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Dormagen: Dormagenerin hilft als "große Schwester" Waisen in Südafrika

Dormagen : Dormagenerin hilft als "große Schwester" Waisen in Südafrika

Die Dormagenerin Felia Ricke verbringt nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr in Südafrika, wo sie für 24 Mädchen im Kinderheim Potchefstroom zuständig ist.

Die Dormagenerin Felia Ricke verbringt nach dem Abitur ein Freiwilliges Soziales Jahr in Südafrika, wo sie für 24 Mädchen im Kinderheim Potchefstroom zuständig ist.

Nach dem Abi ein Freiwilliges Soziales Jahr in Südafrika: Felia Ricke aus Dormagen verbringt zwölf Monate als Helferin im Kinderheim in Potchefstroom. Foto: ON

Eine völlig andere Welt kennenlernen und dabei andere Menschen unterstützen — aus dieser Motivation heraus hat sich die junge Dormagenerin Felia Ricke vor einem Jahr nach ihrem Abitur dazu entschlossen, ein Freiwilliges Soziales Jahr in Südafrika zu verbringen. Die aufregende Zeit geht nun langsam zu Ende.

"Beim Abschied von Freunden und Familie flossen noch Tränen, doch sobald ich in Frankfurt durch das Gate war, warteten andere, ganz neue Dinge auf mich", erinnert sich Felia Ricke, die seit elf Monaten in der Uni-Stadt Potchefstroom in Südafrika lebt. Die Sorgen, ob sie mit den Kindern im Heim zurechtkommt, waren unbegründet, wie sie im Rückblick sagt: "Ich habe mich schnell eingelebt, die Leute sind so offen und interessiert, dass man mit ihnen super zurecht kommt, und Heimweh kam auch eher selten vor." Felia Ricke hat festgestellt, dass "die südafrikanische Uhr langsamer tickt und alles entspannt und ohne Hektik erledigt wird".

Insgesamt sind 25 Deutsche mit dem Deutsch-Südafrikanischen Jugendwerk in Potchefstroom, 13 davon mit "weltwärts", einem geförderten Programm vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Sie arbeiten in drei verschiedenen Projekten, vier Jungen und vier weitere Mädchen mit Felia Ricke gemeinsam im Kinderheim: "Es tut gut, mit ihnen Probleme zu besprechen, die es schließlich bei allem Positiven auch gibt", sagt die Dormagenerin.

Sie arbeitet mit den ältesten Mädchen im Kinderheim, 24 Teenager im Alter von 13 bis 20 Jahren: "Ihnen stehe ich als große Schwester mit Rat und Tat zur Seite, die tröstet, wenn man Liebeskummer oder Sehnsucht nach zu Hause hat, und mit der man sich auch gern mal streitet." Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem das Wecken der Mädchen, die sich auf den Weg zur Schule machen müssen.

Vor und nach dem Mittagessen wird gebetet. "In einer Sache ist sich Südafrika mit seinen vielen verschiedenen Kulturen nämlich einig: Jeder ist gläubig", berichtet Felia Ricke. Nachmittags kümmert sie sich in der "Study time" um die Hausaufgabenbetreuung der Viertklässler eines anderen Hauses. "Einer von meinen Jungs, Siyabonga, hat sich von 49 Prozent, mit denen er durchgefallen ist, auf 79 Prozent hochgearbeitet und schien mir der stolzeste Junge der Welt zu sein", berichtet sie von Erfolgen im Englisch-Examen.

Vor ihrem Fenster hat sie einen kleinen Zoo: "Die Vögel im Baum erreichen eine unglaubliche Lautstärke, und der Frosch denkt, sie übertönen zu müssen. Das gefällt den nicht erzogenen Hunden gar nicht. Deren Gebell vervollständigt den Chor der Tiere, in den die Kühe von nebenan mit lautem Muhen einstimmen." Ihre Freizeit nutzt die Dormagenerin, um einzukaufen, Sport zu treiben oder zu entspannen. Die Kinder gucken viel TV. "Es hält aber kein Mädchen vorm Fernseher, wenn die Jungs zum Basketballspielen auf ihren Sportplatz dürfen", erzählt sie.

"Jedes Mädchen packt seinen tollsten Hüftschwung aus — und die können sich hier alle wirklich gut bewegen, und die Handys von den Jungs fangen immer ganz zufällig an, Musik abzuspielen. Und wo Musik ist, muss getanzt werden."

Auch wenn die Apartheid offiziell 1994 mit dem demokratischen Regierungswechsel und der Wahl von Nelson Mandela zum Präsidenten endete, bleiben Schwarz und Weiß im Alltag oft getrennt: "Es fängt bei den Sportarten und dem Ausgehen an und hört beim Wohnen auf", sagt Felia Ricke. Der größte Teil der farbigen Bevölkerung lebt in drei Townships von ,Potch': "Sie verlassen ihre Community nicht und würden sich in der Stadt nicht wohl fühlen."

(NGZ)