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Dormagen: Unternehmen drängen nach Dormagen

Dormagen : Unternehmen drängen nach Dormagen

Die Stadt muss das Gewerbesteuer-Aufkommen erhöhen und braucht mehr Fläche. Bürgermeister Hoffmann: "Firmen stehen Schlange"

Die Haushaltssituation der Stadt ist so prekär wie noch nie. Jährlich fährt sie ein Defizit von acht bis zehn Millionen Euro ein. Zur bestehenden Haushaltssperre kommt zur Jahreswende ein Haushaltssicherungskonzept. Dennoch versprühen Bürgermeister Peter-Olaf Hoffmann und Kämmerer Kai Uffelmann Optimismus. Der trägt einen Namen: Gewerbesteuer. Deren Aufkommen soll von derzeit 22 Millionen Euro auf mindestens 32 Millionen Euro gesteigert werden. Ein Ziel, das die Rathaus-Spitzen als realistisch ansehen, denn: "Unternehmen, die in Dormagen ansiedeln wollen, stehen bei uns Schlange", sagt Hoffmann.

Die Sparmaßnahmen im Rathaus selbst und bei den Bürgern werden nicht ausreichen, um den Haushaltsausgleich zu schaffen. Die entscheidende Stellgröße ist die Gewerbesteuer. Hoffmann sagt: "Wir müssen so stark werden, dass uns die Gewerbesteuer trägt. Dabei reden wir nicht über eine Erhöhung des Hebesatzes, sondern über neue Kunden." Dormagen, sagt Uffelmann, liege in einer "Boomregion", verfüge mit Bahn, Wasser und Straße über eine "hervorragende Anbindung". Dabei will die Stadt auf einen breiten Branchenmix und nicht nur auf Chemie setzen. Hoffmann: "Wenn Bayer früher gehustet hat, bekam die Stadt Schnupfen."

Es fehlen aber Flächen. Wöchentlich müssen Unternehmen abgewiesen werden, "weil wir nicht die Flächen anbieten können, die nachgefragt werden", sagt Hoffmann. Nach Berechnungen der Stadt wären rund 100 Hektar Gewerbeflächen wünschenswert. "50 Hektar könnte über das Gelände am Silbersee abgedeckt werden." Gemeinsam mit Grundstückseigentürmer RWE will die Stadt das Gebiet entwickeln, das politisch am einfachsten durchzusetzen sei, weil es sich um eine bestehende Industriebrache handelt.

Weiteres Flächenpotenzial liege neben dem Silbersee-Gelände, ferner westlich der A 57, Höhe der Dormagen-Abfahrt. Doch bestehe, so Hoffmann, noch ein Dissens mit der Bezirksregierung. "Dabei wird dort kein Wohngebiet tangiert und der Autobahnanschluss ist perfekt." Keine realistische Option ist der Kohnacker, ein Standort "drittklassiger Qualität gegenüber den anderen". Der politisch umstrittene Kohnacker ist die Verhandlungsmasse der Stadt gegenüber der Bezirksregierung. "So lange wir das eine nicht haben, verzichten wir auf keinen Quadratmeter", sagt Hoffmann.

In der interkommunalen Zusammenarbeit mit Neuss sieht die Stadt eine gute Perspektive. Beispiel Silbersee: Dort gibt es parallel zur B 9 eine Fläche, die "wie ein Pfahl ins Fleisch der Stadt Dormagen ragt", so Hoffmann. Sie könnte mit dem umliegenden Gebiet verbunden und — gemeinsam mit RWE — entwickelt werden. Wobei Dormagen für die Infrastruktur zuständig wäre. "Eine Planung, die die Bezirksregierung mitträgt."

(NGZ/rl)