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Dormagen: Diese Vorurteile Erwachsener nerven uns

Dormagen : Diese Vorurteile Erwachsener nerven uns

Zum heutigen Weltjugendtag machen Besucher und Mitarbeiter des Jugendcafés Micado ihrem Herzen Luft.

Heute ist Weltjugendtag. Ein guter Zeitpunkt, auch die Jugend einmal zu Wort kommen zu lassen. Stimmt es, dass Jugendliche keinen Respekt vor Erwachsenen haben, den ganzen Tag nur saufen oder zocken? Wir haben im Jugendcafé Micado an der Kölner Straße nachgefragt, welches Vorurteil am meisten stört und was da überhaupt dran ist.

Felix Dietz (27) ist der pädagogische Einrichtungsleiter des Jugendcafés und ärgert sich über Stereotypen. "Die sind leider immer noch an der Tagesordnung. Jugendliche sind unhöflich, haben keinen Respekt und sind nicht empathiefähig." Er habe diese Erfahrungen eher mit Erwachsenen gemacht. "Samstagabends in der Rush Hour bei Netto an der Kasse sind die Erwachsenen oft viel unfreundlicher als die Jugendlichen." Warum trotzdem ein allgemein negativerer Tenor zu Jugendliche herrscht, kann sich Dietz nur so erklären: " Ich denke, Jugendliche sind einfach lauter und fallen dadurch mehr auf." Im Jugendcafé werde aber viel über Vorurteile gesprochen. "Wir versuchen, offen zu sein und sehr viel zu reflektieren."

Alina Wingens ist zurzeit Praktikantin im Jugendcafé. Am meisten nervt die 18-Jährige das Vorurteil, dass Jugendliche sich "jedes Wochenende abschießen". "Es gibt genügend, die das nicht tun." Sie selber hat ein Vorurteil gegenüber Computerspielern gehabt. Das habe sie aber durch ihren Freund, der gerne Computerspiele spielt, ablegen können. "Es ändert aber nichts daran, dass ich Brettspiele lieber mag."

Kai-René Stellmacher hat Vorurteile am eigenen Leib erlebt — auch von anderen Jugendlichen. Am meisten stört ihn, dass Jugendliche untereinander sehr stark auf das Aussehen achteten. "Nach dem Aussehen wird man beurteilt. Und wer nicht gut aussieht, wird ausgegrenzt", kritisiert der 17-jährige Gesamtschüler. Bei Vorurteilen von Erwachsenen den Jugendlichen gegenüber sei das Problem, dass Einzelfälle pauschalisiert würden. "Jemand macht eine negative Erfahrung und bezieht es dann auf alle."

Christian Böhm (15) findet auch, dass Verallgemeinerungen das größte Problem sind. Außerdem ärgere er sich sehr über einzelne Jugendliche, die Vorurteile entstehen ließen. "Wenn ich am Bahnhof zum Beispiel jemanden trinken sehe, dann frage ich mich, ob man das nicht auch hinter geschlossenen Türen machen kann." Der 15-Jährige versucht, selber keine Vorurteile zu haben. "Ich mache mir immer selber ein Bild von den Menschen, die ich kennenlerne."

Tobias Krumm (18) kann sich manches Vorurteil gut erklären. "Ich habe selber das Gefühl, dass die Kleinen heute frecher sind, als wir das damals waren. Aber es kann auch sein, dass mir das nur so vorkommt." Er selber fühle sich von Vorurteilen nicht sehr angegriffen. "Ich glaube nicht, dass die Masse "Flatratesaufen" macht. Ich mache es jedenfalls nicht. Allgemeine Kritik ist generell schwachsinnig."

Lisa Jaskowiak erwischt sich manchmal selber, dass sie den typischen Satz "Die Jugend von heute" denkt. "Mit meinen 20 Jahren bin ja auch schon älter, da passiert das mal." Sie ist der Meinung, dass es Vorurteile immer geben wird — in jeder Generation. "Unsere Großeltern haben sich über unsere Eltern beschwert, unsere Eltern beschweren sich über uns, und wir werden uns über unsere Kinder beschweren."

(NGZ)