Prinzenpaar im Interview: "Wir wollen Groove, keinen Walzer"

Prinzenpaar im Interview : "Wir wollen Groove, keinen Walzer"

Prinz Thomas II und Venetia Anke sind Düsseldorfs neues Prinzenpaar. Im RP-Gespräch erzählen die beiden, wie ihr erstes Wochenende im Amt gelaufen ist, was sie von Traditionen und Modernisierungen im Karneval halten und was sie sich für die Session vorgenommen haben.

Seit Freitag sind Sie das neue Prinzenpaar der Landeshauptstadt: Wie war die Kürung, wie fühlt sich das an?

Prinz Thomas II Wenn du zum ersten Mal in den Saal kommst, zum ersten Mal in dem Ornat hereinschwebst, das ist einfach überwältigend. Es war die tollste Situation, die ich in meinem Leben erlebt habe. Einfach irre.

Venetia Anke Es war ein absoluter Rausch, in diesen Saal einzuziehen. Ein Eindruck, der wirklich lebenslang erhalten bleibt. Ich war so ergriffen von allem, jetzt muss ich erstmals alles verdauen.

Das Motto der Session lautet: Hütt dommer dröwer lache. Worüber lachen Sie?

Prinz Thomas II Eigentlich lache ich über alles. Ich bin ein lebensbejahender Mensch, getreu dem Motto: Wenn ich im Stau stehe, kann ich nicht geblitzt werden. Ich lache auch häufiger über mich selbst und mache Witze über meine Figur.

Venetia Anke Über mich selbst natürlich, aber auch über Thomas kann ich ganz wunderbar lachen.

Sie werden in der heißen Phase des Karnevals um die 300 Termine haben. Wer macht dann Ihren Job?

Prinz Thomas II Ich habe das frühzeitig schon in der vergangenen Session mal mit den Mitarbeitern durchexerziert. Im Januar und Februar werden wir zwei zusätzliche Bäckermeister benötigen. Und natürlich habe ich, neben meiner Frau, auch meine Schwester gefragt, ob sie meinen Job in der Zeit mit übernehmen kann.

Venetia Anke: Ich arbeite zum einen für die Firma Mai Bau in Düsseldorf. Die ist dem Brauchtum sehr verbunden und hat mir vorher gesagt: "Wir unterstützen Dich voll." Bis März haben sie mich von meinen Arbeiten losgesprochen. Meine eigenen Baustellen organisiert in der Zeit mein Mann Dino.

Jeder neue Regent nimmt sich für seine Amtszeit ja etwas vor: Was ist das bei Ihnen?

Prinz Thomas II Wir wollen ein Prinzenpaar zum Anfassen sein und die Menschen auch weiterhin für den Karneval begeistern. Vielleicht kriegen wir es ja auch hin, noch ein bisschen mehr Fröhlichkeit in die Säle zu tragen.

Venetia Anke Wir wollen zum einen Karnevalsneulinge begeistern, zum anderen die Düsseldorfer Karnevalisten anfeuern. Alle sollen einen Riesenspaß haben – und wir natürlich auch. Thomas hat die große Gabe, wenn er in einen Saal kommt, die Menschen mitzuziehen. Das ist großartig.

Wo wir schon bei den Komplimenten sind: Was schätzen Sie an sich beiden gegenseitig?

Prinz Thomas II Ich wollte unbedingt eine Venetia, die gut reden kann und kommunikativ ist. Und da ich ein Hypermotoriker bin, war es auch wichtig, eine Venetia an der Seite zu haben, die das ein bisschen ausgleicht. Und schön sollte sie natürlich auch sein. All das trifft auf Anke zu. Für mich war aber das Wichtigste, dass es eine Frau sein sollte, die ich kenne.

Venetia Anke Da war mein Mann Dino ganz schön schlau. Er hat, bevor ich wusste, dass ich Venetia werden würde, bei mir angetestet, ob ich Dich auch leiden kann.

Sympathie war also Grundvoraussetzung?

Beide: Natürlich.

Venetia Anke Bei Thomas kommt noch etwas hinzu: Er hat eine wunderbare Art zu sprechen, ein richtiger Märchenonkel. Und, was ich sehr schätze: Er ist ein absoluter Teamworker.

Sie haben sich ja auch schon lange gemeinsam vorbereitet.

Prinz Thomas II Ich wusste schon recht früh in der vergangenen Session, dass ich mich als Prinz bewerben wollte. Und bei einem Sponsoren- essen für die Tonnengarde habe ich dann mit Ankes Mann Dino überlegt, dass Anke ja die Venetia werden könnte. Die totale Kuppelei! Und dann haben wir uns getroffen und eine, das kann ich bei aller Bescheidenheit sagen, formvollendete Bewerbung ans CC aufgesetzt. In Reimform. Die müsste man eigentlich noch mal abdrucken.

Venetia Anke Wir haben zur Vorbereitung dann ein Rhetorikseminar vom CC bekommen und zusätzlich unsere Bühnenpräsenz mit einer Opernsängerin trainiert. Ich habe das sehr genossen, vor allem, weil wir gemeinsam üben konnten und den anderen dabei noch besser kennengelernt habe. Du weißt jetzt, was der andere in bestimmten Situationen macht.

Im Vorfeld der Session ging es bei den Karnevalisten turbulent zu. Jetzt ist der Generationswechsel eingeleitet. Wird sich der Düsseldorfer Karneval nun verändern?

Prinz Thomas II Ich finde, es wurde Zeit für den Generationswechsel. Dass Josef Hinkel sich als CC-Präsident zur Verfügung stellt, finde ich großartig. Das ist immerhin ein Fulltime-Job. Aber er sprüht vor Ideen und ist für alles offen.

Venetia Anke Auch der Karneval hat sich natürlich im Laufe der Jahrzehnte verändert. Es ist wichtig, dass man auch junge Leute aktiviert, die den Zeitgeschmack treffen.

Prinz Thomas II Das soll aber nicht heißen, dass wir alle Traditionen über Bord schmeißen.

Was muss denn anders werden?

Prinz Thomas II Meine Tochter hatte darauf eine ziemlich kurze, prägnante Antwort: Papa, du brauchst 'ne mobile App. Wir fangen jetzt mal mit Facebook an. Da wollen wir alles reinstellen, was uns so in der Session bewegt.

Venetia Anke Wir haben einen Adjutanten, der extra mit einer Helmkamera ausgestattet wird und dann Stimmungsbilder machen soll – nicht von uns, sondern vom Publikum. Die können wir dann ins Internet stellen.

Prinz Thomas II Ich habe noch eine eigene Truppe aus Freunden und Familie, die uns begleiten, die Prinztessen. Und wir haben, nicht zu vergessen, ein teuflisch fetziges Prinzenlied. Das ist uns auf den Leib geschrieben. Wir wollten nämlich Groove, keinen Walzer.

Venetia Anke Und es war ein toller Erfolgt gleich an unserem ersten Wochenende. Bei der Kürung ist unser Lied nicht nur gut angekommen, es ist eingeschlagen. Das Publikum ist sofort aufgesprungen und mitgegangen. Und dass, wo doch die wenigsten Leute das Lied am Freitag kannten. Wir haben da wohl echt den Nerv getroffen.

Dann ist Düsseldorfer Musik wohl jetzt auf dem Vormarsch. Bisher gab es ja immer den leidigen Vergleich mit Köln.

Venetia Anke Ja, zugegeben, wir haben diese Musik-Tradition nicht. Aber ich glaube, es hat sich in den vergangenen Jahren schon einiges getan. Wir haben viele neue Bands.

Prinz Thomas II Für mich ist Karneval in Düsseldorf viel charmanter. Wir machen nicht so viel Brimborium mit den Garden wie die Kölner. Und ich persönlich finde es natürlich auch viel schöner, mit einer attraktiven Frau durch die Säle zu ziehen als mit einem gefakten Kerl, wie der Jungfrau beim Dreigestirn.

Venetia Anke Es ist manchmal ein bisschen schade, dass die Bevölkerung den Karneval nicht so mitträgt wie in Köln. Aber wenn wir zum Beispiel die Rosenmontagszüge vergleichen, dann liegen wir glasklar vorne.

Und wenn dann am Aschermittwoch alles vorbei ist, werden Sie erst mal in ein großes Loch fallen?

Venetia Anke Glücklicherweise haben wir ja noch zwei schöne Termine nach Aschermittwoch: Wir fliegen mit den Düsseldorfer Karnevalisten nach Teneriffa und Anfang März sogar auf die Seychellen zum dortigen Karneval. Da kann man langsam runterkommen.

Prinz Thomas II Schnorcheln im Ornat, das wird Klasse. Nein, ganz im Ernst: Ich glaube, dass ich mich nach all dem Trubel sicher auch wieder richtig auf die Backstube freue. Das ist dann wie eine neue Herausforderung.

Und harte Arbeit, weil ja das, was Sie der Karneval gekostet hat, auch wieder erwirtschaftet werden will?

Prinz Thomas II Der Karneval hat eine Menge Sponsoren. Natürlich wird uns die Session auch privat Geld kosten. Aber ich bin zum Beispiel noch nie auf einem Wagen mitgefahren. Und jetzt darf ich das sogar als Prinz. Das ist doch einmalig.

Venetia Anke (lacht) Wenn es nach Karneval knapp werden sollte, dann muss ich beim Thomas in der Bäckerei eben das Brot vom Vortag kaufen. Da bin ich ganz pragmatisch.

Jutta Laege führte das Gespräch

(RP/jco)
Mehr von RP ONLINE