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Dormagen: Die Nachlässigkeit bekämpfen

Dormagen : Die Nachlässigkeit bekämpfen

Hackenbroich Wenn Bürgermeister Heinz Hilgers heute Mittag in der Berliner Akademie der Künste als Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes Bundeskanzlerin Angela Merkel ein "Hausaufgabenheft" als Wunschliste für die Kinderpolitik überreicht, kann er aus der Heimat berichten.

Hackenbroich Wenn Bürgermeister Heinz Hilgers heute Mittag in der Berliner Akademie der Künste als Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes Bundeskanzlerin Angela Merkel ein "Hausaufgabenheft" als Wunschliste für die Kinderpolitik überreicht, kann er aus der Heimat berichten.

Der Rhein-Kreis Neuss ist mit seinem Präventionsprojekt "prokita" führend im Lande. Nach Weckhoven und Erfttal beginnt dieses Unterstützungspaket für Kita-Kinder jetzt in den vier Kindertagesstätten in Hackenbroich mit rund 110 Vier- und Fünfjährigen. Ganz oben auf der Wunschliste stehen für Hilgers eine Ausdehnung des Projektes auf Horrem und die geplante Einbeziehung der Übergewichts-Problematik.

Fast 30 Prozent der Vierjährigen in Dormagen zeigten bei der Einschulungsuntersuchung Sprachdefizite, fast 40 Prozent haben keinen ausreichenden Impfschutz. Für Kreis-Gesundheitsdezernent Karsten Mankowsky und Heinz Hilgers "alarmierende Zahlen". Ihre Folgerung: "Wir müssen möglichst frühzeitig diese Defizite erkennen. Wenn die Kinder in die Schule kommen ist es fast schon zu spät".

Dabei gehe es weniger um spektakuläre Fälle der Vernachlässigung wie bei Jessica in Berlin. Die Eltern sollen aufgerüttelt werden, das staatlich gebotene Mindestprogramm wie die Vorsorge-Untersuchungen in Anspruch zu nehmen, so das Ziel von "prokita". Mankowsky: "Alle Kinder, die 2008 eingeschult werden, sollen von einem Kinderarzt untersucht werden. Bei Defiziten werden gezielte Therapien angeboten." In regelmäßigen Abständen folgen dann Kontrolluntersuchungen.

In Weckhoven hat dieses Präventionsprogramm sensationelle Erfolge erzielt. Die Leiterin des Kinder- und Jugendärztlichen Gesundheitsdienstes (KJGD) des Kreises, Dr. Beate Klapdor-Volmar, gestern in Hackenbroich: "In Weckhoven erreichten wir mit diesem Programm 100 Prozent der Kinder."

Die angebotenen Therapien zeigten erstaunliche Erfolge: Die grobmotorischen Störung gingen zwischen den beiden ersten Untersuchungen von 30 auf drei Prozent zurück, und selbst das Übergewicht bei vielen Kindern wurde zum Teil deutlich reduziert. "prokita" wurde mit dem Deutschen Präventionspreis ausgezeichnet; Jury-Mitglied bei der Bertelsmann-Stiftung war Heinz Hilgers.

Dreh- und Angelpunkt des Projektes sind die Eltern. Um diese zu erreichen startet das Programm mit intensiven Informationen und Vorbereitungen der Väter und Mütter. Nach Möglichkeit soll auch zumindest ein Elternteil und eine Erzieherin bei den Untersuchungen dabei sein, damit gezielt Hilfen und Therapiemöglichkeiten besprochen werden können, in die Eltern und Kita einbezogen werden.

Dass das Präventionsprogramm in Hackenbroich unbedingt notwendig ist, zeigt eine Zahl, die Hilgers nennt: "In Delhoven nehmen alle Eltern die Vorsorgeuntersuchung U 9 wahr, in Hackenbroich sind es gerade einmal 40 Prozent." Mankowsky: "Es geht darum die Nachlässigkeit im Umgang mit den Kindern zu bekämpfen."

Die Untersuchungen selbst sind kostenlos. Doch der Kreis hat mit diesem Projekt viel Geld in die Hände genommen. Mankowsky: "Summen, das wir später als Behandlungskosten sparen." Dass die Eltern-Nachlässigkeit Folgen hat, zeigen, dass auch in der Region wieder Fälle von Masern und anderen Krankheiten aufgetreten sind, gegen die Impfungen guten Schutz bieten. Ein Kind ist sogar verstorben.

(NGZ)