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Dormagen: Dormagener melden gut 900 Mängel

Dormagen : Dormagener melden gut 900 Mängel

Der vor genau zwei Jahren eingeführte Mängelmelder der Stadt, über den Bürger via Internet auf Missstände hinweisen können, ist ein großer Erfolg. Annähernd 1000 Beschwerden gingen bisher bereits zur Bearbeitung ein.

Oft sind es die kleinen Dinge, die den Menschen das Leben in ihrer Stadt vermiesen: der Dreck am Straßenrand, das zugewachsene Verkehrsschild, das Schlagloch, das die Stoßdämpfer des Autos strapaziert. Im vergangenen Jahr haben zwei Studenten aus Viersen und Schwalmtal von Berlin aus eine kleine Online-Firma gegründet, die sich um solche Probleme kümmert. Über die Internetseite www.wutpunkte.de können Bürger ihre Beschwerden loswerden. In Dormagen findet sich auf der entsprechenden Landkarte, in der die Punkte eingezeichnet sind, gerade mal ein Eintrag. Er betrifft Blitzaktionen der Polizei auf der Salm-Reifferscheid-Allee in Hackenbroich. Zum Vergleich: Die Kreis-Nachbarn aus Grevenbroich haben für ihre Stadt aktuell rund 50 Wutpunkte markiert.

Zwei typische "Aufreger": Wilder Müll und defekte Straßenlaternen. Solche Mängel können schnell gemeldet und beseitigt werden. Foto: ON/STADT

Möglicherweise bietet der in Dormagen im August 2011 eingeführte Mängelmelder übers Internet einen Erklärungsansatz. Denn von dem machen die Einwohner rege Gebrauch. Bislang seien mehr als 900 Missstände gemeldet worden, berichtet Stadtsprecher Harald Schlimgen auf NGZ-Anfrage. "Und die meisten lassen sich binnen kurzer Zeit beseitigen", fügt er hinzu. Heißt im Umkehrschluss: Der Mängelmelder macht das in anderen Städten sinnvolle Wutpunkte-Angebot hier so gut wie überflüssig.

Es sind nicht die ganz komplizierten Sachverhalte, für die der Dormagener Mängelmelder gedacht ist. "Die schwierigen Dinge lassen sich besser im persönlichen Gespräch oder telefonisch klären", glaubt Harald Schlimgen. Wenn es aber um kleinere Sachen geht, die dennoch großen Ärger hervorrufen können, ist das an das Ideen- und Beschwerdemanagement der Stadt gekoppelte Instrument ideal.

Das schlägt sich auch in der Übersicht über die Beschwerden nieder: Spitzenreiter im "digitalen Kummerkasten" (Schlimgen) ist illegal entsorgter Müll mit 328 Meldungen, Platz zwei belegen Hinweise auf mangelhafte oder defekte Straßenbeleuchtung (166 Meldungen). Andere Beschwerden betreffen zum Beispiel den Zustand der Straßenbeläge, heikle Verkehrssituationen oder die örtlichen Grünflächen. Drei Beschwerden vom Anfang der letzten Woche betrafen Grünabfall nahe dem Forsthausweg, eine defekte Beleuchtung Unter den Hecken und Unmut über die Müllabfuhr, u.a. an der Zeisigstraße. Nach Angaben der Stadt sind alle drei Probleme bereits gelöst. Der jeweilige Status der Bearbeitung von Beschwerden (ungeprüft, in Bearbeitung, gelöst oder auch unlösbar) ist im Mängelmelder ablesbar.

Wer ein Smartphone besitzt, kann "seinen" Missstand fotografieren und über eine kostenlose App an die Stadt weiterleiten. Die erhält auf diese Weise per GPS gleich eine genaue Standortbestimmung darüber, wo sich die Problemstelle befindet.

Nachdem das Dormagener Modell in der Zeitung des Städte- und Gemeindebundes vorgestellt worden war, kamen Anfragen von anderen Städten, die von den Erfahrungen in Dormagen profitieren möchten. Auch ein Fernsehteam des Senders Arte war in der Chemiestadt und drehte einen Beitrag über den Mängelmelder.

Wer den Weg über das Internet scheut, der kann sich mit Anliegen und Beschwerden weiterhin auch ganz klassisch persönlich oder telefonisch an die Stadtverwaltung wenden. "Der Internet-Mängelmelder ist nur ein Modul in unserem Beschwerdemanagement, kein Allheilmittel", sagt Harald Schlimgen. "Die anderen Wege zur Stadtverwaltung müssen auch offenbleiben."

(NGZ)