Nacht der Sinne im Grefrather Freilichtmuseum

Grefrath : Sommernachtstraum in der Dorenburg

Unter dem Titel „Zeitreise“ startete die zweite „Nacht der Sinne“ im Niederrheinischen Freilichtmuseum in Grefrath. Mehr als 120 Musiker und Darsteller begeisterten in einer Nacht voller Kultur und Genuss die rund 2000 Besucher.

Zarte Harfenklänge erklingen aus der Scheune der Hofanlage Rasseln. Eingerahmt von alten landwirtschaftlichen Maschinen stehen die keltische Harfe und die drei Fischer-Harfen im sanften Licht der Strahler. Mit absoluter Präzision spielen die vier jungen Harfinistinnen im Alter von 13 bis 15 Jahren das Stück „Sally Gardens“. Mit ihrer keltischen Musik verzaubern Ela, Celia, Peré und Inca die Besucher, die nicht nur dicht an dicht auf den aufgestellten Holzstühlen sitzen, sondern es sich auch im Gras bequem gemacht haben oder unter dem ausladenden alten Baum der Hofanlage stehen und hingebungsvoll der Musik für die Seele lauschen. Applaus brandet auf. Sekunden danach ist es wieder mucksmäuschenstill. Die E.P.I.C. Harps haben „The Origin oft he Harp“ angestimmt.

Ein Stückchen weiter bestimmt herzliches Lachen die Szenerie. Im Innenhof der Dorenburg stehen die Besucher bis auf der Zugangsbrücke. Im Scheinwerferlicht der großen Bühne sitzt Stefan Verhasselt und erzählt von Liebesbriefen, die er einst geschrieben und verwahrt hat. „Ich frage mich, ob die Leute heute die vollen SIM-Karten aus ihren Handys nehmen und mit roter Schleife versehen oder sie ihre Liebesbriefe in einer Cloud ablegen“, sinniert der Kabarettist. Er fragt sich aber auch, wer die Internetseiten nach dem Tod pflegt. Ob es dafür so etwas wie Grabpflege gibt und wie es eigentlich mit dem so groß geschriebenen Datenschutz auf dem Friedhof zugeht.

Kräftige Töne bestimmen das Bild auf der Hofanlage Waldniel. Die Bläser  der „Blechschmiede“, unterstützt von einem Schlagzeug, begeistern mit Filmmusik. Wobei mancher Besucher sich ein ganz besonderes Musikerlebnis gönnt. Im direkt benachbarten Kräutergarten mit Blick auf die Beete, in denen Fackeln alles in ein geheimnisvolles Licht tauchen, und die Kräuterhexe Jenny Hengsten mit Räucherwerk neben den Duftpflanzen wie Lavendel für betörende Düfte sorgt, sitzt es sich in einem unvergleichlichen Ambiente.

In der alten Gerberei ist das Amt für Aetherangelegenheiten mit den Steam Punks eingezogen. Foto: Norbert Prümen

Die zweite „Nacht der Sinne“ im Niederrheinischen Freilichtmuseum in Grefrath ist in vollem Gange, wobei sie diesmal unter dem Titel „Zeitreise“ steht. „Zusammen mit Dozenten, Ensembles, Landes- und Bundespreisträgern der Kreismusikschule begeben wir uns auf eine Zeitreise durch die Musik vom 15 bis ins 21. Jahrhundert. Wir bewegen uns heute Abend frei zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Stielen und Genres“, begrüßt Landrat Andreas Coenen im Hof der Dorenburg.

Wobei die Zukunft eine ganz besondere Form hat. In der alten Gerberei ist das Amt für Aetherangelegenheiten eingezogen. „Wir kümmern uns um Zeitreisen und erteilen mittels der Zeitreiseausweise die Genehmigungen dafür“, erklärt Wachtmeister Steamblower der aufmerksam zuhörenden Anja Liedtke, die an diesem Abend ebenfalls im Amt ist. Sie gehört nämlich zum Sanitäter Team vom ASB Niederrhein. Was es mit den Zwergschlammelfen in dem Deeskalationskäfig und der Schokolade beim Amt auf sich und wie eine Zeitreise sicher abläuft, die Steam Punks kennen sich bestens aus. Dabei sind die zwölf Frauen und Männer in den fantasiereichsten Kostümen, die auf dem gesamten Gelände unterwegs sind, ein absoluter Hingucker.

Das gilt auch für den DeLorean samt Flux-Kompensator, den Michael Hoffacker mitgebracht hat. Die bekannte Zeitmaschine lässt etliche Besucher das Handy für Erinnerungsfotos zücken. Sind Zeitreisen möglich, Professor Achim Eickmeier von der Hochschule Niederrhein kennt die Antwort, über die er im Tante-Emma-Laden spricht. Was war 1927 Science-Fiktion? In der Schmiede zeigt es der Stummfilm „Metropolis“. Ganz real sind hingegen die verschiedenen Foodtrucks und Getränkestände, die kulinarisch verwöhnen.

Es ist eine mehr als nur einzigartige Mischung aus Musik, Schauspiel und Genuss, die zum nunmehr zweiten Mal im Freilichtmuseum präsentiert wird. Eine einmalige stimmungsvolle Atmosphäre liegt über dem ganzen Gelände, dessen glanzvoller Mittelpunkt die illuminierte Dorenburg ist. Dann das abendliche Highlight: Vor der Kulisse der Burg startet das zweistündige Unplugged-Konzert mit der Niederrheinischen All Star Band der Kreismusikschule unter der Leitung von Achim Buschmann und Timo Brauwers. Ob „No Roots“ oder „Kiss“, die Besucher tanzen und klatschen mit. Die Zugabe „New York“ zaubert ein Lichtermeer hervor. Auf der Wiese stehen die Besucher auf und heben ihre Handys mit eingeschalteten Taschenlampen hoch. Ein Hoch auf die „Nacht der Sinne“.