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Sanierungsplan für Autobauer gescheitert: "2014 sieht man, ob Opel Ernst macht"

Sanierungsplan für Autobauer gescheitert : "2014 sieht man, ob Opel Ernst macht"

Wie geht es weiter mit dem Opel-Werk Bochum? Experten sind sich uneins. Der dortige Betriebsratschef Einenkel setzt nach der Ablehnung des Sanierungsplans durch die Belegschaft weiter auf Verhandlungen. Das Unternehmen lehnt das - bisher - ab.

Mit ihrem Nein zum Sanierungsplan des angeschlagenen Autobauers Opel hat sich die Belegschaft in Bochum auf dünnes Eis begeben. Denn die Adam Opel AG hielt am Freitag an ihrem harten Kurs fest: Es wird keine weiteren Verhandlungen über die Zukunft des Werks geben, und die Autofertigung läuft Ende 2014 aus, hieß es in Rüsselsheim.

Doch damit will sich der Bochumer Opel-Betriebsratschef Rainer Einenkel nicht abfinden. Er hatte den Sanierungsplan vehement bekämpft, weil ihm klare Zusagen des Unternehmens fehlten. Er setzt nun auf weitere Verhandlungen mit dem neuen Opel-Chef Karl-Thomas Neumann. "Es muss weitere Gespräche geben. Dieser Vertrag ist nicht akzeptabel", sagte Einenkel am Freitag der Nachrichtenagentur dpa.

Autoexperten uneins

Die IG Metall kündigte an, sich in den kommenden Wochen mit dem Betriebsrat und der Adam Opel AG über weitere Schritte abstimmen zu wollen. Laut NRW-Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) bemüht sich die Gewerkschaft, das Unternehmen zu weiteren Gesprächen zu bewegen.

Autoexperten sind sich uneins, wie es mit Opel in Bochum weitergehen wird. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen glaubt nicht daran, dass Opel seine Ankündigung wahr macht und die Fertigung in Bochum zum 1. Januar 2015 komplett einstellen wird.

"Ende 2014 wird man sehen, ob Opel Ernst macht", sagte Dudenhöffer der dpa. Er gehe aber nicht davon aus, dass Opel die Fertigung dann beende. "Eine langsam auslaufende Produktion bis 2016 ist für Opel die ökonomischere Alternative, die auch in der Öffentlichkeit positiv aufgenommen würde."

Auch der Bochumer Betriebsrat spekuliert darauf, dass das Opel/GM-Management auch ohne vertragliche Beschäftigungsgarantie 2015 und 2016 in Bochum weiterproduzieren könnte. Der Modellzyklus des in Bochum gefertigten aktuellen Familienvans Zafira läuft 2016 aus. Für die letzten zwei Produktionsjahre die Fertigung noch einmal komplett zu verlagern, wäre viel zu teuer, so das Kalkül.

"Geduldsfaden bei GM reißt"

Dudenhöffers Kollege Stefan Bratzel von der FH Bergisch Gladbach sieht das anders. "Der Geduldsfaden bei GM ist dabei zu reißen", sagte der Autoexperte am Freitag der dpa. Jenseits des Atlantiks wolle man jetzt unbedingt schnell aus den negativen Schlagzeilen raus - auch wenn das kurzfristig mehr koste. Eine Fabrikverlagerung weg von Bochum werde - je nach neuem Standort - zwischen 50 und 200 Millionen Euro kosten, schätzt Bratzel. GM Europe habe seit 1999 aber bereits runde 15 Milliarden Dollar Verlust erwirtschaftet. Vor diesem Hintergrund verlören die Zusatzkosten ihre abschreckende Wirkung.

Auch das Argument, dass eine "harte Werksschließung" das Opel-Image in Deutschland beschädige, ziehe für ihn nicht, sagte Bratzel. Bei ähnlichen Fällen in der Vergangenheit sei die Empörung schnell in Vergessenheit geraten. Dagegen belasteten die Negativ-Schlagzeilen wegen des jahrelangen Streits um Opel die Marke und damit auch ihre Einnahmen. "Opel baut wieder gute Autos, kann dafür aber nicht die Preise nehmen wie manche Konkurrenten", sagte Bratzel. "Opel muss den Verlierer-Abschlag loswerden."

Die Beschäftigten in Bochum hatten am Donnerstag den Sanierungsplan mit klarer Mehrheit abgelehnt. Das Unternehmen bedauerte das Votum und stellte klar: "Die Zafira Tourer Produktion und der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen werden Ende 2014 auslaufen."

Kündigungsschutz bis Ende 2014

Die Getriebefertigung mit mehreren hundert Mitarbeitern im Ruhrgebiet soll nun doch schon Ende 2013 auslaufen. Und die nach den monatelangen Verhandlungen vorgesehene Ansiedlung eines Komponentenwerks in Bochum ist vom Tisch. Der Kündigungsschutz gilt für den Standort nur noch bis Ende 2014.

Die Gewerkschaftsmitglieder hatten sich nach Angaben der IG Metall mit 76,1 Prozent gegen den Tarifvertrag ausgesprochen. Sie folgten damit ihrem Betriebsrat, der den Sanierungsplan abgelehnt hatte.

Mit dem zwischen Gewerkschaft, Betriebsrat und Unternehmen erarbeiteten Tarifvertrag sollte das Aus für die Fahrzeugproduktion um zwei Jahre verschoben werden. Nach 2016 sollten Bochum nur noch eine Teilefertigung und ein Ersatzteillager mit zusammen 1200 Arbeitsplätzen bleiben. Derzeit hat Opel dort noch 3200 direkt beim Unternehmen beschäftigte Mitarbeiter, inklusive der ausgelagerten Bereiche stehen gut 3900 Menschen auf der Gehaltsliste von Opel. Wenn nicht weiter verhandelt wird, würde Opel nach heutigem Stand 2015 nur noch rund 420 Menschen im Warenverteilzentrum beschäftigen.

Eine große Chance vertan

"Wir bedauern sehr, dass die Beschäftigten in Bochum ein attraktives Angebot nicht angenommen haben", erklärte der Bochumer Werksleiter Manfred Gellrich am Abend in einer Mitteilung. Eine große Chance sei vertan.

Einenkel hofft hingegen auf eine Gemeinsamkeit zwischen ihm und Neumann, der den defizitären Autobauer erst seit Anfang März führt: Sie beide seien nicht an den Verhandlungen beteiligt gewesen. Neumann habe man eine Baustelle überlassen. "Ich setze auf die Klugheit von den verantwortlichen Opel- und General Motors-Managern, jetzt mit uns zu reden."

Es sei auch nicht so, dass es nun erstmal keine Gespräche mehr gebe. Bereits für den Nachmittag sei ein Gespräch mit der Werksleitung vereinbart. Dabei solle es um die Frage gehen: "Wie geht es weiter dem Werk?"

Betriebsrat und IG Metall uneins

Betriebsrat und IG Metall waren sich bei der Beurteilung des Sanierungsplans nicht einig. Einenkel reichten die Zusagen für die Ersatzarbeitsplätze nicht. Außerdem drohten schon vor 2016 Entlassungen, hatte er gewarnt. Die Gewerkschaft betonte, mehr sei in den Verhandlungen nicht herauszuholen gewesen.

Einenkel hält das mögliche Ende der Autoproduktion schon 2014 für eine leere Drohung. Eine Verlagerung sei "aufgrund hoher Investitionen und fehlender Fachkompetenz in anderen Werken unsinnig", hatte der Betriebsrat in einem Flugblatt erklärt.
In Bochum wird der Zafira gebaut. Der soll nach den Plänen des Unternehmens nun von 2015 an einem anderen Standort vom Band rollen.

Die IG-Metall-Mitglieder an den drei Opel-Standorten Rüsselsheim, Kaiserslautern und Dudenhofen hatten den Tarifvertrag bereits mit großer Mehrheit angenommen. Ein Nein in Bochum hat darauf keine Auswirkungen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Dezember 2012: Opel-Belegschaftsversammlung in Bochum

(lnw/nbe/csi/das)