„Sommernachtstraum“ an der Schumann-Hochschule: Neue Sterne am Sängerhimmel

„Sommernachtstraum“ an der Robert-Schumann-Hochschule : Neue Sterne für den Opernhimmel

In der Robert-Schumann-Hochschule führen Studenten einen fulminanten „Sommernachtstraum“ auf.

In der Premierenpause von Brittens „Ein Sommernachtstraum“ quetscht sich der Mond samt voluminöser Sichel durchs Foyer. Ach, da kommen ja auch noch Helena und Lysander vorbei auf dem Weg zur Getränketheke. An einer freien Wand wippt eine junge Frau zu einem in ihr nachschwingenden Takt, in der einen Hand die Quer-, in der anderen die Piccoloflöte. Bei der jährlichen Opern-Premiere an der Robert-Schumann-Hochschule geht es anders zu als in etablierten Opernhäusern, zumindest im Foyer. Freunde, Kommilitonen, Verwandte der Akteure sind dort in einer Stimmung zwischen Lampenfieber und Stolz beisammen. Neben Opernliebhabern sind etliche Talentscouts vor Ort, die den Aufgang eines neuen Sterns am Sängerhimmel nicht verpassen wollen. Drinnen, im Partika-Saal, allerdings waltet Professionalität. In so ziemlich allen Belangen, die bei einer Opernproduktion gefragt sind. Und das ist dann umso erstaunlicher.

48 junge Leute sind zurzeit in der Abteilung Gesang an der Robert-Schumann-Hochschule auf dem Weg ins professionelle Sängerfach, 25 im Bachelor-, 23 im Master-Studium. Sie wagen sich auf beschwerliches und riskantes Terrain, sind doch die Anforderungen an Solisten an deutschen Repertoire-Theatern sehr hoch, nicht nur, was die Stimme betrifft. Den Stress, sich jederzeit in Topform präsentieren zu müssen, den Konkurrenzdruck, die Körperlichkeit des Instruments Stimme halten nur wenige aus. Und Ruhm, geschweige denn Reichtum steht nur äußerst selten am Ende eines Sängerlebens. Drei Professoren – Ludwig Grabmeier, Juliane Banse und Konrad Jarnot –, acht Dozenten im Fach Gesang und einige Korrepetitoren trainieren an der RSH tagtäglich das Singen mit ihren Eleven. Bühnenerfahrung, das, was der Zuschauer als Ausstrahlung wahrnimmt, lernen die Gesangsstudierenden hauptsächlich bei solchen Produktionen, wie sie die Hochschule seit vielen Jahren mit teils renommierten Regisseuren einmal im Jahr durchführt.

So ist diesmal mit Marcus Lobbes ein hoch gelobter Mann nach Düsseldorf gekommen, der einerseits die Neugierde auf die jungen, unerfahrenen, aber bühnenhungrigen Sänger mitbringt; und andererseits kreativ genug ist, den alles andere als optimalen Partika-Saal in eine Opernbühne zu verwandeln. Ja, Lobbes geht bei seiner Inszenierung der Britten‘schen Shakespeare-Oper so weit, im Grunde den ganzen Saal samt Empore zu bespielen. Das Stück ist bekanntlich sowohl in einem Schloss verortet, wo Handwerker ein Theaterstück aufführen wollen, als auch in einem Zauberwald, in dem Elfenkönig Oberon und seine Frau Titania schalten und walten, vor allem aber mit Hilfe von Puck zwei Liebespaare verwirren.

Miriam Grimm hat eine nackte Shakespeare-Bretterbühne mitten ins Parkett gestellt, auf der vor allem Fantasie und Schauspieltalent gedeihen können. Die handelnden Personen sind im Kostüm kaum oder unmerklich unserer Alltagswelt entrückt. Der Zauberwald findet in den Köpfen statt, ein wenig in Fototapete, die auf Bannern von der Empore herabhängt, und als skurriles Beiwerk, etwa einem Chor der Blumentöpfe. Immer ist im Saal was los. Den Aktionen hinter, zwischen, über und vor den Zuschauern entspricht ein totaler Raumklang, weil in jeder Ecke ein Teil des großen Orchesters platziert ist. Das zu koordinieren, damit hat Thomas Gabrisch, der Leiter der Opernklasse am Pult, sowieso schon viel zu tun. Als nach der Pause auch noch Monitore ausfallen, kommt er gehörig ins Schwitzen.

Doch selbst diese Herausforderung meistern die jungen Sängerinnen sowie das mit etlichen auch solistischen Höchstschwierigkeiten geforderte Orchester mit Bravour. Das Publikum genießt überaus talentierte Stimmen: Bryan Lopez Gonzales strahlt seinen fulminanten Tenor durch die Lysander-Partie, Tomas Kildisius ist ein wunderbarer, überaus spielfreudiger Zettel/Esel, die Titania-Koloraturen liegen bei Anna Rabe in talentierter Kehle, der Ton, mit dem Christina Blaschke in die Oberon-Partie findet, ist der originalen Countertenor-Farbe frappierend ähnlich. Doch einige Sänger aus dem vorzüglich eingespielten Ensemble (Männer-, Frauen-Chöre!) herauszuheben, hieße zu verkennen, dass bei dieser Produktion fast alle Düsseldorfer Gesangs-Studierenden beteiligt sind. Alle Solisten-Partien sind doppelt besetzt, sogar das Orchester spielt in zwei Formationen. Ein Riesen-Aufwand also, an dem neben dem Gast-Puck Jonas Gruber auch die Rheinoper mit Werkstätten und Lichttechnik beteiligt ist.

Dass am Ende ein derart professionelles, mitreißendes Ergebnis steht, spricht für den Ausbildungsstand der Hochschule. Das Publikum jedenfalls jubelt.

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