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Fondsbörse: Die zwei Gesichter der Zweitmärkte

Fondsbörse : Die zwei Gesichter der Zweitmärkte

Auch die Zweitmärkte müssen sich der Regulierung der Branche unterordnen. Eine positive Entwicklung, meint die Fondsbörse Deutschland. Der Marktführer erwartet für die nächsten Jahre einen Qualitätsschub, in diesem Jahr dürfte es jedoch eine Delle geben.

Knapp ein Jahrzehnt ist es her, da waren die Spezialisten von der Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG (Zweitmarkt.de) schon mal als Pioniere unterwegs. Damals wollte die Börse Hamburg eine eigene Marke im Handel mit Geschlossenen Fonds aufbauen — eine Marke, die im Übrigen nach den von den Börsen gewohnten transparenten Kriterien die Altanteile von Geschlossenen Fonds zwischen Verkäufern und Käufern fair vermittelt. Nun, die Marktführerschaft hat sich die Fondsbörse Deutschland mit diesem Konzept und über einer Milliarde Euro erfolgreich vermitteltem Nominalkapital längst erarbeitet. Der Umsatz für das Geschäftsjahr 2012 lag bei 146 Millionen Euro. Und auch die Börsen Hannover und München sind in den vergangenen Jahren in die initiatoren-unabhängige Handelsplattform eingestiegen.

"Auch jetzt spielen wir wieder eine Vorreiterrolle", freut sich Alex Gadeberg, Vorstand der Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG. Bereits Ende 2012 erhielt das Unternehmen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die Zulassung als Finanzdienstleistungsinstitut — die Regulierung der kompletten Branche für Geschlossene Fonds, die im Sommer in Kraft tritt, machte diese Zulassung notwendig.

Alex Gadeberg sieht diese Entwicklung positiv für die gesamte Branche. "Geschlossene Fonds werden auf diese Weise aufgewertet, denn sie werden durch die Kontrolle der Finanzaufsicht und die damit verbundenen Neuregelungen zu vollwertigen Finanzinstrumenten, mit einer neuen Qualität an Transparenz und Kundenorientierung." Nicht alle Zweitmärkte werden diesem Schritt des Marktführers folgen (können). Deshalb rechnet Gadeberg auch in diesem Segment mit einer Marktbereinigung. Das allerdings werde in Kombination mit der strengeren Regulierung auf lange Sicht auch für die Zweitmärkte positive Auswirkungen haben. "Die Zweitmärkte werden noch transparenter, es gibt noch qualifiziertere Informationen über die Fonds und wir kommen den inneren Werten der Fondsanteile noch ein Stück näher."

Anteile von rund 5500 Geschlossenen Fonds werden derzeit an der Fondsbörse Deutschland gehandelt und geben damit einen interessanten Überblick über die Stimmungslage. Und die war zumindest 2012 gar nicht so schlecht: über 4200 Vermittlungen (ein Plus von elf Prozent) bei 146 Millionen Euro Umsatz, damit sind die Börsenbetreiber zufrieden. Der Handel mit Immobilienfonds bildet nach wie vor den Schwerpunkt der Handelsaktivitäten (rund 98 Millionen Euro), gefolgt von Schiffsbeteiligungen mit rund 22 Millionen Euro. Gekauft werden die Altfonds-Beteiligungen vor allem von Privatanlegern, die ganz offensichtlich gezielt nach einem günstigen Einstieg suchen. 2012 war ihr Anteil mit rund 70 Prozent sogar erstmals höher als der Anteil von professionellen Investoren.

Eine interessante Entwicklung, die doch zeigt, dass die mitunter in der breiten Öffentlichkeit vermittelte Untergangsstimmung bei Kennern eher gezielte Kaufimpulse auslöst.

Allerdings hat sich die schlechte Stimmung auf dem Erstmarkt dennoch auf den Zweitmärkten bemerkbar gemacht — mit weiter sinkenden Kurswerten. "In 2012 hatten wir zwar mehr Verkäufe, aber die Kurswerte sind im Schnitt um rund fünf Prozent gesunken", konstatiert Gadeberg. Im Februar etwa lag der Durchschnittskurs der vermittelten Fonds quer durch alle Assetklassen bei über 42 Prozent. Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel, denn bei guten Fonds stieg auch die Nachfrage der Käufer schon mal rapide um das Zehn- bis Zwanzigfache an.

Doch wie wird sich die Regulierung auf die Zweitmärkte auswirken? Alex Gadeberg erwartet für 2013 ein schwieriges Jahr, ein Jahr mit zwei Gesichtern. "Wir werden bis zum Stichtag im Juli deutlich mehr Käufer haben, das könnte auch dazu führen, dass die Kurse nach oben gehen. Andererseits kann es passieren, dass es uns dafür in der zweiten Jahreshälfte an Käufern fehlt." Für Besitzer von Altfonds könnte daher das zweite Halbjahr durchaus schwierig werden. "Es mag in vielen Fällen sinnvoll sein, noch im ersten Halbjahr Altfondsanteile zu veräußern." Der Vorstand der Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG rät Betroffenen jedoch auch, nicht panisch zu verkaufen. Die für das zweite Halbjahr zu erwartende Delle im Zweitmarktgeschäft wird sich langfristig wieder ausgleichen, ist Gadeberg überzeugt.

Für die Fondsbörse Deutschland ist das Jahr 2013 eine Herausforderung. Aktuell ist sie etwa dabei, die gesamten Prozesse auf die neue Rechtslage umzustellen. Ein kosten- und arbeitsintensiver Kraftakt, der allein in diesem Jahr zehn Prozent der Belegschaft binden wird. "Die Abläufe verändern sich durch die Regulierung komplett. So müssen wir unter anderem für jeden Kunden ein separates Treuhandkonto eröffnen." Der Mehraufwand soll nach dem Willen des Gesetzgebers in erster Linie der Sicherheit und Transparenz dienen. "Das sehen natürlich nicht alle Kunden als Vorteil", schränkt der Vorstand ein. "Denn letztendlich müssen die Kosten von den Kunden bezahlt werden."

Die positiven Aspekte der Regulierung überwiegen jedoch. So geht Alex Gadeberg davon aus, dass es im regulierten Markt bei einzelnen Fonds sogar zu höheren Umsätzen kommen kann, und "das wird zu einem insgesamt stabileren Markt führen". Nicht zuletzt hofft er dadurch, neue Kundengruppen gewinnen zu können. So hat die Fondsbörse jetzt schon festgestellt, dass der Anteil der Vermögensverwalter unter der Kundschaft langsam aber sicher zunimmt. Gadeberg persönlich freut sich auf den mit der Regulierung verbundenen Qualitätsschub: "Es macht einfach mehr Spaß, gute Fonds zu handeln!" Er rät Anlegern, dabei vor allem auf die Qualität des Fondsmanagements zu achten, denn nur ein guter Manager könne einen Fonds, der mal schlecht läuft, wieder auf die richtige Spur bringen.

(RP)