Die Pfadfinder vom Stamm Greifen aus Delrath

Delrather Pfadfinder : Pfadfinder lernen von Anfang an Teamgeist

Pfadfinder zu sein, bereitet die 110 Pfadfinder, die den Stamm Greifen in Delrath bilden, mit viel Spaß auf das Erwachsen-Sein vor.

Pfadfinder klingt ein wenig wie etwas aus einer vergangenen Zeit – bekannt ist das Leitmotiv „Jeden Tag eine gute Tat“. Vielen werden Bilder aus amerikanischen TV-Shows oder von Tick, Trick und Track, den Neffen von Donald Duck, als „Fähnlein Fieselschweif“ in den Sinn kommen, inklusive Abzeichen oder Verkauf von Keksen. Doch ganz so ist es nicht. „Für Pfadfindervereine gibt es keine internationalen Regeln. Und selbst in Deutschland ist die Vielfalt innerhalb der Pfadfindergemeinschaft riesig“, erklärt Christian Platz. Der 27-Jährige und seine 20-jährige Kollegin Denja Otte sind Pfadfinderleiter beim Stamm Greifen Delrath. Beide sind durch die Familie zu den Pfadfindern gekommen. „Das ist bei vielen so. Aber es gibt natürlich auch Kinder, die durch die Eltern angemeldet werden, um es auszuprobieren“, erzählt Otte. „Es ist nicht soviel anders wie in einem Fußballverein“, ergänzt Platz. Nachwuchssorgen müssen sich die Pfadfinder aktuell nicht machen. Rund 110 Mitglieder haben die Greifen derzeit. Verteilt auf verschiedene Altersgruppen. Dabei ist laut Beiden die höchste Ausstiegsrate bei den 13- bis 16-jährigen.

Was den Reiz der Pfadfinder in der modernen Zeit ausmacht, da können sich beide nur schwer festlegen. Zu vielschichtig ist die Antwort darauf. „Es ist nun mal so, dass es auch auf das Leben vorbereitet. Von Anfang an wird Eigenverantwortung und Teambuilding großgeschrieben. Wir haben zwar immer einen Leiter in den Gruppen, der aber eher dabei als übergeordnet ist. Je älter die Pfadfinder werden, desto mehr verschwindet der Leiter in der Gruppe“, sagt Platz. „Diese beiden Dinge sind natürlich wichtig für Studium oder Arbeit später. Aber gleichzeitig hat man immer wieder unterschiedliche Leiter. So wie man später oft wechselnde Chefs oder Dozenten hat.“

Otte ergänzt noch, dass „man auch viel im Ausland unterwegs ist. Ich kriege oft mit, dass Menschen sagen, sie würden das auch gerne alles einmal sehen. Das fördert auch bei den Jugendlichen den Blick darauf, dass man in einer international vernetzten Gemeinschaft ist.“

Einmal in der Woche treffen sich die unterschiedlichen Gruppen in Delrath. Sie bereiten Ausflüge und die zwei Höhepunkte des Jahres vor. Das eine ist der Georgs-Tag. Dabei messen sich die unterschiedlichen Stämme eines Bezirkes in verschiedenen Prüfungen. „Es gibt dort schon eine Konkurrenz zwischen den Stämmen. Und wenn man eine Trophäe dreimal gewonnen hat, darf diese dauerhaft bei dem Stamm bleiben“, erzählt Otte. Der andere Höhepunkt ist das jährliche Sommerlager. Zwei Wochen geht es in immer unterschiedliche Regionen Deutschlands oder des Auslandes. „Hier zeigt sich dann, wie unterschiedlich die Charaktere innerhalb einer Gruppe sind. Und es wird den Pfadfindern gezeigt, dass jeder einen Platz haben kann, außer die Faulen. Und es gibt auch viel Tradition. Gerade altes Liedgut rückt in den vergangenen Jahren wieder vermehrt in den Mittelpunkt“, schwärmt Platz.

Am Ende meint Platz, ist die Aktualität der Pfadfinder vielleicht nicht anders, als sie es vor über 100 Jahren war. „Robert Baden-Powell, der Gründer der Pfadfinder, sah in den dunklen Gassen Londons Jugendliche, die ihre Zeit vergeudeten, dabei aber nichts lernten oder Sinnvolles taten. Eventuell ist es heute nicht mehr der dunkle urbane Lebensraum, sondern das dunkle und einsame Kinderzimmer, welches an diese Stelle getreten ist.“

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