Ausnahmeregelung: Im Karneval darf geraucht werden

Ausnahmeregelung : Im Karneval darf geraucht werden

Prinzenkürung, Fernsehsitzung, Prinzenball – es darf geraucht werden. Die Veranstalter nutzen eine Ausnahmeregelung fürs Brauchtum im NRW-Nichtraucherschutzgesetz. Beschwerden gibt es selten, sagen sie: "Düsseldorfer Jecke pflegen die Toleranz."

Prinzenkürung, Fernsehsitzung, Prinzenball — es darf geraucht werden. Die Veranstalter nutzen eine Ausnahmeregelung fürs Brauchtum im NRW-Nichtraucherschutzgesetz. Beschwerden gibt es selten, sagen sie: "Düsseldorfer Jecke pflegen die Toleranz."

Inzwischen hat es sich auch in Düsseldorf durchgesetzt, das Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden, in Kneipen ab einer gewissen Größe und ohne eigenen Raucherraum. Seitdem wird im Rathaus nicht mal mehr im Gesundheitsausschuss gequalmt — der diskutierte noch vor zehn Jahren durch dicken blauen Dunst hindurch.

Bloß von Karnevals-Terminen kann der Düsseldorfer nicht ohne miefiges Jackett nach Hause gehen. Nicht immer sind es Lachtränen, die sich gegen Ende eines abendfüllenden närrischen Programms aus den Augenwinkeln lösen. Jürgen Rieck, Geschäftsführer des Comitee Düsseldorfer Carneval und seit 30 Jahren Nichtraucher, hat trotzdem noch nie Klagen gehört. Deshalb sei für das CC auch bei Einführung des Rauchverbots schnell klar gewesen: "Bei unseren Veranstaltungen darf geraucht werden." Wen's störe, der brauche zu TV-Sitzung oder Prinzenkürung nicht zu gehen. "Das wären von tausend vielleicht zwei."

Zuschauerschwund durch Zigarettendunst hat auch CC-Präsident Josef Hinkel noch nicht bemerkt. "Wir feiern schon so lange unseren Karneval — es hat doch noch nie Ärger deswegen gegeben." Und auch gegen die Oper als Ort der Prinzenkürung — von Hinkels Vorgänger Oxenfort noch im Frühjahr befürwortet — habe man sich keineswegs entschieden, weil das Opernhaus rauchfrei ist. "Klar ist die Oper auch mal für karnevalistische Veranstaltungen geeignet. Aber doch nicht für eine Prinzenkürung, die auch davon lebt, dass man zusammen sitzt und schunkelt", sagt Hinkel, den die Qualmerei nicht wirklich stört. "Nur wenn Kinder auf der Bühne sind, bei Pänz in de Bütt oder den Kindertanzgarden, bitte ich darum, es zu unterlassen."

Als Prinz hat Hinkel jede Sitzung dieser Stadt bereits besucht und nie am Rauch gelitten. Das behauptet auch Ex-Prinz Lothar Hörning. "Wo die Lüftung funktioniert, ist das kein Problem." Zumal es "doch auch irgendwie zur Gemütlichkeit gehört." Man gehe schließlich nicht zum Essen zur Prinzenkürung oder Fernsehsitzung. "Wo ein Drei-Gänge-Menü zum Programm gehört — da ist ein Rauchverbot okay."

Bei Ex-Prinz Lothars Gesellschaft, der KG Regenbogen, gab's in der Nachtsitzung am Wochenende bloß Suppe und Brezeln im Foyer. "Und da war Rauchverbot", sagt Präsident Andreas Mauska. Im Club Capitol selbst war Rauchen erlaubt. Beim fünfstündigen Programm, in dem sich Rein- und Rausgehen verbietet, ein Gnadenakt für Raucher. "Bei uns sind — außer der Weihnachtsfeier — alle Feste für Raucher geeignet", sagt Mauska. "Das ist Toleranz." Klagen hörten anfangs nur die Vereine, die Turnhalle und Aula ihrer Stadtteilschule für Sitzungen und Bälle nutzen. Und da ist absolutes Rauchverbot. Die Hötter Jonges, die Gerresheimer Bürgerwehr und die vielen kleinen Gesellschaften wollten das anfangs nicht alle akzeptieren. Inzwischen hat sich's eingespielt. Und bei diesen Veranstaltungen, weiß Josef Hinkel, ist die Stimmung heute oft doppelt gut: "Im Saal und draußen bei den Rauchern."

(RP/jco)
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