"Zweiklang" in Düsseldorf: Bei Heidenreich und Calmus geht der Mond auf

„Zweiklang“ im Schumann-Saal : Heidenreich und Calmus: Im Schumann-Saal geht der Mond auf

Im Robert-Schumann-Saal machten sich Elke Heidenreich und das Calmus Ensemble Nachtgedanken.

Es gibt Leute, die können nicht bis zwei zählen, geschweige denn empfinden. Die verlassen dann „Unverschämtheit“ schnaubend schon in der Pause den Robert-Schumann-Saal, weil ihnen zu wenig Elke Heidenreich im Programm ist. Dabei heißt das Sonntagnachmittagsformat, sogar mit Ausrufezeichen, „Zweiklang!“ – auf Musik und Literatur bezogen.

Letztere vertritt Elke Heidenreich, die populäre Kölnerin, diesmal sogar ausgesprochen musikalisch, was ihre sympathische Art zu lesen betrifft. Vom Calmus Ensemble ist man große Kunst gewöhnt, bezogen aufs unbegleitete Singen im Quintett. So war es auch diesmal, da das Motto lautete: Nachtgedanken.

Heidenreich und Calmus touren schon länger gemeinsam durch die Republik, und sie profitieren offenbar beide von der gegenseitigen Popularität. Der Schumann-Saal ist jedenfalls derart ausverkauft, dass draußen in der Kälte, unterm gerade aufgegangenen Vollmond, Leute mit Pappschildern um Karten betteln. Drinnen rezitiert die, sagen wir mal, Literaturpäpstin neben unterhaltsamen, rundum gebildeten eigenen Texten zu den Themen Nacht, Traum und Albtraum wunderbare Gedichte und Überraschendes. Prousts Beginn der „Recherche“ zum Beispiel, dazu Ringelnatz, Maupassant oder Gabriele Wohmanns „Mondfahrt“. 

Calmus entzückt auf ganzer Linie. Schon fast unnatürlich perfekt frönt das Ensemble dem idealen Zusammenklang, der einheitlichen Vokalbildung, lupenreinen Intonation und Gewichtung der Einzelstimme im Gesamtklang. Zum Niederknien. Die meisten Sätze sind Calmus auf den aus Sopran, Countertenor, Tenor, Bariton und Bass zusammengesetzten Leib arrangiert. Sie betonen die Lust an reibenden Vorhalten, jazziger Akkordfärbung, swingenden Rhythmen.

Neben Brahms und Poulenc gibt es viel unterhaltende, geradezu witzige Musik. Kreisler-Songs, ein bisschen Cohen, als ein Schwerpunkt Morgensterns Galgenlieder in der überbordend einfallsreichen Fassung von Harald Banter. „Der Mond ist aufgegangen“, wunderbar arrangiert, als Zugabe. Da leuchtet der echte Vollmond schon vom Himmel hoch.

Info Nächste Termine im „Zweiklang!“: 3. Februar mit Friedrich von Thun und Maria Reiter (Akkordeon); 17. März mit Konrad Beikircher und Lars Vogt (Klavier). Beginn ist jeweils um 17 Uhr im Robert-Schumann-Saal am Ehrenhof.

Mehr von RP ONLINE