Neue Platte "Rochus": Joseph Boys mit erstem Album

Neue Platte: „Rochus“ : Joseph Boys mit erstem Album

Düsseldorfs Band mit dem schönsten Namen bringt eine neue Platte heraus. Sie heißt „Rochus“.

Andreas Artelt trifft man vorm Café Rekord in Flingern, in den Händen hält er eine Platte seiner Band, obwohl das nicht nötig gewesen wäre – man hat das Album doch schon digital gehört. Artelt selbst hatte einem die MP3s zugeschickt, nun aber war er der Meinung, dass das so nicht geht, es doch nicht genügt, darüber zu sprechen, aber die Schallplatte nicht in den Händen zu halten.

Deshalb liegt das Ding nun auf dem Tisch. „Rochus“ heißt das Album, und auf die Papphülle haben sie ein Bild von Sankt Rochus in Pempelfort drucken lassen – das ist die Kirche mit der Kuppel in Ei-Form, die Paul Schneider-Esleben entworfen hat. „Rochus“ ist das erste Album der Joseph Boys, zuvor hatte die Band zwei EPs veröffentlicht: „Fett“ und „S_E“ – beides Joseph-Beuys-Zitate. Die Frage ist darum, was denn bitteschön Sankt Rochus mit dem Künstler Beuys zu tun hat, außer dass Ewald Mataré an der Gestaltung der Kirche beteiligt gewesen ist, und der war Lehrer von Beuys an der Akademie. Aber das ist schon sehr um die Ecke gedacht, findet Artelt auch. Er zeigt auf einen Baum, der auf der unteren Bildhälfte des Plattencovers zu sehen ist. Den Baum hätten sie vor der Kirche aufgestellt. Ein bisschen Erde drumherum, einen Spaten, ein paar Pflastersteine – eine Anspielung auf die 7000 Eichen in Kassel, die Joseph Beuys dort zur Documenta 1982 pflanzen ließ. Joseph Boys, das ist immer noch der beste Name für eine Punkband aus Düsseldorf, aber sich so zu nennen, ist eben auch eine Verpflichtung. Die Band gibt sich seit ihrer Gründung vor vier Jahren große Mühe, dem gerecht zu werden.

Aus der Plattenhülle fällt darum dann auch noch ein Kärtchen aus Pappe: „From Kassel to Düsseldorf“, steht darauf. Es ist nichts weiter als der Code, mit dem man sich die Songs der Schallplatte auch aus dem Internet herunterladen kann, nur aufwendig aufgemacht – sieht aus wie ein Gepäckanhänger. Haben sie selbst zurechtgeschnitten, sagt Artelt. Die Joseph Boys machen fast alles selbst: Aufnahmen, Videoclips. „Rochus“ gibt es übrigens nur auf Vinyl. CD-Booklets – „kannst du gar nichts drauf erkennen, ist ja Mäusekino“, findet Artelt. Schallplatten hingegen geben Möglichkeiten zu gestalten.

„Freizeitstätte Garath“ heißt das erste von elf Liedern auf „Rochus“, und man kann dieses Album auch als Düsseldorf-Kartografie verstehen. „Ganz anders als wo ungeniert der Prunk regiert / werden hier die Tuningteile noch von Hand lackiert“, singt Artelt. Der ist übrigens in Garath aufgewachsen und findet, dass dort nicht alles toll ist, aber so schlecht wie ihr Ruf sei die Gegend auch nicht. Immerhin könne man Garath besingen. „Zu Bilk würde mir nicht so viel einfallen“, sagt er. Lokale Bezüge herzustellen, ist Konzept bei den Joseph Boys. „Am besten kannst du von deiner Umwelt erzählen“, sagt Artelt. Es gibt denn auch einen Song über die Kö, darin reimt er „Fernsehsternchen“ auf „Oligarche Liebespärchen“, und dazu zimmert das Schlagzeug ein Bumm-Tschak im Vier-Viertel-Takt zur zerrenden Gitarre. Drei Minuten und ein bisschen. Überhaupt ist das ein kurzweiliges, schnelles Punk-Album geworden.

Die Kö war zuvor schon einmal Schauplatz einer Performance der Joseph Boys. Artelt hatte mal das Foto eines Fluxus-Künstlers gesehen, der mit weißem Hemd, Hut und Schirm im Wasser stand. So etwas wollten sie auch. Also putzten sich die Joseph Boys an einem Wintertag heraus, und just als sie in den Kö-Graben steigen wollten, kamen fahrradfahrende Polizisten vorbei. Was denn hier los sei, wollten die wissen, erzählt Artelt. Er dachte, dass nun alles ins Wasser zu fallen drohe. Sie hätten ihren Aufzug dann als Kunstaktion deklariert, erzählt er, und die Polizisten hätten es an die Zentrale durchgegeben. Alles gut. Bloß Josephs Boys.

Info Am Freitag spielen Joseph Boys ab 21 Uhr im Sonic Ballroom in Köln, Oskar-Jäger-Straße 190; am Samstag spielen sie im Düsseldorfer AK47, Kiefernstraße 23. Beginn ist um 20 Uhr.

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