Dormagen : Der Geldsammler des DHC

12 807,59 Euro zeigte der Ticker auf der Homepage des DHC Rheinland gestern um 14 Uhr an – die Summe, die bis zu diesem Zeitpunkt auf dem Spendenkonto eingegangen war. Eröffnet hatte es vor gut zehn Tagen Handball-Fan Michael Beckmann.

Das Handy steht nicht still. "Wenn ich arbeite, muss ich es ausstellen", sagt Michael Beckmann, der mit seinem Entschluss, ein Spendenkonto für den DHC einzurichten, nicht ahnte, was er für eine Lawine lostreten und dass er dadurch plötzlich zu einer öffentlichen Person werden würde. Dabei wird der 42-Jährige nicht müde zu betonen, dass er kein Alleingänger sei, sondern viele an dem Projekt "Rettung DHC" beteiligt seien. "Im Alleingang wäre das gar nicht möglich", sagt der Stürzelberger. Auch ohne die Familie nicht.

Denn bevor der kaufmännische Angestellte zur Sparkasse ging, wurde erst der Familienrat einberufen. Ehefrau Bettina sowie die Kinder Jan Michel (14), Ole Jasper (12) und Anika Lina (10) mussten den Plänen zustimmen, was sie aber sofort taten. "Die Kinder finden das cool", so der Vater, der hofft, dass sich nun bald eine oder mehrere Unternehmen melden werden , um die fehlenden 200 000 Euro in den Dormagener Handball zu investieren. "Natürlich können wir mit unserem Spendenkonto den DHC nicht retten, aber wir wollen zeigen, dass der Handball für unsere Stadt wichtig ist", erklärt Beckmann.

Der gebürtige Düsseldorfer, der seit 15 Jahren in Stürzelberg lebt, ist erst über seinen alten Arbeitgeber, der den TSV Bayer Dormagen unterstützte, zum Handball gekommen. Schnell konnte er für das Spiel die gesamte Familie begeistern. "Heute ist meine Frau jecker als ich", sagt er lachend und ist sich ziemlich sicher, dass Ehefrau Bettina die Geburtsdaten aller Handball-Bundesliga-Spieler weiß. "Sie ist stets über alle aktuellen Entwicklungen informiert, weil sie sich sich auch in den Handball-Foren tummelt", sagt Beckmann.

Ein Spendenkonto hat Michael Beckmann noch nie eröffnet. Daher hat er sich zuvor auch bei Insolvenzverwalter Dirk Andres erkundigt. "Schließlich wollte ich vorher wissen, ob ich nicht plötzlich mein Haus verliere", berichtet Beckmann, der eins ganz gewiss nicht will: Das auf das Konto eingezahlte Geld wieder an die Spender zurück überweisen. "Am liebsten würde ich bald mit einem großen Scheck aus Pappe da stehen und den dem DHC übergeben", meint er. Über die Höhe der bis jetzt eingegangenen Summe ist er angenehm überrascht. "Einige hatte vorhergesagt, dass wir nur einige hundert Euro bekämen. Daran sieht man doch, wie wichtig für die Menschen in Dormagen der Handball ist", sagt der Familienvater, der natürlich mit seinen Lieben auch zur Rettungsparty am kommenden Samstag gehen wird. Die zehn Euro Eintritt pro Person werden übrigens auch netto auf das Spendenkonto eingezahlt. "Jeder Euro zählt", weiß Michael Beckmann.

(NGZ)