Kamp-Lintfort: Jugendliche designen Möbel

Kamp-Lintfort: Jugendliche designen Möbel

19 Jugendliche, die regelmäßig das SCI-Jugendcafé an der Moerser Straße besuchen, sind unter die Möbeldesigner gegangen. Sie bauten Hocker, Tische und Kommoden. Seit Montag sind ihre Arbeiten im Foyer des Rathauses zu sehen.

Ein paar Bretter, ein Schraubenzieher und ein bisschen Farbe - mehr braucht der berühmte "Berliner Hocker" des deutsch-laotischen Designers Van Bo Le-Mentzel nicht. Das einst als Teil einer von ihm als "Hartz-IV-Möbel-Collection" geschaffene kleine Würfel-Element kann kombiniert alles sein, Sitzmöbel, Schreib- und Beistelltisch, Bettgestell, Regalteil und sogar Raumteiler. In diesem Fall war es der Mittelpunkt eines ungewöhnlichen Kreativprojektes, an dem 19 Jugendliche des Kamp-Lintforter SCI-Jugendcafés beteiligt waren. Unter dem Titel "Design light" haben sie mal streng nach Anleitung, aber auch nach eigenen Ideen eine Reihe origineller Möbel gebaut, die bis zum 16. März im Foyer des Kamp-Lintforter Rathauses zu sehen sind. Möglich wurde die ungewöhnliche Aktion durch eine finanzielle Spende der Ruhrkohle AG in Höhe von 2018 Euro, der tätigen Hilfe der Moerser SCI-Jugendwerkstatt und des Kamp-Lintforter Sozialprojektes "Jugend fördern im Quartier".

"Unser Jugendcafé ist zurzeit Treffpunkt von rund 70 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von zwölf bis 26 Jahren", erklärte Milan Djuric, Leiter der Kamp-Lintforter SCI-Jugendeinrichtung bei der Ausstellungseröffnung durch den ersten städtischen Beigeordneten Christoph Müllmann. "Es ist wirklich toll, was die jungen Leute hier produziert haben", lobte Müllmann. "Stimmt", bestätigte Milan Djuric: "Als wir dieses Möbelbauprojekt angeboten haben, waren sofort mehrere Jugendliche Feuer und Flamme. Und ich finde, dass sich das, was sie anschließend auf die Beine gestellt haben, wirklich sehen lassen kann." Auch das stimmte.

Gut vier Monate lang hatten die 19 jungen Möbeldesigner an ihren hölzernen Kreationen gearbeitet und dabei ihrem handwerklichen Geschick und ihrer Kreativität freien Lauf gelassen. So hatte der 18-jährige Martino zum Beispiel einen Schreibtisch für das Kamp-Lintforter Jugendcafé gebaut und dessen Platte zusätzlich mit einer dekorativen Zeichnung aus eingebrannten Linien versehen. Die ebenfalls 18 Jahre alte angehende Zahnarzthelferin Charleen hatte sich dagegen exakt an die Bauanleitung für den "Berliner Hocker" gehalten, ihm aber zum Schluss mit weißer Farbe, einem roten Herzen und verschiedenen Seefahrtsymbolen einen besonderen mediterranen Charakter verliehen.

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Für den 17-jährigen Mike war die Aktion gleich mehrfach produktiv. Der von ihm gebaute Sessel wird nach dem Ende der Ausstellung zu ihm nach Hause umziehen - und das Projekt hat ihn außerdem darin bestärkt, eine Tischlerlehre zu beginnen.

Die kreative Möbelwerkstatt ist laut Milan Djuric nur eines von vielen Projekten des Jugendcafés. So ist demnächst neben einem Gartenbauprojekt auch eines zur kritischen Nutzung von digitalen Medien, zum sozialen Umgang innerhalb verschiedener Kulturen sowie zur sprachlichen und bildungsmäßigen Weiterentwicklung von Jugendlichen unterschiedlicher ethnischer Herkunft geplant.

Und auch dabei, da ist Milan Djuric sicher, wird sich erneut beweisen, dass "man mit den Jugendlichen der heutigen Zeit viel machen kann".

(lang)