Aktuelle Schau bei Gil Bronner in Flingern

Ausstellung : Gil Bronner zeigt Kunst von Andreas Schmitten

Das private Museum des Sammlers Gil Bronner in Flingern kann man künftig auch ohne Führung erkunden.

Das Haus steht da wie ein Monolith der schönen Künste inmitten der quirligen Straßenszene Flingerns. Urban betrachtet ein größtmöglicher Kontrast. Wer eintritt, sieht, dass es schöner kaum sein könnte, nicht übersichtlicher, geordneter, einladender, verführerischer. Bald 1600 Kunstwerke haben hier, beim Sammler und Mäzen Gil Bronner, ein Zuhause. Er hat die ehemalige Fabrik Glas Lennarz entdeckt, saniert, umgewidmet und in ein unvergleichliches Ausstellungshaus umgebaut.

Bronner hat ohne öffentliche Gelder seinen Traum verwirklicht – aus Liebe zur Kunst und aus Liebe zu Düsseldorf. Bis heute betreibt er Philara alleine aus privaten Mitteln, nun bald schon drei Jahre lang. Allerdings wurden die Modalitäten angepasst, so dass ab sofort der Führungszwang beim Besuch des Hauses entfällt. Freitags gibt es fortan freien Eintritt – wer will, kann außer Beifall Geld für den Unterhalt spenden.

Noch mehr Bewegung kommt in die ehemalige Glasfabrik durch Kooperationen mit dem Schauspielhaus und durch das Café mit Außenterrasse.

Der Kunsttempel von Flingern ist international bekannter als lokal. Besuchergruppen aus Asien und Amerika finden sich ein, aus den Beneluxstaaten, den Nachbarländern und – besonders beim Galerienwochenende – aus deutschen Metropolen. Was wünschenswert wäre, so Kuratorin Klang, dass auch alle Düsseldorfer Kunstliebhaber Philara regelmäßig besuchten. In der Heimat hapert es noch mit dem Bekanntheitsgrad, so ihre Vermutung. Auch ein pädagogisches Programm will man künftig entwickeln, um junge Menschen für Kunst zu begeistern.

Von den etwa 1600 Sammlungsstücken sind etwa 80 jeweils ausgestellt, ein Mal jährlich wird Neues arrangiert, vier bis fünf Mal im Jahr ein Künstler als Gast eingeladen. In dieser Wahl äußert sich das Profil der jung strahlenden Sammlung, die ein Spannungsfeld zwischen großen Namen (Feldmann, Rauch, Fritsch, Gursky und andere) und Neuentdeckungen umfasst. Vieles hat Bronner im lebendigen Flingerner Galerienviertel erworben, anderes auf internationalen Messen und in Ateliers.

Aktuell ist seine Entdeckung ein noch relativ junger Künstler mit bereits beachtlichen Erfolgen: Andreas Schmitten, Jahrgang 1980, Meisterschüler bei Georg Herold an der Kunstakademie, stellt verschlossen-rätselhafte Objekte vor und virtuos-böse Lebenszeichnungen. Im angrenzenden Café, auf der Skulpturenterrasse und in der Sammlung stößt man auf weitere Dokumente seines kühnen Werkes.

Die Titel erzählen kleine Geschichten, oder sie liefern Gebrauchsanweisungen. „Liegend auf dem Schrank“ oder „Sitzend im Becken“ heißen die hermetischen grau-leblosen Skulpturen, die an menschengemachte Möbel erinnern und doch nur banale Objekte sind. „Nach innen gerichteter Blick“ heißt die große Bettenanreihung in zwei Vitrinen, auf manchen Betten sind Decken arrangiert, immer wieder anders drappiert. Noch viel mehr Einzelstücke, nämlich Sessel, finden sich in der Arbeit „Spectator’s Choice“ aufgereiht (im Café), jetzt sind es fünf Vitrinen – und den rund 600 Sitzmöbeln wurden Empfindungen angedichtet, die man dem Zettel an der Wand entnehmen mag.

Viel stärker bedrängen Schmittens Zeichnungen den Betrachter, Pigmentstift auf Papier, bläulich oder sepia, Mensch und Werkzeug, größtmögliche, aber unwahrscheinliche Verletzung. Fabel, Versuch, Versehrtheit, Spiel. Da ist ein Meister am Werk.

Die Ausstellung in der Sammlung Philara ist bis zum 16. Juni zu sehen an der Birkenstraße 47a in Flingern
www.philara.de

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