Mails“) vereinbaren, wann die bestellte Ware geliefert wird.

Wie lassen sich Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland locken? Diese Frage inspirierte das Team von Who Moves zu seiner Geschäftsidee. Die Gründer wollen mit einer Plattform an den Start gehen, auf der auch Regionen Deutschlands vorgestellt werden, die im Ausland völlig unbekannt sind. Mithilfe eines Algorithmus werden potenziellen Fachkräften Informationen – vom Kindergartenplatz bis zum Wohnungsangebot – sekundenschnell geliefert.

Jeder kennt das: Wer nur mit Handgepäck reist, hat das Problem, dass keine flüssigen Produkte transportiert werden dürfen – allenfalls in Miniportionen. Was tun also mit Shampoo, Duschgel, Bodylotion? 800 Menschen haben die Gründer von Holidry nach ihren Erfahrungen befragt. Jetzt will Holidry ein Reiseset anbieten, das in einer Box (mit Sicherheitsverschluss) von der Zahnpasta bis zum Shampoo alle Produkte in kompakte Kügelchen formt. Mit diesem Konzept gehören die Studenten zu den Siegern des Ideenwettbewerbs der Uni, einer zweiten Ausschreibung für kreative Köpfe.

Zu denen zählen zweifellos auch die künftigen Gründer von AIVIS mit ihrer Vision vom autonomen Fahren. „Das Problem sind doch die gigantischen Kosten“, so der Betriebswirt Daniel Schmitz. Gemeinsam mit seinem Partner Marcel Brückner hat er mithilfe künstlicher Intelligenz eine Sensortechnik erfunden, die nur einen Bruchteil kosten und exakt den Abstand zu einem Hindernis messen soll, „viel genauer als die bisherigen Sensoren“. Schon vor der Gründung ihres Unternehmens formulieren sie ehrgeizige Ziele: „Wir wollen die Autobranche aufrütteln.“

Machbarkeitsstudie, Businessplan, Prototyp in einem Keller in Flingern – die Gründer von Royal Red Claw mit ihrer Vorliebe für Flusskrebse, haben die ersten Hürden auf dem Weg zur Selbstständigkeit bereits überwunden. „Bisher wurden Krebse nur in Teichen gezüchtet“, so Lucia Donath vom Gründer-Team, das digital gesteuerte Anlagen bauen will, mit schadstofffreiem Wasser bei gleichbleibenden Temperaturen. Und damit eine Delikatesse servieren will, die aus der Region kommt und nicht um die halbe Welt transportiert wird.

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